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Neue Abfüllungen vom Scotch Single Malt Circle

© Alfred Prenzlow, 2010

Mitte des Jahres hatte ich schon einmal den Scotch Single Malt Circle, kurz SSMC, vorgestellt. Auf der Aquavitae in Essen Ende September hatten Maggie Miller und ihr Team schon mal die vier neuen Abfüllungen dabei, die den Mitgliedern dann Ende November im Advents-Newsletter vorgestellt wurden. Maggie hat es nicht nehmen lassen, mich mit Samples der Abfüllungen zu versorgen, die ich Euch hier gerne vorstellen möchte. Vielleicht habt Ihr ja noch etwas Weihnachtsgeld übrig :)

BenRiach 19 Jahre (1991-2010) mit 57,2%, 209 Flaschen
Ich muss vorausschicken, dass ich kein großer Fan der offiziellen BenRiach-Abfüllungen bin. Mir sind die alle zu langweilig, zu indifferent, zu alkoholisch. Dieser hier, im Ex-Bourbon-Fass gereift, ist ganz anders:

Nase: Etwas säuerlich, Stachelbeeren, Mirabellen, unreife Aprikosen.
Mund: Schön rund und warm, viel Malz und fruchtig süß.
Hals: Samtig-süße reife Aprikose, wenn auch eher mittellang.
Fazit: Der mit Abstand beste BenRiach den ich bisher hatte und eine deutliche Empfehlung für Euer Weihnachtsgeld!

Bunnahabhain 18 Jahre (1991-2010) mit 54%, 209 Flaschen
Wie bei dieser Destillerie nicht anders zu erwarten kommt die Abfüllung (deutlich erkennbar) aus einem Sherry-Fass und ist eher typisch ausgefallen, was in diesem Fall alles andere als schlecht ist:

Nase: Schön dumpfe Sherry-Frucht und viel trockene Eiche.
Mund: Warm, samtig und fast wie Glühwein.
Hals: Leicht säuerlich, eher dicker dunkler Fruchtsaft als Sherry und schön lang und rauchig.
Fazit: Wunderbar fruchtig, sehr lecker! Wem die Sherry-Bomben sonst zu holzig sind, der kann hier unbedenklich zuschlagen!

Caol Ila 11 Jahre (1999-2010) mit 58%, 209 Flaschen
Die Whisky-Fabrik von Islays Ostküste überrascht immer wieder durch sehr unterschiedlich ausfallende Abfüllungen, von ungetorft und sanft bis hin zu echten Torf-Krachern ist praktisch alles vertreten. Diese Abfüllung zählt eher zur letzteren Sorte:

Nase: Da kokelt der Schinken noch kräftig, frisch aus der Räucherkammer.
Mund: Scharf, aber auch süß und extrem würzig.
Hals: Im Abgang lustigerweise viel sanfter als zunächst erwartet. Für einen CI trotzdem ein ganz schönes Brett.
Fazit: Interessantes Teil. Mit Wasser wird er total trüb, wie Ouzo.

Laphroaig 12 Jahre (1998-2010) mit 59,9%, 294 Flaschen
Im Zuge der Islay-Mania wird der Markt mit jungen Laffies geradezu überschwemmt, trotzdem ist selten was wirklich schlechtes dabei. Dieser ist keine Ausnahme und das genaue Gegenteil der oft eher süßlichen Originalabfüllungen:

Nase: Kräftig dumpf-fruchtiger Sherry, der den Torf schön überdeckt und einbindet.
Mund: Zum kauen schön. Dabei leicht säuerlich und eher beerig, ohne Wasser ziemlich scharf, was bei fast 60% auch kein Wunder ist.
Hals: Verbrannte Torfasche mit der ganzen Beerigkeit aus dem Mund und dem Sherry aus der Nase obendrauf.
Fazit: Sehr schön und so ganz anders als Triple Wood & Co.

Wieder einmal hat Maggie sehr schöne und außergewöhnliche Fässer ausfindig machen können. Im neuen Jahr sollen noch ein 15jähriger Tobermory sowie zwei Springbank von 1996 und 1997 dazu stoßen. Später im Jahr dann noch weitere Abfüllungen von Deanston(!), Aberlour, Arran und ein weiterer Caol Ila.

Grund genug, um endlich Mitglied zu werden, zumal der im letzten Beitrag erwähnte Glenlossie 1984 gerade 86 Punkte und eine Silbermedallie bei den Malt Maniac Awards 2010 erhalten hat!




bisher 1 Kommentar 26. Dezember 2010

Edition DerWhisky.de 4: Laphroaig 10yo Bourbon Cask, 59,4%

Zum inzwischen vierten Mal hat das Whisky-Forum derwhisky.de, in dem auch ich aktiv bin, seinen Mitgliedern eine Eigenabfüllung angeboten. Nach einem Clynelish, einem Glen Spey und einem The Speyside handelt es sich im Jahr 2010 um ein Bourbon Hogshead von Laphroaig, das aus dem Bestand von Whisky-Fässle, einem der Forums-Sponsoren, stammt.

edition4_laphroaig Die Eckdaten:
Destillerie: Laphroaig
Destilliert: 9/2000
Abgefüllt: 9/2010
Fassnummer: 4123 (Bourbon Hogshead)
Alkoholstärke: 59,4%
Abgefüllt wurden nur 150 Flaschen!

Wie in den vergangenen Jahren durfte ich wieder das Etikett im Forumsdesign beisteuern :)

Die Eckdaten verraten es schon, dass es sich hier um einen ganz typischen Laphroaig handelt, der wie die Standardabfüllungen viel Whisky fürs Geld bietet. Er hat deutlich mehr Zitronenschale und Vanille-Süße als die aktuellen Quarter-Cask- oder Cairdeas-Abfüllungen, einen Anflug von nassem Leder und viel trockenen, würzigen Torf. Im Mund schlägt durch den hohen Alkoholgehalt dann der Pfeffer zu und prickelt schön auf der Zunge. Der Abgang ist lang und wärmend mit viel Süße und ein wenig trockener, adstringierender Eiche. Das Ganze natürlich begleitet vom typischen medizinischen Aroma, das sofort an die Seeluft denken lässt. Er verträgt durchaus Wasser, braucht es aber nicht unbedingt. Sehr schön!

Die Abfüllungen des Forums sind nur für Mitglieder erhältlich. Die Mitgliedschaft ist natürlich kostenlos und Ihr werdet viele bekannte Gesichter aus der Szene treffen, die sich auf einen Meinungsaustausch mit Euch freuen!




14. November 2010

Der gezähmte Wilde von der Insel: Laphroaig 18 Jahre

Laphroaig-18 Vor einiger Zeit wurde der Laphroaig 15 Jahre, erklärter Lieblingswhisky von Prince Charles, durch eine 18jährige Abfüllung ersetzt. Als alter Laphroaig-Fan musste ich ihn mir natürlich unbedingt mal kaufen, auch wenn er mit rund 60 € nicht unbedingt ein Schnäppchen ist und mit 48% gerade mal eine angenehme Trinkstärke hat. Ein Laphroaig war aber noch nie ein Fehlkauf, und so ist es kein Wunder, dass auch der 18jährige gut wegkommt:

Auge: Hellgolden und ölig, wobei die Farbe mit Karamell (E150) einjustiert wurde. Da er nicht sonderlich dunkel ist mag sich das allerdings in Grenzen halten.

Nase: Für einen Laphroaig eher zurückhaltend, erst Zitrusnoten, dahinter dann der typisch maritim-medizinische Grundcharakter und viel Wärme mit deutlichem Zimt sowie eine leichte säuerlich-bittere Note.

Mund: Erst kühl und angenehm torfig-würzig mit viel Salz, dann entwickelt sich auf der Zunge eine wohlige, tief würzige Wärme.

Hals: Warm-würziger, sehr maritimer Torf, an sich eher kurz, aber der Torf bleibt lange hängen und es kommen wieder die Zitrusnoten aus der Nase durch.

Fazit: Ein deutlich gezähmter Laphroaig, irgendwo zwischen dem heftig-eichigen Antritt des 10jährigen, den noch deutlicheren vanilligen Zitrusnoten des Quarter Cask/Cairdeas und der Sherrysüße des Triple Wood. Ich finde ihn sehr lecker!




17. Oktober 2010

Wenn einer eine Reise tut – Edradour Caledonia und Highland Park 1994 for travel retail

Von meiner diesjährigen Reise nach England und Schottland habe ich nicht nur die letzte Woche vorgestellte Haggis flavoured chocolate mitgebracht, sondern natürlich auch was Flüssiges.

Bei meinem inzwischen dritten Besuch bei Edradour, einer der kleinsten und schönsten Destillerien Schottlands, habe ich im Shop eine Abfüllung aus Dougie MacLean’s CALEDONIA Selection entdeckt, einen 12jährigen Edradour mit 46%. Douglas „Dougie“ MacLean ist ein schottischer Musiker, der zusammen mit Andrew Symington, dem Besitzer von Edradour, diese Kollektion ins Leben gerufen und nach einem seiner Songs benannt hat.

edradour-12-caledonia Die Dose ist (gelinde gesagt) sehr auffällig gestaltet, ganz in dunklem Blau mit einer etwas helleren schottischen Flagge (s. Foto), die auch das Flaschenetikett bildet. Die Farbe des Whiskies lässt wenig Zweifel daran aufkommen, dass es sich um Sherryfässer (keine Einzelfassabfüllung!) handelt. Nase und Geschmack sind typisch Edradour, warm und cremig mit viel Vanille und Zimt und dem gewissen Bittermandel/Marzipan-Aroma, das alle Edradours auszeichnet. Der bei manchen Einzelfassabfüllungen ausgeprägte Parfüm/Seifen-Geschmack fehlt hier gänzlich oder ist zumindest gut eingebunden, man könnte höchstens eine etwas zu starke Alkoholnote bemängeln. Im Hals breitet sich dann der volle Geschmack von gerösteten süßen Mandeln mit einer tiefen pelzigen Fruchtigkeit vom Sherry aus. Eine gelungene Abfüllung zu einem Preis von rund 45 €.

highland-park-1994 Auf dem Londoner Flughafen Heathrow musste ich dann natürlich die Auslagen der Whisky Stores checken und habe mich schließlich für den Highland Park 1994 mit 40% created exclusively for travel retail entschieden. Mit 44 Britischen Pfund (knapp über 50 €) ist er nur wenig günstiger als ein Highland Park 18 Jahre und dabei 2 Jahre jünger und mit deutlich geringerem Anteil an Sherry-Fässern (wenn überhaupt). In der Flasche sieht er noch recht dunkel aus, im Glas ist er dann ziemlich hell. Die Nase ist sehr würzig, vanillig, mit viel Eiche, etwas Zitrus und Birne im Hintergrund. Im Mund wird er dann eher enttäuschend, von der Würze ist nur noch wenig zu spüren und macht einer zurückhaltenden cremige Süße platz. Im Hals wird er dann sehr eichig mit leichter süßer Würze und einem recht kurzen Abgang. Ein wenig mehr hatte ich mir dann schon erhofft, da gibt es auch von unabhängigen Abfüllern spannenderes.




12. September 2010

Haggis flavoured chocolate – Ein ungewöhnlicher Genuss

Wie bitte? Schokolade mit Haggis? Nein, natürlich nicht! Im ersten Moment haben auch viele Briten das falsch verstanden, als die Meldung Anfang dieses Jahres durch die britischen Zeitungen zirkulierte. Vom Scotsman über den Guardian bis zu den BBC News war es fast überall zu lesen und so wurde auch ich darauf aufmerksam.

haggis-flavoured-chocolate-box Urheberin dieser ungewöhnlichen Kreation ist die Schottin Nadia Ellingham aus Edinburgh mit Ihrer kleinen Firma Thinking Chocolate. Nachdem sie die Einwohner der schottischen Hauptstadt schon mit vielen anderen handgemachten Schokoladen beglückt hatte, kam sie auf die Idee, dem schottischen Nationalgericht Haggis eine Schokolade zu widmen. Das wollte ich natürlich probieren und habe ihr im Vorfeld meiner Großbritannien-Rundreise Ende Juni eine E-Mail geschrieben, da die Schokolade nur in kleinen Mengen auf Bestellung gefertigt wird und nicht in den lokalen Shops erhältlich ist. Als ich dann am 1. Juli in Edinburgh war und abends ins Hotel zurück kam, lag auf meinem Zimmer eine sehr nett verpackte kleine Schachtel (siehe Foto). Das nenne ich Service :)

haggis-flavoured-chocolate-truffles Und wie schmeckt das Ganze denn nun? Kurz gesagt: Sehr gut! Es handelt sich um große Trüffel mit einem Überzug aus Kakaopulver, innen recht feste dunkle Schokolade vermischt mit den typischen Gewürzen des Haggis wie Muskatnuss und schwarzer Pfeffer. Außerdem ist der Schokolade grobes Hafermehl beigemischt, was ab und an für helle Punkte in der Masse und zusätzlich für einen deutlichen Biss sorgt. Die dunkle, leicht bittere Schokolade und die Gewürze harmonieren hervorragend, ergeben einen kräftig-würzigen Nachgeschmack und passen ganz nebenbei auch bestens zu einem schönen Glas Single Malt Whisky, gerne auch in der torfigen Variante.

Das ist doch mal was anderes! Eine ebenso ungewöhnliche wie toll schmeckende Kreation, vor der niemand Angst haben muss. Vielen Dank an Nadia Ellingham, dass ich die Haggis flavoured chocolate probieren konnte!




bisher 1 Kommentar 05. September 2010

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