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Heavens Sake: Japanischer Reiswein aus Berlin

Sake und Shochu vom Sake Kontor BerlinHeute möchte ich Euch mal etwas gaaaanz anderes vorstellen: Sake, auch japanischer Reiswein genannt, womit die Verwirrung schon anfängt. Außer einem Alkoholgehalt von 15-20% haben Sake und Wein nämlich nicht viel gemeinsam.

Sake wird aus Reis hergestellt, der wie die Gerste beim Whisky viel Stärke enthält. Um an diese heranzukommen werden die Körner erst einmal poliert, d.h. die äußeren Schichten entfernt. Je stärker man poliert, desto feiner wird der Geschmack. Angegeben wird die Polierrate in %, wobei nicht die Stärke der Polierung, sondern die verbleibende Größe des Korns gemeint ist. Je kleiner die Zahl, desto mehr wurde poliert und desto feiner der Sake.

Dann braucht man Enzyme, um die Stärke in Zucker umzuwandeln. Beim Whisky besorgt das die Keimung der Gerste, also das Gerstenmalz. Beim Sake nimmt man einen (Edel)Schimmelpilz names Koji (Aspergillus Oryzae), der neben den Enzymen auch weitere Geschmacksstoffe beisteuert. Dann gibt man Hefe dazu und vergärt das Ganze.

Natürlich ist das nur die Kurzversion, wer sich für die Details interessiert findet sie hier: Sake-Herstellung. Diese Details sind es dann auch, die die geschmacklichen Unterschiede ausmachen. Genau wie beim Whisky beeinflussen das Ausgangsmaterial, das Wasser, die Dauer der einzelnen Schritte und das allgemeine Können des Brenn-/Braumeisters den Geschmack des fertigen Produkts.

Sake Kontor Berlin (Logo)Und wie schmeckt Sake denn nun? Auf dem Munich Whisky & Bar Festival im Januar diesen Jahres hatte ich am Stand des Sake Kontor Berlin die Möglichkeit, einen ersten Eindruck zu bekommen. Das machte Lust auf mehr und nach einem weiteren Besuch im JapanShopBerlin während des Cöpenicker Whisky-Herbstes Anfang September habe ich mir drei Sake (und einen Shochu) bestellt:

Jumai Daiginjo Akashi-tai, Akashi Sake Brewery,  17,5%
(2. v. l.) Ein preisgekrönter Sake mit einer Polierrate von 40%, den man kühl oder bei Zimmertemperatur trinken soll. Ich habe beides ausprobiert:

(warm / ca. 22°)
Nase: Intensive, modrig-vergorene helle, grüne Frucht, Litschi, seifig, gelbe vollreife Mostbirne.
Mund: Säuerlich, leicht bitter, gelbe Mostbirne.
Hals: Leichtes Motoröl, wieder die vergorenen Früchte, leicht seifig.

(kühl / ca. 10°)
Nase: Weniger intensiv, mehr Litschi.
Mund: Eher fruchtiger Weißwein, perlend.
Hals: Viel weiger seifig, läuft besser runter.

Ungewöhnlich. Ich muss dazu sagen, dass mir Litschis eigentlich gar nicht schmecken, und danach schmeckt er reichlich. Aber auch das ist eine Sache der Gewöhnung. Zuerst dachte ich, dass er mir kühl besser schmeckt. Nach mehreren Versuchen muss ich sagen, dass er warm deutlich interessanter ist und viel mehr Eigenheit entwickelt. Das „seifige“ würde ich inzwischen eher mit „seidig“ übersetzen, er fühlt sich im Mund so an wie Seide auf der Haut: Glatt, kühl, mit einer gewissen unbekannten aber deutlich fühlbaren Struktur.

Zuikan Aigamo Kame No O „Enten-Sake“, Yamaoka Brauerei, 16%
(Rechts im Bild) Nein, da sind keine Viecher drin und sie haben auch nicht drin gebadet. Sie sorgen nur für eine Art „Öko-Siegel“, da sie auf den Feldern die Schädlingsbekämpfung und Düngung des Reises übernehmen. Soll kühl getrunken werden.

(kühl / ca. 10°)
Nase: Selbe Grundnote, aber eher reife Birne als Litschi, klarer, säuerlicher.
Mund: Süß, sehr frisch.
Hals: Leicht, süß, frisch, im Hals bleiben leichte Pfirsiche (oder Nektarinen?) hängen.

Deutlich weniger intensiv als der erste aber auch langweiliger. Für Anfänger leichter zu trinken, da der Geschmack weniger ungewöhnlich ist.

Nach soviel Mut zu Neuem ist eine Belohnung an der Reihe. Habt Ihr schon mal Pflaumenwein getrunken? Dieses pappsüße, klebrige Zeug, das in warmem Zustand auf unserem Karlsruher Weihnachsmarkt mehr Leute abschießt als Glühwein? Hier kommt die deutlich bessere Variante:

Shiraume Ginjo Umeshu „Weiße Pflaume“, Akshi Sake Brewery, 14%
(Links im Bild) Ein Sake, der mit japanischen Pflaumen aromatisiert wurde. Schon farblich was ganz anderes (tiefgold bis rötlich) mit unerwartetem Abgang:

(warm / ca. 22°)
Nase: Pflaume, aber hochintensiv und getrocknet und deutlicher Rauch.
Mund: Kühl, samtig und sehr intensive Frucht.
Hals: Wow. Kräftige, likörartige Frucht und spürbare leichte Holz-/Rauchnote.

Ein tolles Zeugs! Warum habe ich mir da nur eine so kleine Flasche bestellt?

Apropos tolles Zeugs: Wer bis hierhin durchgehalten hat, wird nun noch mit etwas ganz besonderem belohnt: Einem Rettich-Shochu. Shochu ist im Gegensatz zum nur gährenden Sake ein Brand, der nur einmal auf 25-30% destilliert wird. Als Grundstoffe dienen Reis oder Gerste, was geschmacklich auf einen Sake-Brand oder einen Wodka hinausläuft.

Yasaibatake Daikon Shochu Gemüsefeld-Shochu Rettich, Akashi Sake Brewery,  25%
(Hinten im Bild) Rettich? Rettich! Aus den Feldern rund um Akashi in der Nähe von Kobe.

(warm / ca. 22°)
Nase: Lauwarme Gemüsebrühe, leicht säuerlich, eher Sellerie als Rettich.
Mund: Sehr sanft und seidig, leichter Rettich (Radieschen).
Hals: Nun deutlicher Rettich, leicht salzig, eher kurz, nur der scharfe Rettich bleibt am Gaumen hängen.

Man muss ihn sich sicherlich erst mal schöntrinken, aber der Schnaps ist so ungewöhnlich, man muss ihn einfach lieben! Es gibt ihn übrigens auch noch mit Gemüsezwiebel, Frühlingszwiebel, Rübe und Melonenkürbis :)




01. November 2009

Edition derwhisky.de 3: The Speyside Distillery 1995-2009 Refill Sherry Butt, 65,2%

Zum inzwischen dritten Mal hat das Whisky-Forum derwhisky.de, in dem auch ich sehr aktiv bin, seinen Mitgliedern eine Eigenabfüllung angeboten. Nach einem Clynelish und einem Glen Spey handelt es sich im Jahr 2009 um ein Refill Sherry Fass der The Speyside Distillery, einer trotz Ihres Namens eher unbekannten Brennerei.

Das betreffende Fass war denn eigentlich auch für die Herstellung von Blended Scotch bestimmt, aber glücklicherweise konnte Albert Jänike von whisky24.net, Wirt des Einstein Husum sowie Betreiber und Admin des Forums, einen Teil davon abzweigen.

Edition DerWhisky.de 3: The Speyside 1995-2009Die Eckdaten:
Destillerie: The Speyside Distillery
Destilliert am: 20.12.1995
Abgefüllt am: 27.07.2009
Fassnummer: 36 ((Refill Sherry Butt)
Alkoholstärke: 65,2%
Abgefüllt wurden nur 150 Flaschen!

Wie nicht anders zu erwarten handelt es sich dabei um einen klassischen Speysider mit allen Tugenden, durch die extreme Fassstärke von 65,2% wird er aber nie langweilig und lädt zum spielen mit Wasser ein. Schon die Farbe ist ein schönes, leicht dreckiges Gold mit vielen öligen Legs.

In der Nase ist er unverdünnt natürlich sehr beißend, aber auch unheimlich Fruchtig irgendwo zwischen Cranberrys, roten Johannis- und Stachelbeeren, dazu Zimt und Vanille. im Mund ist er warm und prickelnd fruchtig, fast wie Kir Royal (Sekt mit Cassis).

Im Hals offenbar er dann seine volle Wärme, die Frucht ist ebenso süß am Gaumen wie leicht säuerlich im Abgang und hinterlässt einen Nachgeschmack wie leicht karamellisiertes Johannisbeer-Baiser. Er verträgt natürlich viel Wasser, die spritzige Frucht wird dann zugunsten einer wohlig warmen Süße und Würze mit leichter Küchenkräuternote zurückgedrängt.

Eine tolle Abfüllung, die dank Fassstärke jeder auf seinen Geschmack hin verdünnen kann. Für 45 EUR bekommt man verdammt viel fürs Geld, allerdings nur Mitglieder des Forums. Derzeit sind noch rund 50 Flaschen verfügbar, also gebt Euch einen Ruck und meldet Euch an. Die Mitgliedschaft ist natürlich kostenlos und Ihr werdet viele bekannte Gesichter aus der Szene treffen, die sich auf einen Meinungsaustausch mit Euch freuen.




30. August 2009

Ungleiches Doppel: Yoichi Single Casks 1987 und 1989

Note: The pictures are borrowed from two articles of Chris Buntings fabulous Nonjatta japanese whisky blog with tasting notes contributed by Serge Valentin of Whiskyfun. My english speaking followers can get all informations there, as my notes go pretty much the same direction: Nikka 1987 / Nikka 1989.

Yoichi Single Cask No. 113200 (17.07.1987-27.07.2006), 63%
Die Abfüllungen von Nikkas Brennerei Yoichi gelten als die japanischen Malts, die den Schotten am ähnlichsten sind. Das kommt unter anderem daher, dass sie zum Teil deutliche Rauchnoten bis hin zu Torf zeigen, wo immer das auch herkommen mag.

Yoichi Single Cask 1987 (c) nonjatta.blogspot.comAuge: Dunkles Rotgold, feiner Perlenrand und verdammt ölig.
Nase: Irgendwas brennt hier, und zwar Torf. Erinnert mich an meinen ersten Longrow. Trauben-Nuss-Schokolade.
Mund: Frisch, kühl, torfig. Dumpfe Frucht und dunkle Herrenschokolade, Süße, Frucht und Bitterkeit zusammen mit Salz und Pfeffer.
Hals: Kräftiger Torf, süß und nussig. Wieder diese Assoziation mit Longrow. Geht nicht mehr weg.
Fazit: Japanischer Inselwhisky mit deutlichen Anleihen von Islay (Laphroaig, Lagavulin), Skye (Talisker) und Campbeltown (Longrow). Mal was anderes. Mit Wasser hat er mir trotz 63% allerdings gar nicht geschmeckt …

Yoichi Single Cask No. 127032 (10.10.1989-29.07.2005), 62%
Das genau Gegenstück. Auch da sind Rauch und Torf drin,  aber viel subtiler und erst so richtig im Abgang.

Yoichi Single Cask 1989 (c) nonjatta.blogspot.comAuge: Rotgold (heller als der 1987), feiner Perlenrand. Altöl.
Nase: Tiefe Trockenfrucht, geräuchert und geschwefelt, Zimt, Nelken.
Mund: Holla. Chili, dunkle Schoko, Pflaumen, sehr würzig, pelzig auf der Zunge.
Hals: Sahnetoffee mit Rumrosinen und Trockenpflaumen, Rauch und Torf. Bleibt ewig hängen und wärmit gewaltig.
Fazit: Geiler Stoff. Serge gibt dem 87er 88 Punkte, dem 89er „nur“ 85. Die Geschmäcker sind gottseidank verschieden, ich würde es andersrum verteilen. Wenn ich denn Punkte vergeben würde …




22. Juni 2009

Fast volljährig: Adelphi Linkwood 17yo und Cadenheads Dumbarton 18yo

Nach den beiden fast 40jährigen Tropfen vom letzten Sonntag nun zu etwas jüngeren Semestern:

Adelphi Linkwood 17yo, 48% (1990-2008, Cask No. 9734)
Der unabhängige Abfüller Adelphi gehört sicher nicht zu den günstigsten, wohl aber zu den besten auf dem Markt. Während man anderswo zwischen Spitzenabfüllungen und Griff ins Klo so ziemlich alles erwischen kann, sind die Adelphis eigentlich immer auf höchstem Niveau. Zumindest für meinen Geschmack ;-)

Adelphi Linkwood 17yo (c) whiskyfanblog.deAuge: Dunkelgelb, schöne ölige Legs
Eyes: Dark yellow, nice oily legs
Nase: Schwer süß und leicht stechend, Banane, Zimt, zum kauen schön, etwas Pfirsich
Nose: Heavily sweet and slightly alcoholic, bananas, cinnamon, some peach
Mund: Cremig und süß. prickelnd, Butterscotch und Citrus
Mouth: Creamy and sweet, alcoholic, butterscotch and citrus
Hals: Cremig und süß, Citrus und Würze, langer süßer Abgang
Throat: Creamy and sweet, citric and spicy, long and sweet aftertaste
Fazit: Verträgt wenig bis kein Wasser, riecht dann zwar stärker nach Pfirsich, aber der Geschmack geht flöten. Aber sonst ein wundervoller Whisky für jeden Tag, vor allem im Sommer.
Conclusion: Don’t use water, the nose gets frutier, but the taste is gone. Yet a wonderfull whisky for every day, especially in summer.

Cadenheads Dumbarton 18yo, 57,9% (Inverleven Stills)
Die alte Inverleven Distillery auf dem Gelände von Dumberton is seit 1991 geschlossen und wurde 2003 abgerissen. Die Stills wurden an Bruichladdich verkauft, die sie für die neue Port Charlotte Distillery verwenden wollen. Fast die gesamte Produktion von Inverleven ging in die Ballentines-Blends und Originalabfüllungen waren nie erhältlich. Schade, denn:

Cadenheads Dumbarton 18yo (c) whiskyfanblog.deAuge: Hellgold und sehr ölig, läuft kaum ab
Eyes: Bright gold and very oily, almost no legs
Nase: Alkoholisch, etwas Terpentin und sehr süß, Zimt, Vanille und helle Früchte
Nose: Alcoholic, some turpentine and very sweet, cinnamon, vanilla and fruits
Mund: Frisch, süß, cremig, buttrig
Mouth: Fresh, sweet, creamy like butter
Hals: Süß, würzig und cremig mit viel Alkohol, bleibt lange hängen
Throat: Sweet, spicy and creamy with lots of alcohol, remains long on the palate
Fazit: Ein toller Sommerwhisky als Alternative zu Bourbon. Sicher speziell, aber auch sehr gut.
Conclusion: Great whisky for the summer and a good alternative to Bourbon. Some kind of unusual, but very good.

Wieder was gelernt: Nicht von großen Namen täuschen lassen! Wer sucht schon nach Dumbarton oder Inverleven? Ein Geschmack, den man nicht alle Tage bekommt und der auch so schnell nicht wiederkommen wird. Und es wird sicher interessant sein, wie unterschiedlich der Port Charlotte aus den selben Brennblasen werden wird :-)

For my English speaking readers: Infos about Adelphi Whisky can be found at adelphidistillery.com. More about Dumbarton/Inverleven at Johannes van den Heuvel’s Malt Madness and some more tasting notes, if you scroll down a bit, at Serge’s Whiskyfun.com.




24. Mai 2009

Reifes Duo: DT Auld Blended 38yo und TWF Invergordon 39yo

In meinem aktuellen Wort zum Sonntag beschäftige ich mich mit zwei eher ungewöhnlichen und vor allem ungewöhnlich alten Whiskies:

Duncan Taylor Auld Blended 38yo
Einer der bekanntesten unabhängigen Abfüller mit einem sehr ungewöhnlichen Blended Scotch: „A Marriage of the finest Single Malt Scotch Whiskies from Bunnahabhain, Highland Park, Glenburgie, Miltonduff, Glenlivet and Springbank with the Invergordon Single Grain Whisky“. Wow, das klingt ja mal fein.

Duncan Tylor Auld Blended 38yo (c) whiskyfanblog.deAuge: Golden und total ölig.
Nase: Fruchtsaft-Gummibären, leicht säuerliche Cranberries, rote Johannisbeeren, süß.
Mund: Frisch und süß, Zimt, Bratapfel und ein ganzer Früchtekorb.
Hals: Etwas Rauch, viel Frucht und Süße und im Abgang Holz und Sherry.
Fazit: Göttlich. Wie alte Bowmores aus den 60ern, nur mit weniger Power (da leider nur 40%) und für viel weniger Geld (bezahlt habe ich 88 € für die 0,7l-Flasche).

Invergordon 39yo (1965-2005), bottled for The Whisky Fair, 49,8%
Nach der perfekten Fruchtbombe liegt es nahe, den dort enthaltenen Grain auch mal separat zu probieren, und zwar in einer praktisch genauso alten Version:

The Whisky Fair Invergordon 39yo (c) whiskyfanblog.deAuge: Tiefes Grüngelb.
Nase: Klebstoff, grasig, citrus (Bergamotte), tief fruchtig mit Vanille und Zimt.
Mund: Warm, süß, cremig, prickelnder Zimt und exotisch gewürzte Bananen, voll.
Mund: Bourbon-Terpentin, Orangenschalte, kräftig, lang und süß.
Fazit: Zum Wegschlabbern gut. Kein Wunder, das der die Mischung oben nicht nur verdünnt und verbilligt, sondern ihr eine ganz eigene Note beisteuert.

Auch wenn der Trend momentan eher zu jungen Whiskies für viel Geld geht – es geht halt doch nichts über Zeit. Nach so vielen Jahren im Fass schmeckt fast jeder Sprit, ob Whisky, Cognac, Armagnac, Calvados oder was auch immer und der Geschmack gleicht sich an. Um so schöner, hier zwei sehr frische und kräftige Vertreter verkostet zu haben, statt der sonst oft eintönig-gleichen alten Brühe mit viel Holz.




17. Mai 2009

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