Notes

Wenn einer eine Reise tut – Edradour Caledonia und Highland Park 1994 for travel retail

Von meiner diesjährigen Reise nach England und Schottland habe ich nicht nur die letzte Woche vorgestellte Haggis flavoured chocolate mitgebracht, sondern natürlich auch was Flüssiges.

Bei meinem inzwischen dritten Besuch bei Edradour, einer der kleinsten und schönsten Destillerien Schottlands, habe ich im Shop eine Abfüllung aus Dougie MacLean’s CALEDONIA Selection entdeckt, einen 12jährigen Edradour mit 46%. Douglas „Dougie“ MacLean ist ein schottischer Musiker, der zusammen mit Andrew Symington, dem Besitzer von Edradour, diese Kollektion ins Leben gerufen und nach einem seiner Songs benannt hat.

edradour-12-caledonia Die Dose ist (gelinde gesagt) sehr auffällig gestaltet, ganz in dunklem Blau mit einer etwas helleren schottischen Flagge (s. Foto), die auch das Flaschenetikett bildet. Die Farbe des Whiskies lässt wenig Zweifel daran aufkommen, dass es sich um Sherryfässer (keine Einzelfassabfüllung!) handelt. Nase und Geschmack sind typisch Edradour, warm und cremig mit viel Vanille und Zimt und dem gewissen Bittermandel/Marzipan-Aroma, das alle Edradours auszeichnet. Der bei manchen Einzelfassabfüllungen ausgeprägte Parfüm/Seifen-Geschmack fehlt hier gänzlich oder ist zumindest gut eingebunden, man könnte höchstens eine etwas zu starke Alkoholnote bemängeln. Im Hals breitet sich dann der volle Geschmack von gerösteten süßen Mandeln mit einer tiefen pelzigen Fruchtigkeit vom Sherry aus. Eine gelungene Abfüllung zu einem Preis von rund 45 €.

highland-park-1994 Auf dem Londoner Flughafen Heathrow musste ich dann natürlich die Auslagen der Whisky Stores checken und habe mich schließlich für den Highland Park 1994 mit 40% created exclusively for travel retail entschieden. Mit 44 Britischen Pfund (knapp über 50 €) ist er nur wenig günstiger als ein Highland Park 18 Jahre und dabei 2 Jahre jünger und mit deutlich geringerem Anteil an Sherry-Fässern (wenn überhaupt). In der Flasche sieht er noch recht dunkel aus, im Glas ist er dann ziemlich hell. Die Nase ist sehr würzig, vanillig, mit viel Eiche, etwas Zitrus und Birne im Hintergrund. Im Mund wird er dann eher enttäuschend, von der Würze ist nur noch wenig zu spüren und macht einer zurückhaltenden cremige Süße platz. Im Hals wird er dann sehr eichig mit leichter süßer Würze und einem recht kurzen Abgang. Ein wenig mehr hatte ich mir dann schon erhofft, da gibt es auch von unabhängigen Abfüllern spannenderes.

Jörg Bechtold

Jörg Bechtold

Jörg Bechtold beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren mit Single Malt Whisky. Auf mehreren Reisen nach Schottland hat er Land und Leute kennen gelernt sowie viele Destillerien besucht. Seit 2002 betreibt er die WHISKYFANPAGE.DE, seit 2006 dieses Blog und ist außerdem als Referent für Whisky-Tastings tätig.
Jörg Bechtold
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