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Ardbeg’s Kelpie Raucht…Würzig

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von Ernie – Ernst J. Scheiner

Die Kelpie-Skulpturen im Helix Park in Falkirk. Geschaffen aus Stahl von Bildhauer Andy Scott, 2013. Foto The Gateway to Distilleries.Die größ­ten Kel­pies sind in der Nähe von Stir­ling in Fal­kirk zu bewun­dern. Die 30 Meter hohen Skulp­tu­ren inter­pre­tie­ren Pfer­de­köp­fe, die an Was­ser­pfer­de aus der schot­ti­schen Mytho­lo­gie erin­nern. Sie leben in den Lochs der High­lands und dem Meer nahe der Küs­te in einer Feen­welt. Das Kel­pie ist im Volks­glau­ben aller­dings ein Dämon, eine Art Was­ser­geist, das sein Unwe­sen in den flie­ßen­den Gewäs­sern der Glens treibt. Ursprüng­lich aus der kel­ti­schen Kul­tur kom­mend, nimmt das Kel­pie die Gestalt eines freund­li­chen hilfs­be­rei­ten Pfer­des an, das schein­bar bereit­wil­lig Bau­ern, Schmugg­lern oder Wan­de­rern beim Über­que­ren der Gewäs­ser hilft. Doch bös­ar­tig, wie es nun mal berich­tet wird, zieht es sei­ne Rei­ter in die Tie­fe der Flüs­se und Lochs und ver­speist sie. Glück dem­je­ni­gen, dem es gelingt ihm einen Schlei­er über den Kopf zu zie­hen. Über­ra­schend ver­wan­del­te sich das Kel­pie wun­der­sam in einen hilfs­be­rei­ten Las­ten­gaul. Ein Kel­pie, so wird im Volks­mund eben­falls berich­tet, kann sich auch in eine schö­nes Weib ver­wan­deln und den Bau­ern mit ero­ti­schen Rei­zen ins Ver­der­ben zie­hen. Das heu­te wohl bekann­tes­te Kel­pie Schott­lands ist Nessie.

Die Heimat des Ardbeg Kelpie: Loch Iarnan auf Islay. Copyright The Gateway to DistilleriesNichts von all dem Schreck­li­chen und Ängst­li­chen ver­birgt sich hin­ter Ard­be­gs Kel­pie. Die Hei­mat des Dämons sind die dunk­len und mys­te­riö­sen Gewäs­ser der Lochs Iarn­an und Uige­adail der Hebri­den­in­sel Islay. Zwi­schen den Hügeln tum­mel­te sich der klei­ne Geist unter Forel­len bevor er sich mit einer gemälz­ten rau­chi­gen Gers­te aus Port Ellen ver­mähl­te. Nach der Gärung in Holz­bot­ti­chen erfolg­te die Ver­stär­kung in zwei kup­fer­nen Brenn­bla­sen. Die Tren­nung von Was­ser und Alko­hol führ­te zu einer Kon­zen­tra­ti­on von 69 % Vol. Redu­ziert auf 63,5 % Vol. floss der gezähm­te Was­ser­geist in fri­sche jung­fräu­li­che Eichen­fäs­ser, deren Holz aus der an der Schwarz­meer­küs­te im Nord­kau­ka­sus gele­ge­nen Repu­blik Ady­ge­ja stamm­te, wie auch in first-fill Bour­bon-Fäs­ser deren Dau­ben aus einem Eichen­holz aus den Wäl­dern der Ozark Moun­tains in Mis­sou­ri, USA, gefer­tigt wurden.

Nach Aus­sa­gen von Dr. Bill Lums­den, Direc­tor of Whis­ky Crea­ti­on bei Ard­beg und Glen­mo­ran­gie, soll der Kel­pie um zwi­schen zehn und elf Jah­re alt sein. Die jung­fräu­li­chen Fäs­ser stamm­ten aus einer in der Regi­on Krasno­dar an der rus­si­schen Rivie­ra in Sen­nai gele­ge­nen Bött­che­rei Fana­go­ria. Sie gehört zum gleich­na­mi­gen größ­ten rus­si­schen Wein­gut und wur­de aller­dings nach eige­nen Anga­ben erst im April 2011! eröff­net. Rund drei­vier­tel der güns­ti­gen Lie­fe­rung an Ard­beg waren 225 Liter Bar­ri­ques und der Rest 350 Liter Cognac Fäs­ser. Bei­de Typen wur­den nach den Vor­ga­ben von Lums­den ent­we­der mit­tel oder stark getoas­tet. Die kau­ka­si­sche Eiche wir­ke in ihrem Cha­rak­ter auf den Aus­bau von Wei­nen nicht unähn­lich einer Limou­sin-Eiche aus Frank­reich. Das Holz soll von Bäu­men stam­men, die zwi­schen 80 und 100 Jah­re alt waren. Lums­den ver­lang­te aller­dings durch­gän­gig die Ver­wen­dung eines Hol­zes mit sehr engen Jah­res­rin­gen, also bes­te Premium-Qualität.

Die rus­si­schen Fäs­ser wur­den um das Jahr 2005–6 mit einem frisch­ge­brann­ten Ard­beg-Spi­rit befüllt, der unge­fähr zehn bis elf Jah­re her­an­rei­fen durf­te. Nach die­ser Rei­fe­zeit war der geschmack­li­che Ein­druck gewal­tig, denn der adstrin­gie­ren­de wür­zi­ge Geschmack sei ins­ge­samt zu hef­tig gewe­sen. Eine har­mo­ni­sche Lösung war nach Lums­den ver­sprach ein Vat­ting – ein Ver­schnitt – bestehend aus unter­schied­li­chen Ard­beg-Mal­ts, die in Fana­go­ria-Fäs­sern und in Bour­bon Fäs­sern reif­ten. Zur Mil­de­rung und Har­mo­ni­sie­rung der Aro­men und des Geschmacks wur­den ledig­lich 40 bis 45 % Fana­go­ria-gereif­te Whis­kies mit einem grö­ße­ren Teil Bour­bon-gereif­ten Ard­be­gs verheiratet.

Eigent­lich soll­te die Son­der­edi­ti­on den Namen KGB - Kild­al­ton Gran Bott­ling – tra­gen, in Anspie­lung auf sei­ne rus­si­sche Bezie­hung, aber die­ser Gedan­ke wur­de von den Mar­ke­ting­ex­per­ten verworfen.

Eine ers­te exklu­si­ve Release konn­ten weni­ge Ard­beg Com­mit­tee Mit­glie­der am 16. März 2017 mit etwas Glück für 84,00 € ergat­tern und damit einen 51,7 % Vol. kräf­ti­gen Kel­pie nach Hau­se ent­füh­ren. Die­ser wur­de von der Inter­na­tio­nal Whis­ky Com­pe­ti­on (IWC) in Las Vegas mit der Höchst­punkt­zahl (97,3 Punk­te) aller 180 Wett­be­wer­ber als World Whis­ky of the Year 2017 gefei­ert. Am letz­ten Tag des Feis Ile Music & Malt offen­bar­te sich ein schwä­che­rer Bru­der. Welt­weit von Ber­lin bis Bos­ton erschie­nen die Kel­pies in den Ard­beg Embas­sies sowie in aus­ge­wähl­ten Fach­ge­schäf­ten am Ard­beg Day. In der deut­schen Haupt­stadt mach­ten sich rund 500 Ard­be­gi­ans auf eine Spu­ren­su­che ent­lang der Spree. Ihr Lohn war ein Kel­pie in der Fla­schen­füll­stär­ke von 46 % Vol und eine Begeg­nung mit Dr. Bill Lums­den. Die Tro­phäe kos­tet im deut­schen Fach­han­del 92,00 € „solan­ge der Vor­rat reicht.“

Wie schmeckt der Kelpie?

Ardbeg Kelpie Sample. Copyright The Gateway to DistilleriesGold­fun­kelnd kris­tall­klar prä­sen­tiert sich das Kel­pie im Glas. Es ist ölig. Kräf­tig for­men sich Trä­nen­sä­cke, die nur zöger­lich in schma­len aus­ein­an­der lie­gen­den Schlie­ren her­ab­lau­fen. Über­ra­schend opu­lent und kom­plex strö­men die Aro­men in die Nase – ein Bou­quet aus Rauch gepaart mit Süße, tro­cke­nem Gras, Holz und Gewür­zen. Kräf­ti­ger Rauch erin­nert an geräu­cher­ten Hering und an eine mäch­tig mit See­tang durch­dräng­te Küs­ten­bri­se. Kräu­ter­no­ten las­sen Pfef­fer ver­mu­ten. Viel­schich­tig, schub­la­den­ar­tig öff­nen sich die Aro­men. Die­se mischen sich mit Sah­ne­ka­ra­mell, dunk­ler Scho­ko­la­de, Kaf­fee und etwas Holz. Das Rei­ben des Kel­pies in der Hand öff­net schließ­lich, die für einen Sin­gle Malt von Ard­beg so typi­schen Zitrus­no­ten. Ste­chen­de Alko­ho­le strö­men in de Nase. Der Alko­hol-Punch lässt jun­ge Spi­rits ver­mu­ten. Die Aro­men sind im lee­ren Glas schnell flüchtig.

Auf der Zun­ge tum­meln sich eine anfäng­li­che Süße, fruch­ti­ge Ein­drü­cke von Pfir­sich, gerös­te­ter Kaf­fee, Kaf­fee­satz und Kara­mell. Domi­nant pfeff­ri­ge, adstrin­gie­ren­de Wir­kun­gen hal­len nach und bestim­men blei­bend den sen­so­ri­schen Ein­druck – hier mel­det sich die Eiche aus dem Kau­ka­sus. Im Mund ent­fal­tet sich der Rauch nach­hal­tig ange­nehm und ver­mischt sich mit Ein­drü­cken von Teer, Kara­mellbon­bons, Zart­bit­ter­scho­ko­la­de sowie Gewürzen.

Die Zuga­be von etwas Was­ser macht den Kel­pie kom­ple­xer, die fruch­ti­gen Noten neh­men zu, die adstrin­gie­ren­de Wir­kung auf der Zun­ge nimmt ab. Sei­ne Viel­schich­tig­keit nimmt wohl­tu­end zu. Er wird eleganter.

Fazit

Die Pagoden von Ardbeg Distillery. Ort der Metamorphose des Kelpie. Copyright The Gateway to DistilleriesDer Alko­hol des Kel­pie ist ins­ge­samt sehr gut ein­ge­bun­den, das Aro­men und Geschmacks­pro­fil prä­sen­tiert sich in einer aus­ge­wo­ge­nen attrak­ti­ve Viel­schich­tig­keit mit einer inten­si­ven lang anhal­ten­den Pfeff­rig­keit, die etwas an frisch geschnit­te­ne Ing­wer­schei­ben erin­nert. Der ele­gan­te Rauch ist nicht aggres­siv domi­nant, er umschmei­chelt Zun­ge, Gau­men und Nase.

Der Kel­pie ist ein gelun­ge­ner har­mo­ni­scher Ard­beg Sin­gle Malt, der Freu­de macht, denn jeder Dram eröff­net neue sen­so­ri­sche Wahr­neh­mun­gen. Ein aus­ge­wo­ge­nes, kom­ple­xes Aro­men- und Geschmacks­er­leb­nis, das nicht lang­wei­lig wird. Es ist ein Kel­pie zum Genie­ßen. Und dies ohne Furcht!

Es bleibt nur zu hof­fen, dass die Limi­tie­rung des Ard­beg Kel­pie nicht zu nied­rig aus­fällt, damit mög­lichst vie­le Whis­ky­freun­de davon kos­ten können.

Den Geburts­ort des Ard­beg Kel­pie kön­nen Sie im foto­gra­phi­schen Detail auf der Web­sei­te des Autors The Gate­way to Distil­le­ries ent­de­cken: http://www.whisky-distillery.net/www.whisky-distilleries.net/Islay_A‑B/Seiten/Ardbeg.html


Ernst J. Scheiner ist der Herausgeber des Portals The Gateway to Distilleries und hat über 140 Destillerien fotografisch von innen dokumentiert sowie ihre Produktion beschrieben. Seit seinem Studium an der University of Edinburgh befasst er sich mit Whisky und publiziert in englisch- und deutschsprachigen Blogs sowie Magazinen über schottische und irische Destillerien. Als Whisk(e)y-Botschafter führt er Tasting-Kollegs und Studienreisen für Einrichtungen der Erwachsenenbildung sowie für das EBZ Irland durch.