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West Cork Distillery, eine irische Erfolgsstory

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Von Ernie – Ernst Schei­ner, The Gate­way to Distilleries

Selbst der Dekan von Saint Patrick in Dub­lin, Jona­than Swift, Autor der Sati­re Gulliver’s Tra­vels, schwärm­te von der land­schaft­li­chen Schön­heit der Steil­küs­te am Atlan­tik im Süd­wes­ten Irlands. Im klei­nen male­ri­schen Küs­ten­ort Uni­on Hall taten sich im Jah­re 2003 drei Freun­de zusam­men. Denis McCar­thy, sein Cou­sin Ger McCar­thy und John O’Connell tra­fen sich in ihrer Stamm­knei­pe Casey’s. Bei einem küh­len Pint of Murphy’s sin­nier­ten sie über ihre pri­va­te und beruf­li­che Zukunft. Denis und Ger waren vom Nie­der­gang der Fische­rei betrof­fen und such­ten nach neu­en Ein­kom­mens­mög­lich­kei­ten. John, der Che­mi­ker und Natur­wis­sen­schaft­ler, woll­te wie­der in sei­ne gewohn­te und ange­stamm­te Hei­mat zurück­keh­ren. Das Leben auf dem Kon­ti­nent in Hol­land sowie die Tätig­kei­ten bei einem gro­ßen inter­na­tio­na­len Lebens­mit­tel­kon­zern berei­te­ten ihm kei­ne Freu­de, ihn plag­te das Heim­weh. Iri­scher Whis­key, so lau­te­te ihr Schlüs­sel zum Erfolg. Die natio­na­len und inter­na­tio­na­len Ver­kaufs­zah­len des Lebens­was­sers stie­gen seit Jah­ren zwei­stel­lig. Sie woll­ten ein Teil der ein­set­zen­den Irish Whis­key Renais­sance sein, die Dr. John Tee­ling mit den Pro­duk­ten der Coo­ley Distil­le­ry im Co. Louth Anfang der 1990-er Jah­re ful­mi­nant einläutete.

In einer ehe­ma­li­gen Schrei­ne­rei in Uni­on Hall began­nen sie in den Jah­ren 2003/2004 ihre ers­ten Schrit­te im Whis­key Busi­ness zunächst als Bond­ers. Sie kauf­ten Grain- und Malt Whis­keys von iri­schen Distil­le­ries, dar­un­ter Coo­ley, und ver­schnit­ten die­se zu neu­en Pro­duk­ten. Geschickt ver­mark­te­ten sie die 40 % Vol. star­ken Blen­ded Whis­keys seit April 2004 unter den Labels Ori­gi­nal Ken­ne­dy und Drom­beg. Letz­te­rer war eine Remi­nis­zenz an ein nahe­ge­le­ge­nes Hei­lig­tum, den Drui­den Altar und Stein­kreis von An Drom­beg. Das Geschäft mit den Whis­keys ent­wi­ckel­te sich präch­tig. Weni­ge Jah­re dar­auf grün­de­ten Denis McCar­thy, Ger McCar­thy und John O’Connell zusam­men mit zwei wei­te­ren Direk­to­ren im Janu­ar 2008 die West Cork Distil­lers Com­pa­ny Limi­ted (WCD) mit Sitz im 2500 Ein­woh­ner-Städt­chen Skib­be­reen. In der Mar­ket Street erwar­ben sie von der Braue­rei Mur­phys eine Betriebs­stät­te mit Abfüllanlage.

Mit einer gebrauch­ten deut­schen Brenn­an­la­ge von Arnold Hol­stein began­nen sie die eige­ne Destil­la­ti­on. Bereits drei Jäh­re dar­auf wur­den ihre erfolg­ver­spre­chen­den Start up-Akti­vi­tä­ten mit dem Enter­pri­se Ire­land Natio­nal Award for Inno­va­ti­on Pro­duct Deve­lo­p­ment auf natio­na­ler Ebe­ne gewür­digt. Die rasan­ten Ver­kaufs­er­fol­ge ihrer Whis­keys sowie der Spi­ri­tuo­sen Two Trees Wod­ka und Two Trees Gin erfor­der­ten 2013 eine Ver­le­gung und Ver­grö­ße­rung der Pro­duk­ti­ons­an­la­gen. In Skib­be­reen inves­tier­ten sie ins­ge­samt € 2,5 Mil­lio­nen in eine weit­läu­fi­ge Pro­duk­ti­ons­stät­te und neue Lager­hal­len. Eine nur weni­ge Jah­re von der Rocka­bill-Shell­fi­sh Ltd. betrie­be­ne Fabrik erwar­ben sie 2016 für € 1,5 Mil­lio­nen und instal­lier­ten dort auf dem Gelän­de der ehe­ma­li­gen Uni­on Hall Fishermen’s Com­pa­ny eine leis­tungs­star­ke Abfüll­an­la­ge (ehe­mals Hei­ne­ken) sowie die Qua­li­täts­kon­trol­le und Verwaltung.

Auf dem fast fünf Hekt­ar gro­ßen Gelän­de an der Mar­sh Road fin­den zahl­rei­che Fer­men­ter für die Frucht- und Apfel­wein­her­stel­lung sowie Lager­hal­len für Whis­key und ande­re Pro­duk­te aus­rei­chend Raum. Finan­ziert wur­de der Erwerb vom Dub­li­ner Kapi­tal­ver­mitt­ler Mer­i­on Invest­ment. „Uns ist es gelun­gen, wei­te­re Fer­men­ter zu erwer­ben, in denen ein­mal von Dia­geo Smithick’s gebraut wur­de,“ erzählt John O’Connell stolz, „die ers­ten kamen aus Deutsch­land, aus einer Wein­kel­te­rei in Frank­furt und sind über 50 Jah­re alt.“

„Mitt­ler­wei­le expor­tie­ren wir die Pro­duk­te der West Cork Distil­le­ry in rund 35 Märk­te Euro­pas, Asi­ens, Nord Ame­ri­kas und Aus­tra­li­en,“ berich­tet stolz der dyna­mi­sche Betriebs­lei­ter John O’Connell.

Rund 90 % des West Cork Port­fo­li­os gehen in das Aus­land. Dar­un­ter sind ein in First­fill-Bour­bon Cask gereif­ter Blend aus 75 % Grain Irish Whis­key und 25 % Irish Malt Whis­key, ein zehn Jah­re alter in Pot Still gebrann­ter Sin­gle Malt aus 100 % gemälz­ter iri­scher Gers­te, zwölf Jah­re alte Finis­hes, die in Portwein‑, Rum- oder Pedro-Xime­nez-Fäs­sern für 110 Tage nach­reif­ten. Eine Beson­der­heit ist die Black Cask-Abfül­lung, ein Ver­schnitt aus 66 % Grain Irish Whis­key und 33 % Malt Irish Whis­key, der in Bour­bon-Fäs­sern nach­reif­te, die in der West Cork Distil­le­ry mit einen spe­zi­el­len Ver­fah­ren unter Gas­feu­er bis zu vier Minu­ten ein zwei­tes Mal aus­ge­brannt wur­den. Inten­si­ve Bour­bon-Aro­men prä­gen daher die­sen mil­den Irish Whiskey.

Das Inves­ti­ti­ons­ka­pi­tal für die Erwei­te­run­gen der Pro­duk­ti­ons­an­la­gen kam u.a. vom dem in Liver­pool ansäs­si­gen Geträn­ke­kon­zern Hale­wood Wine & Spi­rits, Mar­ken­in­ha­ber der per­len­den Frucht­wei­ne Lam­bri­ni, der Ing­wer-Bie­re Crab­bies oder der drei­fach sowie sie­ben­fach destil­lier­ten Red Squa­re Wod­kas. Der bri­ti­sche Ver­mark­ter und Impor­teur ver­treibt exklu­siv die Pro­duk­te der West Cork Distil­lers bereits in acht Märk­ten. „Die­se Ver­triebs­ko­ope­ra­ti­on soll unse­re Pro­duk­te auf dem Welt­markt prä­sen­ter machen,“ erklärt Mas­ter­mind John O’Connell. So ver­wun­dert es nicht, dass die Inves­ti­tio­nen in den neu­en Stand­ort im März 2016 mit dem Ver­kauf von Antei­len an Hale­wood teil­wei­se mit­fi­nan­ziert wur­den. Die Bri­ten erhiel­ten dafür die welt­wei­ten Ver­triebs­rech­te am The Pogues Irish Whis­key. Sie hal­ten an der renom­mier­ten iri­schen Mar­ke selbst einen fünf­zig­pro­zen­ti­gen Anteil.

Die lei­der zu früh ver­stor­be­nen welt­weit aner­kann­ten Exper­ten Dr. Bar­ry Walsh (2016) und Dr. James Swan (2017) ebne­ten den Weg der WCD-Pro­duk­te und berie­ten die Distil­lers fach­lich bei der Umset­zung der Bren­ne­rei­plä­ne. Die erfah­re­nen ehe­ma­li­gen Betriebs­lei­ter Roy Court (Wil­liam Grant & Sons, Irish Distil­lers) sowie Frank McHar­dy (Bruichlad­dich, Bush­mills, Spring­bank) leg­ten die qua­li­ta­ti­ven Grund­la­gen für die Ent­wick­lung von drei­fach gebrann­ten Pot Still Whis­keys, Malt Whis­keys und Pot Still Grain Whis­keys. Der Aka­de­mi­ker und Wis­sen­schaft­ler John O’Connell ent­wi­ckel­te die Destil­la­ti­ons­an­la­ge mit einer ein­drucks­vol­len – welt­ein­ma­li­gen – fast sechs Meter hohen Wash Still, den Inter­me­dia­te Stills und den in Deutsch­land gefer­tig­ten Hol­stein-Kes­seln mit Verstärkersäulen.

Char­mant von John O’Connell ‚The Rocket’ genannt, ver­ar­bei­tet die Tur­bo-Roh­brand­säu­le 1000 Liter Wash in nur sie­ben Minu­ten, eine neue­re Vai­an­te benö­tigt für 2000 Liter Wash nur 10 Minu­ten um 38 bis 39 % Vol. star­ke Low Wines zu bren­nen. Das ist Welt­re­kord! Ein Pot Still Spi­rit aus 66 % nicht gemälz­ter und 33 % gemälz­ter Gers­te wird drei­fach destil­liert. Die Gers­te für den Pot Still kommt aus­schließ­lich von Land­wir­ten aus den Regio­nen Muns­ter und Leins­ter. Sie wird von der Mal­ting Com­pa­ny of Ire­land in Cork in rie­si­gen Ger­mi­na­ti­on-Kil­ning-Ves­sels in gro­ßen Men­gen gemälzt. 60 bis 70 Ton­nen Mal­ted Bar­ley wer­den wöchent­lich an die Ufer des River Ilen zur West Cork Distil­le­ry geliefert.

Es war Frank McHar­dy, der die aktu­el­len zeit­li­chen Abläu­fe von der Gärung, der Destil­la­ti­ons­ab­schnit­te bis hin zu den jewei­li­gen Cut Points der fest­leg­te. „Er kommt alle zwei Mona­te in die Bren­ne­rei, prüft, kon­trol­liert und über­wacht den Rei­fe­pro­zess unse­rer Whis­keys,“ erläu­tert John O’Connell. Der New Make ist erstaun­lich fruch­tig, sau­ber und ohne jeg­li­che ste­chen­de Noten, leicht süß, weich und etwas ölig. Die zwei gebrauch­ten aus Deutsch­land von Arnold Hol­stein stam­men­den 450 Liter gro­ßen Brenn­bla­sen mit Ver­stär­kern destil­lie­ren im drit­ten Brenn­vor­gang inner­halb von 3,5 bis 4 Stun­den sehr lang­sam und scho­nend einen New Make mit einer Alko­hol­kon­zen­tra­ti­on 78 % Vol.

Heu­te ist die im idyl­li­schen ehe­ma­li­gen Markt­ort rund 90 Km west­lich von der Wirt­schafts­me­tro­po­le Cork gele­ge­ne West Cork Distil­le­ry die fünft­größ­te der iri­schen Insel und pro­du­ziert ein brei­tes Port­fo­lio an Spi­ri­tuo­sen wie Whis­key, Gin, Wod­ka sowie Apfel- und Frucht­wei­ne. In Irland war es schon immer Tra­di­ti­on, dass Destil­le­rien Whis­keys im Lohn­ver­fah­ren für Bond­ers, die kei­ne eige­nen Bren­ne­rei­en betrei­ben, her­stel­len, so geschieht dies eben­falls bei den West Cork Distil­lers. 60% stel­len die Eigen­mar­ken und 40 % die White oder Pri­va­te Labels. John O’Connell: „So man­cher Mar­ken­in­ha­ber lie­fert uns lee­re Bar­ri­ques, die wir dann in sei­nem Auf­trag mit unse­rem Spi­rit füllen.“

2017 soll die ange­peil­te Jah­res­ka­pa­zi­tät bei fast vier Mil­lio­nen Litern rei­ner Alko­hol lie­gen. „Davon sind annä­hernd 20 % Pot Still Spi­rits und jeweils rund 40 % Pot Grain- oder Malt Spi­rits.“ Die Destil­la­te rei­fen in Lager­häu­sern am Destil­la­ti­ons­ort, aber auch in Dub­lin zum Whis­key her­an. 45 Mit­ar­bei­ter beschäf­tigt das Unter­neh­men an zwei Pro­duk­ti­ons­or­ten in Skib­be­reen und zählt damit zu den größ­ten Arbeit­ge­bern am Ort.

The Pogues

Die­ser Blen­ded Whis­key aus der West Cork Bren­ne­rei ist zah­len­mä­ßig eines der belieb­tes­ten Pro­duk­te aus Skib­be­reen. Die Fla­sche und ihre schwar­ze Auf­ma­chung fas­zi­nie­ren. Hap­tisch ist sie eine Wohl­tat. Schlicht, aber ein­drucks­voll ist ihr pro­mi­nen­ter Auf­druck: THE POGUES THE OFFICIAL IRISH WHISKEY OF THE LEGENDARY BAND.

“It’s been bril­li­ant working with the team at West Cork Distil­lers in crea­ting a whis­key that we all think reflects our spi­rit and ener­gy, and that we all enjoy the tas­te of,” said Shane Mac­Go­wan along with Pogues band mem­bers, Jem Finer, Andrew Ran­ken, Spi­der Stacy,James Fearn­ley, Ter­ry Woods, and Dar­ryl Hunt. “It’s won­der­ful to add a pro­duct bea­ring our name to the ranks of gre­at Irish whis­keys, and we think it will stand the test of time.”

John O’Connell hat­te die genia­le Idee, die popu­lä­re iri­sche Folk-Punk-Band der 1980er Jah­re als Namens­ge­ber für sei­nen Whis­key zu gewin­nen. Anru­fen woll­te er nicht, denn er glaub­te dass man ihn mit sei­ner Idee am Tele­fon für ver­rückt erklär­te. „Also fuhr ich zum Manage­ment und Rech­te­inha­ber,“ erzählt John, „und kam mit einer Zustim­mung zurück.“ Ihr rhyth­mi­scher Song Streams of Whis­key ist eine Homage an den iri­schen Umtrunk. „I am going, I am going whe­re streams of whis­key are flowing, sang Shane McGo­wan, if you bot­t­le that, they said, so we did,“ erzählt John O’Connell den schlich­ten Auftrag.


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Das ers­te Batch kam im Juli 2015 auf den Markt, ein Blend aus 50 % Sin­gle Malt Whis­keys und 50 % Grain Whis­kies. Die first Release war ein Blend aus einem zehn­jäh­ri­gen Malt, der in Sher­ry-Fäs­sern, einem sie­ben-jäh­ri­gen Malt, der in Bour­bon-Fäs­sern reif­te, sowie jun­gen Grain Whis­keys. „Wir woll­ten einen iri­schen Whis­key schaf­fen, der einen inter­na­tio­na­len und glo­ba­len Touch ver­mit­telt, das war für uns nicht ein­fach,“ bemerkt der Kopf der West Cork Distil­le­ry John O’Connor sei­ne Absicht.

Die Pogues-Band-Mit­glie­der waren von der Idee begeis­tert, neben den Geist ihrer Songs, einen Whis­key-Spi­rit zu stel­len, der ihnen auch schmeck­te. Trinkerfah­rung hat­te alle ja reich­lich. „Sie fühl­ten sich natür­lich geschmei­chelt, mit ihrem Namen neben den gro­ßen iri­schen Whis­key-Mar­ken zu ste­hen,“ sagt John. Ent­wi­ckelt wur­de der Blend vom erfah­re­nen Mas­ter Blen­der Dr. Bar­ry Walsh – Red­bre­ast – in Zusam­men­ar­beit mit dem Schot­ten und lang­jäh­ri­gen Spring­bank-Distil­le­ry Mana­ger Frank McHar­dy. Die der­zei­tig auf dem Markt ver­trie­be­ne Vari­an­te ist drei Jah­re und ein Tag alt. Sie wur­de zur farb­li­chen Anglei­chung an frü­he­re Bat­ches mit Zucker­ku­lör E150a gefärbt, die Fla­schen­füll­stär­ke ist, wie bei vie­len iri­schen Whis­keys üblich, 40 % Vol. Für alle, die mehr als die Weih­nachts­glo­cken von The Pogues hören möch­ten, ist die­ser mil­de, har­mo­ni­sche, mal­zi­ge, nus­si­ge und aro­ma­ti­sche Ire ein will­kom­me­ner sanf­ter Beglei­ter. Ein typi­scher iri­scher Whis­key eben. Er kos­tet im deut­schen Fach­han­del um die 28 Euro je Flasche.


Ernst J. Scheiner ist der Herausgeber des Portals The Gateway to Distilleries und hat über 140 Destillerien fotografisch von innen dokumentiert sowie ihre Produktion beschrieben. Seit seinem Studium an der University of Edinburgh befasst er sich mit Whisky und publiziert in englisch- und deutschsprachigen Blogs sowie Magazinen über schottische und irische Destillerien. Als Whisk(e)y-Botschafter führt er Tasting-Kollegs und Studienreisen für Einrichtungen der Erwachsenenbildung sowie für das EBZ Irland durch.