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Jim McEwan, eine Whisky-Legende – Das Gesicht von Islay geht

Jim McEwans Cut Points der Bruichladdich Spirits schufen die Basis des grandiosen Erfolgs. Foto Copyright Ernie -Ernst J. Scheiner 2015.
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Jim McEwans Cut Points der Bruichladdich Spirits schufen die Basis des grandiosen Erfolgs. Foto Copyright Ernie -Ernst J. Scheiner 2015.Es ist soweit. Jim McE­wan geht defi­ni­tiv in Ren­te. Im Juli 2015 wird er sei­ne Ver­ant­wor­tung für die Islay Distil­le­ry Bruichlad­dich abge­ben. Seit 2000 präg­te Jim McE­wan als Pro­duc­tion Direc­tor und Mas­ter Blen­der die Geschi­cke der im Jahr 2000 wie­der auf­er­stan­de­nen Bren­ne­rei am Loch Indaal. Mit sei­ner „Cin­de­rel­la Distil­le­ry“ mach­te der gebür­ti­ge Ile­ach Furo­re. Sei­ne Whis­kies – Bruichlad­dich Clas­sic, Port Char­lot­te PC5, Octo­mo­re sowie die aro­ma­ti­schen Dou­ble Matu­ra­ti­ons mar­kier­ten die Renais­sance der Islay Whis­kies. Mehr als zwan­zig ver­schie­de­ne Whis­ky-Krea­tio­nen begrün­den sei­ne ein­ma­li­ge und her­aus­ra­gen­de Erfolgs­ge­schich­te, dar­un­ter der am stärks­ten getorf­te Whis­ky der Welt und der in der ehe­ma­li­gen Inver­le­ven Lomond Still Ugly Bet­ty gebrann­te Bota­nist Dry Gin.

Zurück­bli­ckend stellt Jim McE­wan fest: „Es war eine unglaub­li­che Rei­se. Doch jetzt ist es ist nur noch ein klei­ner Schritt über die Stra­ße zu mei­nem Haus. Ich möch­te mehr Zeit mit mei­ner Frau und mei­ner Fami­lie ver­brin­gen. Zurück las­se ich ein wirk­lich groß­ar­ti­ges Team mit acht­zig Frau­en und Män­nern, die die Bren­ne­rei und ihre Pro­duk­te wei­ter ent­wi­ckeln wer­den. Ich bin so stolz, das ich mei­nen Teil dazu bei­tra­gen durf­te, die­se alte Bren­ne­rei wie­der zum Leben zu erwecken.“

Wer war Jim McEwan?

Eddie MacAffer spielte als Kind in der Bowmore Distillery, die er später einmal als Manager leiten sollte. Foto Copyright Ernie -Ernst J. Scheiner 2015.„Ich nen­ne ihn James,“ scherzt Eddie MacAf­fer, wenn der ehe­ma­li­ge Mana­ger und Mas­ter Distil­le­ry der Bow­mo­re Distil­le­ry von sei­nem Freund und Kol­le­gen Jim McE­wan von der eben­falls am Loch Indaal gele­ge­nen Bruichlad­dich Distil­le­ry spricht. Auf der Hebri­den-Insel Islay im Süd­wes­ten Schott­lands ist der Umgangs­ton zwi­schen den 3300 Ein­woh­nern sehr freund­schaft­lich. Jeder kennt jeden, man grüßt sich sogar per Hand­zei­chen beim Autofahren.

Duncan McGillivray und Jim McEwan waren ein unschlagbares Team. Der kreative Duncan setzte die technischen Vorausetzungen für den Erfolg der Bruichladdich Single Malts. Foto Copyright Ernie -Ernst J. Scheiner 2015.„Frü­her waren in der ältes­ten Islay-Bren­ne­rei Bow­mo­re 30 Per­so­nen beschäf­tigt, heu­te sind nur noch 15 mit der Her­stel­lung des Whis­kys betraut,“ stellt der wasch­ech­te Ile­ach – so hei­ßen die Insel­be­woh­ner – Eddie fest. „Wir haben zwar Com­pu­ter, aber alle Pro­zes­se wer­den immer noch von Hand gesteu­ert.“ Eddie war über­all, er nimmt sei­ne Ver­ant­wor­tung sehr ernst, prüft die Malz­qua­li­tät, die Ein­stel­lun­gen der Malz­müh­le, die Was­ser­tem­pe­ra­tur des Läu­ter­bot­tichs und die Aro­men des 69 % vol. star­ken New Makes.

Jim wur­de nur weni­ge Tage vor Eddie in der Main Street von Bow­mo­re im Schat­ten der Bren­ne­rei gebo­ren. Der Geruch von Malz, Torf­rauch und Alko­hol wur­de ihm in die Wie­ge gelegt. Jim und Eddie spiel­ten in den Stra­ßen des 800-Ein­woh­ner zäh­len­den Ortes. Ihr „Dis­ney World“ war die Bren­ne­rei, sie spiel­ten dort Hide and Seek, ver­steck­ten sich zwi­schen den Fäs­sern, in den Bar­ley Lofts oder im Still House. Auf ihrem Schul­weg gin­gen sie jeden Tag an der Bren­ne­rei der Mor­ri­sons vor­über. „Als Jun­gen träum­ten wir von einem Distil­le­ry-Job, dort woll­ten wir arbei­ten,“ erin­nert sich Jim. Schon als Zwölf­jäh­ri­ge arbei­te­ten die bei­den wäh­rend der Feri­en in der Bren­ne­rei, um sich eini­ge Pence zu ver­die­nen. Sie weiß­ten Mau­ern und Wän­de, rei­nig­ten Lager­häu­ser, schau­fel­ten Torf oder mar­kier­ten das Füll­da­tum der Whis­ky-Fäs­ser mit einem Sten­cil (Scha­blo­ne). Die Bren­ne­rei präg­te nach­hal­tig ihre Kind­heit und Jugend.

Tradition

Im Dunnage Warehouse lagern die Schätze. Foto Copyright Ernie - Ernst J. Scheiner 2015.Damals leb­ten vie­le Fami­li­en vom Whis­ky. Coo­per, Mal­t­man, Mash­man, Bre­wer, Still­man oder Wareh­ouse­man waren die typi­schen Beru­fe der Män­ner auf Islay. Die Distil­le­ries sicher­ten den Men­schen von Genera­ti­on zu Genera­ti­on das Ein­kom­men. So ver­brach­ten Jims Groß­va­ter und Urgroß­va­ter ihr gesam­tes Arbeits­le­ben in der Bow­mo­re Distil­le­ry. Eddie und Jim wuch­sen bei­de in sehr beschei­de­nen Ver­hält­nis­sen auf. In ihren Fami­li­en wur­de Gälisch gespro­chen. Der All­tag im Ort mit der mar­kan­ten Rund­kir­che wur­de von der Fische­rei, der Land­wirt­schaft und von den acht Whis­ky-Bren­ne­rei­en bestimmt. Den­noch gab nicht genü­gend Arbeits­plät­ze, „denn Jim und ich sind die ein­zi­gen unse­res Jahr­gangs, die fast aus­schließ­lich auf Islay leb­ten und arbei­te­ten, die ande­ren such­ten ihr Glück auf dem schot­ti­schen Fest­land.“ Das Leben auf der abge­schie­de­nen Insel ver­lief eher beschau­lich. Sams­tags tra­fen sich die Jugend­li­chen zum Tanz in der Vil­la­ge Hall. „Wir jag­ten nach den weni­gen Las­sies,“ besinnt sich Jim. „Oft gin­gen Eddie und ich nach der Dis­co noch in die Bren­ne­rei um den einen oder ande­ren „wee dram“ – einen Schluck Whis­ky – zu ergat­tern.“ Dort spiel­ten sie mit den Mäl­zern Kar­ten, schnup­per­ten Whis­ky und lern­ten dabei nicht nur die Pro­zes­se des Mäl­zens kennen.

Lehrmeister David Bell

Jim fas­zi­nier­ten seit jeher Fäs­ser, er moch­te ihre har­mo­ni­sche Form und den Duft des Eichen­hol­zes. Ger­ne woll­te er Küfer wer­den. Sei­ne Mut­ter öff­ne­te dem Sohn die Tür in eine fas­zi­nie­ren­de Welt, die ihn zu einem der bekann­tes­ten und renom­mier­tes­ten Gesich­ter nicht nur Islays son­dern Schott­lands machen soll­te: Coo­per, Cel­lar Mas­ter, Blen­der, Mas­ter Distil­ler, Distil­le­ry Mana­ger von Bow­mo­re, Direc­tor of Pro­duc­tion bei Bruichlad­dich, Kee­per of the Quaich, mehr­fa­cher Distil­ler of the Year sowie Whis­ky Inno­va­tor of the Year und Indus­try Lea­der of the Year sind Sta­tio­nen einer her­aus­ra­gen­den beruf­li­chen Karriere.

Historischer Augenblick. Der erste Bruichladdich Classic wird gevatted. Foto Copyright Ernie - Ernst J. Scheiner 2015.Der auf­ge­weck­te Jim hat­te zunächst gro­ßes Glück. Ein Rechts­an­walt, bei dem sei­ne Mut­ter den Haus­halt bewirt­schaf­te­te, ebne­te ihm den Weg in eine Küfer­leh­re bei Bow­mo­re. Der Jurist schätz­te den Jun­gen wegen sei­ner Ziel­stre­big­keit und sei­nen kla­ren beruf­li­chen Vor­stel­lun­gen. „Es war gar nicht so ein­fach,“ erklärt Jim, „denn nach den Regeln der Incor­po­ra­ti­on of Coo­pers muss­ten fünf Gesel­len die ordent­li­che Aus­bil­dung gewähr­leis­ten, doch bei Bow­mo­re gab es nur drei.“ Ein klä­ren­der Brief des Rechts­an­walts an die Küfe­rin­nung in Glas­gow schuf eine Lex McE­wan. Wegen der abge­le­ge­nen Insel­la­ge und den beson­de­ren ört­li­chen Umstän­den erlaub­te sie eine Aus­bil­dung auch bei drei Küfern. Mit die­sem Brief in den Hän­den bewarb sich der Fünf­zehn­jäh­ri­ge bei Bow­mo­res Mana­ger James McColl. Die­ser erkann­te Jims gute Anla­gen und Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten, hat­te er doch bereits des­sen gro­ße Ein­satz­freu­de und Ver­läss­lich­keit wäh­rend der Feri­en­jobs beob­ach­tet. „Am 1. August 1963, es war Eddies Geburts­tag, ging ich mit löch­ri­gen Schu­hen in die Bren­ne­rei und begann mei­ne Aus­bil­dung zum Küfer.“ Der am längs­ten in Schott­land täti­ge Bött­cher David Bell wur­de sein Lehr­meis­ter. Mit größ­ter Hoch­ach­tung und Ehr­furcht schwärmt Jim noch heu­te von ihm, „denn er lehr­te mich nicht nur die tra­di­tio­nel­len Metho­den des Fass­ma­chens, die Rei­fe­wir­kung des Hol­zes, son­dern auch die Wer­te des Lebens. „He was a very, very spe­cial per­son in my life. “ Bereits als 22-jäh­ri­ger wur­de Jim Cel­lar Mas­ter und durf­te die Fäs­ser mit Spi­rit fül­len sowie die Bond­ed Wareh­ouses überwachen.

Im Ruhe­stand plant Eddie MacAf­fer mit sei­ner aus Glas­gow stam­men­den Frau und dem Hund Tipsy nach Johns­ton bei Glas­gow umzu­sie­deln, weil dort die Aus­wahl an Golf­plät­zen grö­ßer sei als auf Islay. Jim bleibt hin­ge­gen auf der Insel zurück: „It has been a jour­ney of 50 years for me and like all jour­neys it has had its ups and downs but you learn from the expe­ri­en­ces and beco­me the bet­ter man for them.“

Nach einem mehr als fünf­zig­jäh­ri­gen enga­gier­ten Whis­ky-Leben, das ihn in aller Welt zu einer berühm­ten, geschätz­ten und sehr belieb­ten Per­sön­lich­keit mach­te, küm­mert er sich jetzt schlicht­weg um sei­ne Frau und die Enkel.

Text und Fotos Copy­right Ernst J. Schei­ner 2015, The Gate­way to Distilleries.

Aktua­li­sier­te Fas­sung des in der Win­ter­aus­ga­be von 2013 im The High­land Herold 2013 erschie­ne­nen Arti­kels The New Lord of the Isles, S. 24 ‑26.

Service

Einen aus­führ­li­chen vir­tu­el­len Besuch der Bruichlad­dich Distil­le­ry ermög­licht The Gate­way to Distil­le­ries.


Ernst J. Scheiner ist der Herausgeber des Portals The Gateway to Distilleries und hat über 140 Destillerien fotografisch von innen dokumentiert sowie ihre Produktion beschrieben. Seit seinem Studium an der University of Edinburgh befasst er sich mit Whisky und publiziert in englisch- und deutschsprachigen Blogs sowie Magazinen über schottische und irische Destillerien. Als Whisk(e)y-Botschafter führt er Tasting-Kollegs und Studienreisen für Einrichtungen der Erwachsenenbildung sowie für das EBZ Irland durch.