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Poitìn, der Klare aus Irland – Wiederentdeckung einer Tradition

von Ernie – Ernst J. Scheiner, The Gateway to Distilleries 

Auf der grünen Insel wird der Poitìn – gesprochen po(t)schien – seit Jahrhunderten gerne getrunken. Die klare Spirituose ist das Alltagsgetränk in vielen irischen Haushalten. Wie ein Obstler in Oberösterreich begleitet er als Shot die Mahlzeiten oder die Gespräche unter Freunden. Der irland-typische Poitín wird heute wie früher in nicht wenigen Häusern regelmäßig für den eigenen Verzehr gebrannt. Dieses Recht ließen sich viele der illegalen Brenner auch dann nicht nehmen, als die englische Krone 1661 die landesweite Herstellung dieses Destillats verbot. Die irischen Schwarzbrenner ließen sich vielerorts nicht einschüchtern und destillierten nach wie vor nach ererbten Rezepten ihren Klaren. So mancher Destillateur stieg wegen der besonderen Qualität seines Potheen (anglisiert) zum heimlichen Star in der Region auf. Unterschiede in den Aromen und im Geschmack können von Gebiet zu Gebiet stark variieren. Jeder Brenner hatte und hat eben seine Vorlieben.

Die illegalen Kleinbrenner von Co. West Cork verwenden dazu traditionell vorwiegend Getreide, ihre westlichen Nachbarn in Co. Waterford Kartoffeln und jene im nordwestlichen Galway und Donegal Zuckerrüben-Melasse. Der frische, klare und alkoholstarke White Spirit mit 50 % Vol. bis zu 90 % Vol. wird oft in gebrauchten Weinflaschen mit Schraubverschlüssen unter der Hand vertrieben. Auf dem Schwarzmarkt sind auch fassgelagerte Varianten erhältlich. Allerdings konnte früher der Besitz einer Flasche Poitín bis zu ein tausend Pfund Strafe nach  sich ziehen.

Koloniale Alkoholsteuer

Der durch die Civil Wars – Bürgerkriege – in Finanznot geratene englisch-schottische König Charles II verbot an Weihnachten 1661 die irische Poitín-Produktion. Oliver Cromwell hatte ein zerrüttetes Land hinterlassen. Zur Finanzierung des englischen Bürgerkriegs führte der Stuart-Monarch erstmals im Vereinigten Königreich eine hohe Alkoholsteuer ein. Sie traf die Grüne Insel ins Mark. Irland war ja in jener Zeit ein Teil Englands. Von 1171 bis 1922 gehörte es zum United Kingdom. In den ersten Jahren wurde Éire als Lordschaft des Königs von England und ab 1541 bis zur Gründung des Irischen Freistaats als Kingdom of Ireland durch seine feudalen Vertreter ausgebeutet. Die zahlreichen Irish Distilleries sollten den Staatshaushalt sanieren helfen, während illegale Poitín-Brenner keinesfalls die königlichen Einnahmen schmälern sollten. Steuereintreiber der Krone, die Royal Excisemen, kontrollierten die Abführung der excise tax on alcohol. Sie jagten landesweit, wo auch immer, die kleinen Schwarzbrenner.

In den abgelegenen Dörfern blühte nach wie vor der Poitín-Handel. Mit einfachsten Mitteln und Geräten wurde im Geheimen oft bei windigen Wetter produziert. Rauchschwaden sollten die Steuereintreiber nicht auf die Spur des Schwarzbrenners führen. Eine Maische bestehend aus 400 Liter Wasser, jeweils vierzig Kilogramm geriebenen Kartoffeln und Zuckermelasse wurde mit Hefe zum Gären angeregt. Die Wash mit rund 6 % Vol. Alkohol wurde Teil für Teil in kleine um die hundert Liter fassenden Kessel gefüllt und von außen mit Torf direkt beheizt. Ein kurzer lyne arm mündete in eine dünne Rohrschlange, die in einen mit Wasser gefüllten Holzbottich die Alkoholdämpfe kondensierte. Die Trennung in Vorlauf, Herzstück und Nachlauf hing von der Erfahrung des Schwarzbrenners ab. Neben guten und sauberen  Qualitäten wurden auch gefährliche Spirits mit Methanol, Acetaldehyd und Ethylacetat versetzte Flüssigkeiten vertrieben. Kein Wunder, dass dieses Teufelszeug den Ruf des Poitíns nicht verbesserte. Honig, Früchte und andere Substanzen verdeckten oft die gesundheitsgefährdenden Stoffe. Die günstige, klare, hochprozentige Spirituose wurde damals wie heute in Irland sehr gerne selbst produziert. Schwarzbrennern drohte nach den Regeln des Ilicit Distillation Act von 1831 beim ersten Mal eine Zwangsarbeit bis zu sechs Monaten, bei einer Wiederholung bis zu zwölf Monaten.

The Pogues sangen einst in ihrem Song Fairy Tale of New York:

 „There’s a neat little still at the foot of the hill
Where the smoke curls up to the sky,
By a whiff of the smell you can plainly tell
That there’s poteen boys close by.
For it fills the air with a perfume rare
And betwixt both me and you
As home we roll, we can drink a bowl
Or a bucketful of mountain dew.“

Im November 2013 hoben Officers nahe der nordirischen Grenze in Cavan eine große illegale Poitín-Distillery aus. Rund 900 Flaschen warteten auf eine Füllung. Im abgelegenen North Tipp im Co. Tipperary entdeckte die GARDAÍ – Polizei – im Frühjahr 2015 einen Schwarzbrenner bei der Arbeit.

Einen Einblick in eine „Schwarzbrennerei“ – legale – gibt die Loch Ewe Brennerei im Nordwesten Schottlands.

Ende des kolonialen Rechts

Das generelle Verbot zur Herstellung eines Poitíns wurde erst von der Republic of Ireland am 7. März 1997 – im nordirischen Ulster besteht es weiterhin – aufgehoben. Lizenzierte Brennereien begannen mit der Produktion. 2008 erhielt das irlandspezifische Getränk von der Europäischen Union den Status einer geografisch geschützten Marke, er muss entweder in der Irish Republic oder in Nordirland gebrannt werden. Die Irish Poteen/Irish Poitín Technical File  der Food Industry Development Division des Department of Agriculture, Food and the Marine legt fest aus welchen Materialien ein Poitín gebrannt werden darf (neue Fassung Februar 2015). Die Bandbreite ist der Stoffe vielfältig: „cereals, grain, whey, sugar beet, molasses and potatoes.“

Getreide, aus gekochtem Getreide gewonnene Stärke, Molkeeiweiß, Zuckerüben, Melasse und Kartoffeln bilden die Grundlagen, mindestens 50 % der verwendeten Stoffe müssen allerdings aus Irland stammen.

Ein Poitín darf entweder in Column Stills – Kolonnen – oder Pot Stills -Brennblasen – gebrannt werden, die maximale Alkoholstärke wird auf 94,7 % Vol. begrenzt. Der Anteil an Methanol darf pro Hektoliter 30 g nicht übersteigen. Eine Mazeration des Brennguts mit Früchten, Gewürzen und Pflanzen ist erlaubt, muss aber auf dem Label gesondert angegeben werden.

Eine der ersten lizenzierten irischen Hersteller war Bunratty Mead & Liqueur CO. Ltd im Co. Claire, die einen 45 % Vol. starken Potcheen für den Export nach den USA vertrieb. Oliver Dillon erhielt für seinen kleinen Betrieb bereits 1989 das Vorzugsrecht, einen Poitín ausschließlich für den Export zu brennen. Sein Bestreben ebenfalls ein Vertriebsrecht für den heimischen Markt zu erhalten, wurde immer wieder mit dem Hinweis auf eine Wiederbelebung der Schwarzbrennerei abgelehnt. Als dann 1997 die Legalisierung vom Revenue Commissioner ausgesprochen wurde, war Dillon mehr als überrascht, denn er hatte immer wieder einen Direktverkauf an die Touristen angemahnt, aber nie erhalten. Der Einfluss der großen Spirituosenkonzerne auf die Politik war eben stärker.

Der klare Bunratty Potcheen ist arg gewöhnungsbedürftig, denn seine opulent fruchtigen Aromen mündeten in eine extrem süße Sauce aus gekochtem Lakritz und Obstkompott. Eine andere aktuelle aus Getreide für den europäischen Markt destillierte 40 % Vol. Variante konnten die vielen Touristen des mittelalterlichen Bunratty Banquets als Souvenir mit nach Hause nehmen (Hersteller Bunratty Winery). Auch dieser Spirit ist für mitteleuropäische Zungen mit der geschmacklichen Opulenz aus Lack, Obst und Zucker nur sehr schwer nahbar. Einmal getrunken, dominieren die komplexen aufdringlichen Aromen und Geschmäcker extrem lange den Gaumen, so dass nur viel, viel Wasser den abträglichen Eindruck mindern kann.

Cooley Poitín

Ein traditioneller Pure Irish Pot Still Poitín wurde im Mai 2011 von Master Distiller Noel Sweeney in der ältesten lizenzierten Distillery Irlands Kilbeggan im Co. Meath, in einem Brennblasenverfahren aus einer Mischung aus ungemälzter und gemälzter Gerste nach einem alten Rezept von John Locke, dem ehemaligen Betreiber der Distillery am River Brusna, gebrannt. Etwa 5 % Hafer in der Maische sollte die dreifach destillierte Spirituose geschmacklich verfeinern. Heimlich experimentierte Sweeney bereits ein Jahr zuvor in der Cooley Brennerei in Riverstown, Co. Louth, mit der Destillation eines Single Pot Still Destillats. Es sollte eine Hommage an den irischen Spirit sein, wie man ihn seit Generationen in Irland zu genießen pflegte. Dr. John Teeling, der Nestor der irischen Whiskey-Renaissance, gab die Anregung: „Back to the roots“. Eine erste Auflage mit 1800 Flaschen (0,5 l) kam als Origin Edition im Jahr 2013 auf den Markt. Ohne eine Fassreifung wurde der am 26. Juli 2011 gebrannte Spirit mit destilliertem Wasser auf 65 % Volumen reduziert in Flaschen abgefüllt.

Jack Teeling, der ehemalige Managing Director of Cooley Distillery, betont, “Poitín is at the origin of Irish Spirits and Irish whiskey in particular. Over the years it has been demonised because it was illegally produced and the end product lacked consistency, quality and credibility. We have produced a quality Poitín product using ancient techniques in our award winning distillery allowing consumers of today try this ancient Irish spirit with confidence as they are getting a high quality product.”

Leider wurde die Produktion der ab November 2011 in irischen Fachgeschäften und am Dublin Airport vertriebenen Spezialität eines Pot Still New Makes, nicht mehr fortgesetzt. Mittlerweile ist der Cooley Single Pot Still Poitín ein Sammlerobjekt. Dem Charakter nach kommt er eher einem New Make Spirit nahe, der eigentlich die Grundlage für die Reifung zum Pot Still Whiskey in Eichenholzfässern darstellt. Der Klare wurde von Sweeney sehr langsam und sauber destilliert, trotz der Alkoholstärke ist der Alkohol sehr gut eingebunden, keine stechenden Noten erschweren den Zugang, aufkommende fruchtige Aromen erinnern an einen Obstler aus Birnen und Äpfeln, im Hintergrund treten Anklänge an Getreide hervor. Auf der Zunge erscheint er weich, ölig sowie angenehm. Insgesamt ist dieser Poitín eine köstliche Kostbarkeit. Preis: ca. 60,- bis 80,- Euro, falls angeboten.

Hackler Poitín

Einige Jahre zuvor hatte Cooley nur wenige Monate nach der Aufhebung des Poitín-Brennverbots Mitte 1997 im Auftrag von IDV (International Distillers & Vinters, ein Vorläufer von Diageo) einen Poitín aus gemälzter und ungemälzter Gerste, Zucker, Hefe und Wasser in Column Stills in großer Menge destilliert. Das Destillat von Noel Sweeney wurde in Irland unter dem Label Hackler Irish Poitín lediglich für 17 Monate vertrieben, weil die Umsätze nicht die angepeilten Verkaufszahlen erreichten. Laut Dr. John Teeling, dem damaligen CEO von Cooley Distillery, wurden bis 1998 rund 180 000 Flaschen abgefüllt. Trotz der am Saint Patricks Day 1997 beginnenden intensiven Marketingaktivitäten wurde der Hackler Irish Poitin kein nationaler und internationaler Verkaufserfolg. Auf dem irischen, amerikanischen und asiatischen Markt wurde dieser 40 % Vol. starke Pure Irish Spirit eher als Mixgetränk interpretiert, denn als ein wohlschmeckender Poitín. Seine traditionelle Nähe zum Schwarzbrand des 19. Jhds. wurde auf dem Etikett erklärt. „The Hackler of Grouse Hall“ war der Titel eines kokettierenden Songs über den alternden Leinenweber Paddy Jack und seine Vorliebe für Poitín und den daraus resultierenden Alkoholeskapaden. Diese wohlbekannten volkstümlichen Geschichten über den Wanderarbeiter aus Cavan riefen vermutlich zu viele negative Assoziationen bei den Verbrauchern hervor. Im Übereifer hatten die Werbefachleute den vielbesungenen Hackler irrtümlich in einen Schwarzbrenner verwandelt. Eine spezielle Limited Edition Hackler Gold wurde mit einer 87,7 % Alkoholkonzentration abgefüllt. Vermutlich beschleunigte das Produktionsende der ebenfalls von Diageo (1998 aus den Konzernen IDV und UDV – United Distillers & Vinters  entstanden) produzierte Smirnoff Wodka. Zwei Mixgetränke waren wohl zu viel für den Markt, dachte sich der Handel.

Planxty veröffentlichten 1970 den Song The Hackler from Grouse Hall:

Teeling Whiskey Company Poitin

Der von Master Distiller Alex Chasko komponierte Poitín wurde aus einem aus 80% Getreide (Mais und 6 % Gerste)-Spirit und 20% Malt Spirit verschnitten. Der dreifach destillierte milde und süße Getreide Spirit kam wohl aus der Cooley Distillery, während der nicht-rauchige New Make aus gemälzter Gerste zweifach in Pot Stills in ebenfalls in Louth gebrannt wurde. Destilliertes Wasser reduzierte das Destillationsgemisch auf potente 61.5 % Vol. Flaschenfüllstärke, um so historisierend an die früheren Schwarzbrände zu erinnern. Kosten ca. 35,- Euro pro Flasche 0,5 l.

Spirit of Dublin

Dieser von Master Distiller Alex Chasko perfekt destillierte Irish Poitin war der erste öffentlich zugängige Spirit der neuen Teeling Distillery am Newmarket in Dublin. Eine Maische bestehend aus 50% ungemälzter und 50% gemälzter irischer Gerste war die Grundlage. Die Wash wurde in den drei wunderschönen italienischen Frilli-Brennblasen langsam und schonend dreifach gebrannt. Wie es in Irland Brauch ist, erfolgte die Flaschenfüllung mit einem höheren Alkoholwert. Chasko erklärt: „The middle cut on the stills was from 85 % to 80 % abv on the third still. So it came off the still at around 82 % abv…“ Das gewonnene Herzstück reduzierte Chasko mit destilliertem Wasser auf eine Alkoholkonzentration von 52,5 % Volumen. Angenehme Aromen von Früchten, Honig und Malz strömen in die Nase. Auf der Zunge überrascht eine weiche Geschmeidigkeit, Öligkeit sowie Süße, die von Vanillenoten verhalten getragen werden. Anklänge einer malzigen Gerste mischen sich mit einer pfeffrigen, dennoch weichen Würzigkeit, die den klaren trockenen Single Pot Still Poitín sehr interessant machen. Die leicht bräunlich-grünen Farbreflexe des Spirit of Dublin ließen eine kurze Fasslagerung vermuten. Ursache für diesen Effekt ist vielmehr der aus einer spanischen Korkeiche gefertigte verhältnismäßig große Flaschenstopfen.

Kosten: ca. 27,- Euro je Flasche 0,5 l.

Knockeen Hills Poteen

Drei Varianten werden mit 60 %, 70 % und 90 % Vol. Alkohol in Deutschland vertrieben. Erstmals wurde der Irish Knockeen Hills Poteen 1996 für den Export produziert, also ein Jahr vor der Legalisierung. Es war zu jener Zeit der einzige Spirit, der aus Molkeeiweiß destilliert wurde. Mit Hilfe einer Mazeration wurden verschieden Pflanzen in die zu destillierende Flüssigkeit gegeben, um die Aromen und den Geschmack zu modifizieren. Destilliert wurde er bis zu einer Konzentration von 96 % Vol. (Ausnahme von der Regel 94,7 % Vol.). Die Farmers Strength 60% Vol. und der Gold Strength 70 % Vol. wurden dreifach destilliert, während der Gold Extra Strength mit 90 % Vol. vierfach destilliert wurde. Alle schmecken sind verschieden. Beim explosiven 90 %-Poteen schockiert ein aggressiver Alkohol die Nase und Stirnhöhlen, die Schärfe ist extrem stechend und abstoßend. Verhaltene fruchtige Aromen treten in den Hintergrund. Von Genuss kann auf der von Alkohol brennenden Zunge keine Rede sein, ohne Wasserbeigabe grenzt dieser Knockeen Hills Poteen an Körperverletzung. Erst durch die Beigabe von Wasser wird er trinkfähig, fruchtig, weich und würzig. Auf die 75,- Euro teure Poitín-Abfüllung kann verzichtet werden.

In Irland wurde 1997 ebenfalls eine 45 % Vol. starke Abfüllung aus Grain-Spirit verkauft. Auf dem Auktionsmarkt erscheint sie höchst selten. Der Vertrieb erfolgte damals durch Vins Français Ltd. in Canterbury. Heute ist der Sitz des Herstellers der Knockeen-Produkte im irischen Südwesten in der Stadt Waterford.

Glendalough Poitín

Diesen Poitin gibt es in drei Varianten: Premium mit  40% Vol., ein Sherry Cask Finish mit  40 % Vol. und einen Mountain Strength mit 60 % Volumen. Alle drei Vertreter zeichnen sich durch eine Fruchtigkeit aus, die an Aprikosen und Lychees erinnern, Pfeffernoten gepaart mit Vanille treten ebenfalls in unterschiedlicher Stärke auf. Im Sherry-Poitín erscheinen dezente dunkle Früchte und eine ausgeprägte Honig-Süße. Der Premium Poitín wurde für kurze Zeit in frischen irischen Eichholzfässern gereift. Das Destillat ist das Ergebnis einer Maische aus Zuckerüben und gemälzter Gerste.

Kosten: ca. 32,- Euro bis 36,- Euro je Flasche 0,7 l.

Two Trees Poitín

In südwestlichen Irland im kleinen Städtchen Skibbereen produzieren die West Cork Distillers einen vierfach gebrannten Single Pot Grain Spirit aus Weizen und vermarkten den süßen, fruchtigen und floralen ‚kleinen Kessel’, so die Übertragung für Poitín aus dem Gälischen, als geografisch herkunftsgeschütztes 40 % Vol. Produkt unter dem Label Two Trees Poitín. Seine Würzigkeit mit den Pfeffernoten und einer nicht aufdringlichen Honigsüße machen den cremigen Spirit sehr angenehm leicht. Fruchtige und blumige Noten schaffen einen interessanten Spannungsbogen. Auf der Zunge öffnet sich eine milde Süße, die einhergeht mit blumigen Aromen von Frühlingsblühern. Im Nachklang entfaltet sich ein interessanter salziger Eindruck. Daher wird er nicht nur von Iren gerne getrunken.

Seit sieben Generationen brannten die O’Connells illegal Poitín. Als Reminiszenz an seine Vorfahren produzierte der Brennereimitbegründer John O’Connell in der West Cork Distillery jetzt legal einen 72 % Vol. kräftigen Single Pot Poitin in kleiner Auflage aus lokaler Gerste, Zuckerrüben, Hefe und Wasser. Überraschend, der kräftige Alkohol ist keinesfalls stechend und dominant, er ist sehr gut eingebunden und macht diesen Poitìn ohne die Zugabe von Wasser dennoch trinkfähig, wenige Tropfen genügen. Deutsche Brennblasen von Arnold Holstein gaben dem White Spirit den letzten aromatischen Schliff. Der elegante, frische und pfeffrige mit exotischen Früchte- und Nussnoten versehene John O’Connell Small Batch Poitin kam in Deutschland nicht auf den Markt. Vereinzelt ist er in britischen Fachgeschäften wie Harvey Nicols für 50,- Euro je Flasche 350 ml erhältlich. Der Two Trees Poitín ist ein wohlschmeckender und kostengünstiger Repräsentant seiner Gattung. Als Einstieg in die irische Poitín-Genusswelt ist er für Entdecker sehr zu empfehlen.

Kosten ca. 17,- Euro (Flasche 0,7 l).

Noel Mc Loughlin erzählt in einem Song die Herstellung eines Poitíns:

Ernie - Ernst J. Scheiner

Ernie - Ernst J. Scheiner

Ernst J. Scheiner ist der Herausgeber des Portals The Gateway to Distilleries und hat über 140 Destillerien fotografisch von innen dokumentiert sowie ihre Produktion beschrieben. Seit seinem Studium an der University of Edinburgh befasst er sich mit Whisky und publiziert in englisch- und deutschsprachigen Blogs sowie Magazinen über schottische und irische Destillerien. Als Whisk(e)y-Botschafter führt er Tasting-Kollegs und Studienreisen für Einrichtungen der Erwachsenenbildung sowie für das EBZ Irland durch.
Ernie - Ernst J. Scheiner
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