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Whisky aus der Bretagne: Malt, Blé, Rye, Blend

von Ernie Ernst J. Scheiner, The Gateway to Distilleries

Gute Whiskys kommen nicht nur aus Schottland. In der Bretagne überrascht die Kunst der Brennmeister mit charaktervollen Interpretationen. Vier Brennereien produzieren auf der größten französischen Halbinsel Brände, die national und international Furore machen.

Die bretonische Brennerei Warenghem in Lannion ist mit ihren Amorik-Whiskys, darunter Blends und Single Malts, seit 1984 der größte Whisky-Produzent in Frankreich. Ihr beliebter WB Blend – aus 100% eigenen Grain- und Maltdestillaten – findet sich neben den Armorik Single Malts in den in den französischen Supermärken. Die kleine Craft Destillerie Glann ar Mor produziert rauchige Malts unter dem Namen Kornog und nicht-rauchige unter dem Brennerei-Namen. Überraschende Kreationen bietet die Distillerie des Menhirs an. Im Jahre 2002 war der EDDU-Buchweizen-Whiskys die Überraschung. Die kleinste bretonische Brennerei Kaer-ilis liegt auf der im Atlantik gelegenen Belle Île. Mitte 2015 brachte sie ihren ersten auf einer deutschen Anklage selbst gebrannten eigenen Single Malt An Toiseach ar Bell’ Isle heraus.

Armorik Sauternes Abfüllung exklusiv für Deutschland

Ein beachtlicher Qualitätsschub manifestierte sich in der 55 % vol. Einzelfassabfüllung eines Armorik, der acht Jahre ausschließlich in einem Barrique heranreifte, das aus dem Weinanbaugebiet Sauternes südöstlich von Bordeaux stammte. Freundschaftliche Beziehungen zu einem Vigneron eines berühmten namentlich nicht genannten Sauternes-Châteaus machten den Großeinkauf der wertvollen Weinfässer für Gilles Leizour möglich. Diese Art der langen Reifung ist in der Whisky-Branche eher eine Ausnahme, denn die seltenen und daher sehr teuren 225 Liter großen aus exzellenten französischen Eichenhölzern aufgebauten Barriques sind nicht weitverbreitet. In ihnen reiften zuvor süß ausgebaute Weißweine aus den Trauben Sèmillon, Sauvignon Blanc oder Muscadelle.
In Schotttland werden Sauternes Barriques gerne von den Distilleries Arran, Bruichladdich, BenRiach, Tullibardine oder Glenmorangie zum Finishing (Nachreifung) ihrer Malts eingesetzt.

Roof Rye: Breton-Provençale Marriage

Im Frühjahr 2015 überraschte Warenghem mit einem Roggen-Whisky, genannt Roof Rye Double Maturation, der zunächst exklusiv für zwei Cocktail Bars in Marseille kreiert wurde. Die Partnerschaft zwischen dem Provençalen Guillaume Ferroni – ein in Frankreich sehr bekannter Bartender – und dem Bretonen David Rousseau mündete in dieses Experiment. Ferroni: „Das Destillat lagerte zunächst für sechs Jahre in einem ausgewaschenen second-fill Oloroso-Fass (500 Liter) in der Bretagne, danach achtzehn Monate in zwei neuen kleinen leicht gecharrten Fässern aus amerikanischer Eiche, die speziell für mich von einem Küfer aus Cognac gebaut wurden.“ Im warmen und trockenen Klima der Provence reifte der Rye in der Hitze von zwei Sommern unter einem Wellblechdach, um so die letzte aromatische und geschmackliche Finesse zu erhalten. Ferroni: „Die Temperaturkurve war hier schon extrem, von -5° C bis +61° C. Der Jahresdurchschnitt lag wohl bei +20°C.“ Die erste Auflage Roof Rye ist auf 600 50cl-Flaschen limitiert, abgefüllt in einer Stärke von 43 % vol. Es dominieren kräftige Vanille-, Karamell- und trockene Gewürznoten. Roussier erklärt: „Der Roof Rye wurde nicht aus 100 % Roggen destilliert, der Roggenanteil lag aber über 51 %. Es war der erste französische Rye Whisky. Wir werden weitere Batches produzieren, davon kommen dann einige Flaschen nach Deutschland.“

Only Rye: Premier Seigle Français

Glann ar Mor Only Rye ist Jean Donnays neueste Kreation. Es ist der erste französische Single Rye. Dieser 46 % vol. kräftige „Single Malt“ aus 100% gemälztem und nicht getorftem Roggen wurde an den Côtes d’Armor mit ihren rosafarbenen Granitfelsen zweifach destilliert. Reifen durfte er in neuen 100 Liter kleinen französischen Eichenholzfässern und wurde ohne Altersangabe selbstverständlich nicht kühlgefiltert und nicht mit Karamel E 150a gefärbt im Frühjahr 2015 in 500 Flaschen abgefüllt. Er ist wohl der erste französische Whisky aus 100% Roggen und der erste aus der Bretagne überhaupt. Auf dem Etikett fehlt die sonst übliche Angabe Whisky Breton. Juror Serge Valentin schwärmt: „Ich finde ihn sehr aromatisch und sehr schön … er ist weitaus würziger als die meisten amerikanischen, kanadischen oder gar europäischen Ryes. Es ist ein sehr guter Stoff.“ Er bewertet den Glann ar Mor Only Rye mit 87 von 100 möglichen Punkten.

EDDU, ein Whisky aus Buchweizen

Der EDDU Silver reifte fünf Jahre in französischen Eichenholzfässern der berühmten Tonnelerie Vicard in denen man zuvor Cognac ausbaute und ein weiteres Jahr in Fässern aus Eichenholz, das aus dem bretonischen Brocéliande Wald stammt, dem mythischen Wald der Artus-Legende, wo die Fee Morgan, den Zauberer Merlin verhexte.
Der 40 % vol. EDDU Grey Rock ist ein vielschichtiger fruchtiger Blended Whisky aus 30 % Buchweizen-Whiskys und 70 % Gerstenmalz-Whiskys, die vier und fünf Jahre in 350 bis 400 Liter großen Cognac-Fässern aus Limousin-Eiche reiften. Sein Bruder Grey Rock Brocélliande wurde zunächst in Limousineichen-Fässern und danach für eine unbestimmte Zeit in Fässern aus Eichenholz des Brocélliande aromatisch und geschmacklich geprägt. 70% der verschnittenen Whiskys sind wohl aus Kanada und/oder aus Schottland. Damit wäre das Logo Produit en Bretagne auf der Verpackung etwas irreführend. „In wenigen Jahren werden wir 100 % der Whiskys aus der eigenen Brennerei für unseren Grey Rock zum Blenden zur Verfügung haben,“ schreibt Kevin le Lay von der Menhirs Distillerie.

Eine ausführliche Darstellung der bretonischen Brennereien präsentiert Ernie -Ernst J. Scheiner in der Herbstausgabe des Whisky Magazins The Highland Herold. Auf der Webseite kann die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift kostenfrei als pdf heruntergeladen werden. Sie ist als Hardcopy in Whisky-Fachgeschäften erhältlich.

Ernie - Ernst J. Scheiner

Ernie - Ernst J. Scheiner

Ernst J. Scheiner ist der Herausgeber des Portals The Gateway to Distilleries und hat über 140 Destillerien fotografisch von innen dokumentiert sowie ihre Produktion beschrieben. Seit seinem Studium an der University of Edinburgh befasst er sich mit Whisky und publiziert in englisch- und deutschsprachigen Blogs sowie Magazinen über schottische und irische Destillerien. Als Whisk(e)y-Botschafter führt er Tasting-Kollegs und Studienreisen für Einrichtungen der Erwachsenenbildung sowie für das EBZ Irland durch.
Ernie - Ernst J. Scheiner
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