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Jack Teeling Whiskey Company – Hybrid und Poitìn

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Jack Teeling

Im Sep­tem­ber 2012 über­rasch­te Jack Tee­ling, ehe­ma­li­ger Ver­kaufs­di­rek­tor der iri­schen Coo­ley Distil­le­ry (Kil­be­ggan Blend, Con­ne­ma­ra, Gree­nore), mit einem „neu­en“ Pro­dukt die Whisk(e)y‑World, das zwei star­ke Whis­ky-Regio­nen mit­ein­an­der ver­eint. Sein Hybrid Blen­ded Malt, ohne eine Alters­an­ga­be, wur­de in den Bren­ne­rei­en Coo­ley, Co. Louth, und Bruichlad­dich, Isle of Islay, destil­liert und reif­te dort zunächst für 10 Jah­re. Wei­te­re acht Jah­re ver­brach­ten die bei­den Sin­gle Mal­ts danach zusam­men in Eichen­fäs­sern in Irland. Nur 1200 Fla­schen der ers­ten Hybrid Edi­ti­on wur­den mit einer Stär­ke von 44,1 % vol. nicht kühl­ge­fil­tert und nicht gefärbt abgefüllt.

Teeling Hybrid Malt WhiskeyTeeling’s Hybrid mit ange­neh­men Torf­rauch­aro­men geht auf die Rest­be­stän­de einer fort­schritt­li­chen Zusam­men­ar­beit zwi­schen Coo­ley (15 %) und Bruichlad­dich (85 %) zurück, wel­che die Schot­ten unter dem Label Cel­tic Nati­ons als Zehn­jäh­ri­gen mit 46 % vol. nicht gefärbt und nicht kühl­ge­fil­tert in 7200 Fla­schen 2006 abfüll­ten. Jim McE­wan wähl­te für sei­nen Inter-Cel­tic Blen­ded Malt leicht rau­chi­ge Bruichlad­dich-Whis­kies des Jahr­gangs 1994 aus, dar­un­ter etwas stär­ke­re rau­chi­ge Whis­kies des Port Char­lot­te-Typus und ver­schnitt die­se mit wohl leicht rau­chi­gen Sin­gle Mal­ts der Coo­ley Distil­le­ry zu einem köst­li­chen bi-natio­na­len Whis­ky mit immer­hin 18ppm Rauchanteilen.

Der kon­ser­va­ti­ven Scot­tish Whis­ky Asso­cia­ti­on (SWA) hat­te damals die­se weg­wei­sen­de Zusam­men­ar­beit nicht geschmeckt, daher ver­bot sie schlicht­weg einen Ver­schnitt (Vat­ting) aus „Whis­kies ver­schie­de­ner natio­na­ler Her­kunft.“ Jim McE­wans Traum von acht wei­te­ren geplan­ten Cel­tic-Nati­ons-Abfül­lun­gen zer­platz­te. Whis­ky-Lieb­ha­ber und ‑Pro­du­zen­ten ärger­ten sich, Samm­ler freu­te es.

Die Dub­li­ner Tee­ling Whis­key Com­pa­ny unter­liegt nicht der rigi­den Kon­trol­le der SWA. Als Bon­der knüpf­te Tee­ling nur an eine alte iri­sche Tra­di­ti­on an, die im ehe­ma­li­gen Blen­ding-Cent­re Bel­fast Ende des 19 Jahr­hun­derts üblich war. Damals ver­schnit­ten die Blen­der iri­sche Pot Still Whis­keys mit iri­schen und/oder schot­ti­schen Grain-Whis­kies sowie Malt-Whis­kies nach Lust und Lau­ne und kre­ierten ihre Blends, wel­che sie wie selbst­ver­ständ­lich als iri­schen Whis­key vermarkteten.

Jack Tee­ling nutz­te sei­ne Frei­räu­me. „Der Hybrid Malt ver­ei­nigt die Rau­chig­keit eines Scotch mit der Süße eines iri­schen Whis­key,“ meint der inno­va­ti­ve inde­pen­dent bot­t­ler und hofft mit sei­nem Blen­ded Malt den Inde­pen­dent Spi­rit of Ire­land wie­der zu beleben.

Im Dezem­ber folg­ten bereits 6.000 Fla­schen Poitín mit einer Stär­ke von 61,5 % vol.

Das ille­gal, vor­nehm­lich aus Gers­te gebrann­te, iri­sche Tra­di­ti­ons­de­stil­lat, wird heu­te oft aus Zucker, Melas­se, Rüben oder Kar­tof­feln destil­liert. Ande­re Bezeich­nun­gen sind potheen, pots­heen (gespro­chen po-schien) oder Eng­lisch poteen. Die Coo­ley Distil­le­ry hat­te 2012 in einer limi­tier­ten Auf­la­ge einen wohl­schme­cken­den, an einen Obst­ler erin­nern­den Sin­gle Pot Still Poitín mit einer Stär­ke von 65% vol. pro­du­ziert und in einer limi­tier­ten Aus­ga­be ver­mark­tet. Da nicht Holz­fass-gela­gert ist ein Poitín glas­klar und farb­los. Er ist in einer Stär­ke bis zu 90 % vol. erhält­lich, z.B. ein Kno­ckeen. Wegen mög­li­cher gesund­heits­schäd­li­cher Unrein­hei­ten wird vom Genuss eines schwarz­ge­brann­ten Poitíns aller­dings abgeraten.

Tee­lings Poitín wur­de noch von der Coo­ley Distil­le­ry unter den kri­ti­schen Augen des Mas­ter Blen­ders Noel Sweeney destil­liert. Der Sin­gle Pot Still Poitín ist aller­dings ein Blend aus 80 % Grain-Spi­rit (Mais-Basis) und aus 20% New Make Malt Spi­rit aus 100 % gemälz­ter Gers­te. Damit wird der Moons­hi­ner – ähn­lich einem Blen­ded Whis­key – etwas mil­der, wei­cher und nicht so kör­per­reich inten­siv in sei­nen Aro­men und sei­nem Geschmack.

Jack Tee­ling möch­te mit sei­nen jet­zi­gen und zukünf­ti­gen Abfül­lun­gen den Inde­pen­dent Spi­rit of Ire­land wie­der bele­ben, denn bekannt­lich wur­de Anfang 2012, die von sei­nem Vater Dr. John Tee­ling gegrün­de­te, ehe­mals ein­zi­ge unab­hän­gi­ge, iri­sche Destil­le­rie Coo­ley an Beam Inc verkauft.

Teeling BlendTee­ling ist es nach eige­nen Aus­sa­gen sys­te­ma­tisch gelun­gen, in den ver­gan­ge­nen Jah­ren einen gro­ßen Schatz an iri­schen Whis­keys anzu­le­gen. So plant er die Abfül­lung von Blen­ded Irish Whis­keys, Super Pre­mi­um Sin­gle Mal­ts hohen Alters sowie die Wie­der­be­le­bung des ehe­mals im 19. Jahr­hun­dert bekann­ten und heu­te ver­ges­se­nen Dub­li­ner Kinanhan’s LL Sin­gle Irish Malt Whis­key (das LL im Label stand für Lord Lieu­ten­ant). Es war damals ein Sym­bol für aus­ge­zeich­ne­te iri­sche Whis­key-Qua­li­tät. Der Dub­li­ner New­co­mer möch­te sei­ne Krea­tio­nen in ihrem natür­li­chen Cha­rak­ter nicht ver­fäl­schen, daher wer­den sei­ne Abfül­lun­gen nicht mit E150 gefärbt und nicht kühl­ge­fil­tert: „Die Aro­men und der Geschmack mei­ner Whis­keys sol­len voll­kom­men erhal­ten bleiben.“

Die Kro­ne sei­ner Abfül­lun­gen wer­den die TWC Vin­ta­ge Reser­ves sein. Tee­ling plant Whis­keys mit „uni­que finis­hing and mar­ry­ing methods“. Ein 21jährige die­ser Rei­he reif­te nach Bour­bon-Fäs­sern für eini­ge Zeit in Sau­ter­nes-Wein­fäs­sern nach (Süß­wein aus der Regi­on Bor­deaux). Von die­sem Typus wer­den 10 000 Fla­schen 2013 abge­füllt. Die 25jährige Vari­an­te darf dage­gen in bur­gun­di­schen Wein­fäs­sern (228 Liter groß) nach­rei­fen und wird eine limi­tier­te Auf­la­ge von 4000 Fla­schen errei­chen. Sei­ne ältes­te Aus­ga­be eines 30jährige Whis­keys wird ein Sin­gle Malt mit einer Auf­la­ge von 1000 Fla­schen sein. Sicher­lich wird dies wohl ein Sin­gle Malt aus den Pot Stills der Coo­ley Distil­le­ry sein, die 1987 mit der Pro­duk­ti­on begann.

Teeling LogoPlä­ne einer eige­nen Distil­le­ry schei­nen in der Schub­la­de der Tee­ling Whis­key Com­pa­ny zu lie­gen, denn der ehe­ma­li­ge Mas­ter Distil­ler von Kil­be­ggan Distil­le­ry Alex Chas­ko, heu­te einer der engen Tee­ling-Mit­ar­bei­ter, wur­de im schot­ti­schen Rothes bei den Kup­fer­schmie­den For­syths gesich­tet, die für die kürz­lich in Betrieb gegan­ge­ne Ding­le Distil­le­ry die Brenn­bla­sen und Aus­stat­tung lieferten.

Verkostungsnotizen:

Hybrid Whis­key, 44,1 % vol.

  • Aro­men: süßer, nicht all­zu kräf­ti­ger Rauch, rei­fe Früch­te, Bir­ne, etwas Zitrus, sowie Gras­no­ten, Holz und Vanille.
  • Geschmack: ange­neh­me Süße, ölig und sam­tig, dezen­te Wür­ze, etwas adstrin­gie­rend am Ende.
  • Nach­klang: anhal­tend har­mo­ni­sche Ver­ei­ni­gung zwei­er star­ker Part­ner. Irland und Schott­land gehör­ten immer schon irgend­wie zusam­men. Sehr gelun­ge­ne Wie­der­be­le­bung einer alten iri­schen Tra­di­ti­on.

Lei­der gibt es noch kei­nen deut­schen Impor­teur. Preis ca. 55,- Euro.
Info und Bezug: www.celticwhiskeyshop.com (Dub­lin)

Information:

www.facebook.com/TeelingWhiskeyCompany
www.teelingwhiskey.com (Sei­te befin­det sich noch im Aufbau)
Mehr zu iri­schen Bren­ne­rei­en unter The Gate­way to Distillery


Ernst J. Scheiner ist der Herausgeber des Portals The Gateway to Distilleries und hat über 140 Destillerien fotografisch von innen dokumentiert sowie ihre Produktion beschrieben. Seit seinem Studium an der University of Edinburgh befasst er sich mit Whisky und publiziert in englisch- und deutschsprachigen Blogs sowie Magazinen über schottische und irische Destillerien. Als Whisk(e)y-Botschafter führt er Tasting-Kollegs und Studienreisen für Einrichtungen der Erwachsenenbildung sowie für das EBZ Irland durch.