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Ardbeg goes Sherry: Neuer 8 Years Old Standard in der Diskussion

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von Ernie – Ernst J. Schei­ner, The Gate­way to Distil­le­ries 

Kon­tro­vers wird der neue Ard­beg Sin­gle Malt dis­ku­tiert, das ist sicher. Dr. Bill Lums­dens – Mas­ter­mind und Whis­ky Crea­tor der Islay Distil­lery Ard­beg und der High­land Distil­lery Glen­mo­ran­gie – stellt sein neu­es­tes Opus zur Diskussion.

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Der Whis­ky Blen­der ließ den rau­chi­gen Ard­beg Spi­rit in Sea­so­ned Sher­ry-Fäs­sern in den Steel Rack und tra­di­tio­nel­len Dun­na­ge Warehou­ses an der Süd­küs­te der Köni­gin der Hebri­den­in­seln unter stän­di­ger Kon­trol­le her­an­rei­fen. Acht Jah­re sei­en genug, dach­te sich Lums­den. Er ori­en­tier­te sich dabei nicht am zehn­jäh­ri­gen Stan­dard, der tra­di­tio­nell in Bour­bon-Bar­rels die aro­ma­ti­sche Prä­gung erfährt. Das Team des bei Ard­be­gi­ans so popu­lä­ren des lang­jäh­ri­gen Mana­gers Mickey Heads hat­te den Spi­rit aus einem mit Islay-Peat-Rauch ver­setz­ten Gers­ten­malz (50–55 ppm) in zwei Schrit­ten zuerst in der 18 299 Liter gro­ßen Roh- und danach in der 11 775 Liter klei­ne­ren Fein­brand­brenn­bla­se destil­liert. Malt­men von Dia­geo hat­ten im benach­bar­ten Port Ellen die Gers­te in Boby Drums vermälzt.

sherry-butts-at-ardbeg-250x166 Ardbeg goes Sherry: Neuer 8 Years Old Standard in der DiskussionDer New Make mit einer Phe­nol­kon­zen­tra­ti­on von geschätz­ten 18 bis 20 ppm wur­de vor Ort nicht wie sonst üblich in Stan­dard Bour­bon Bar­rels aus ame­ri­ka­ni­scher Eiche gefüllt, son­dern auf­trags­ge­mäß in die bereit­ge­stell­ten Sher­ry Butts und Hogs­heads (sie­he Foto). Die Fass­füll­stär­ke wur­de auf den Stan­dard 63,5 % Vol. eingestellt.

Sherry-Fass, was steckt dahinter?

toasting-and-bending-tevasa-250x167 Ardbeg goes Sherry: Neuer 8 Years Old Standard in der DiskussionDie Bar­ri­les kamen jetzt aus Anda­lu­si­en, statt aus Ken­tu­cky oder Ten­nes­see. Küfer hat­ten sie aus luft­ge­trock­ne­ten ame­ri­ka­ni­schen Eichen­holz­dau­ben auf­ge­baut und im Gegen­satz zu den ame­ri­ka­ni­schen Fäs­sern nicht gecharrt – aus­ge­kohlt -, son­dern ledig­lich getoas­tet wie dies bei Wein­fäs­sern die Regel ist. Im Drei­eck von San­lú­car de Bar­ra­me­da, El Puer­to de San­ta Maria und Jerez wur­den in den Fäs­sern von Win­zern für eine gewis­se Zeit – meis­tens über zwölf Mona­te und mehr – ein jun­ger vino genero­so in der Regel aus Palo­mi­no Trau­ben oxi­da­tiv aus­ge­baut. Die luft­durch­flu­te­ten, dunk­len, eben­erdi­gen, rie­si­gen Lager­häu­ser der Bode­gas schaf­fen eine gedeih­li­che Atmo­sphä­re in denen sich jun­ge Weiß­wei­ne – Fino – gut unter Flor entwickeln.

paez-bodega-2-250x167 Ardbeg goes Sherry: Neuer 8 Years Old Standard in der DiskussionNach weni­gen Wochen ver­nich­tet die Auf­sprit­tung mit der Zuga­be von Brannt­wein den vor Sau­er­stoff schüt­zen­den Hefe­flors. All­mäh­lich wan­delt sich der Weiß­wein in tro­cke­ne rost­brau­ne Olo­ro­so Sher­ries. Bereits nach weni­gen Wochen wirkt sich der ent­schei­den­de und ein­fluss­rei­che Agent, Sau­er­stoff, auf das ent­ste­hen­de Aro­ma­pro­fil des jun­gen Wei­nes prä­gend aus. Es gibt natür­lich noch wei­te­re Sher­ry-Fass­ar­ten, je nach­dem wel­che Reb­sor­ten die Öno­lo­gen für den Aus­bau der jewei­li­gen Grund­wei­ne aus­wäh­len: Pedro Ximé­nez, Mos­ca­tel (Haupt­sor­ten) sowie Albil­lo, Caño­ca­zo, Man­tuo oder Perruno.

Dr. Bill Lums­den erklärt den über­ra­schend neu­en Ansatz: „Ard­beg 8 Years Old ist ein köst­li­cher, jün­ge­rer und authen­ti­scher Sin­gle Malt – ich betrach­te ihn ger­ne als die ‚Par­al­lel­welt-Ver­si­on‘ des Ard­beg Ten Years Old. Gereif­te Ex-Sher­ry-Whis­kys sind ulti­ma­ti­ves Neu­land für uns, also freu­en wir uns über jeden Gedan­ken darüber!“

Es begann wohl mit einem Gedan­ken­spiel. Mas­ter Distil­ler Lums­den „…frag­te sich bei der Ver­kos­tung von Ard­beg-Fäs­sern unter­schied­li­chen Alters, wie eine Abfül­lung in einer par­al­le­len Welt aus­sä­he, in der es das Flagg­schiff der Destil­le­rie, den Ard­beg Ten Years Old nicht gäbe. Wäre ein rau­chi­ger Whis­ky, teil­wei­se in ehe­ma­li­gen Sher­ry­fäs­sern gereift, ein wür­di­ger Mit­tel­punkt der Ard­beg Range?“

Es gilt aller­dings zu beden­ken, dass ein der­ar­ti­ges Rei­fe­ver­fah­ren für Ard­be­gs Whis­kies eigent­lich nicht grund­sätz­lich neu ist. Bli­cken wir zurück. Ard­beg Spi­rits wur­den in frü­he­rer Zeit, also vor dem Zwei­ten Welt­krieg, als noch kei­ne Bour­bon Bar­rels nach Schott­land kamen, in aller­lei Fass­ar­ten, die damals den Bren­ne­rei­en zur Ver­fü­gung stan­den, abge­füllt. Die Nach­bar­bren­ne­rei Laphro­aig war unter den ers­ten Schott­lands, die nach der U.S.-Prohibition Bour­bon Bar­rels zur Rei­fung einsetzte.

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Weit­ver­brei­tet waren zu jenen Tagen bis Ende der 1970er Jah­re soge­nann­te Sher­ry-Trans­port-Fäs­ser – ship­ping casks – in denen die Impor­teu­re und Groß­händ­ler anda­lu­si­schen Sher­ry-Wei­ne nach Schott­land oder Eng­land in gro­ßen Men­gen mit Schif­fen brach­ten. Nach Ent­lee­rung der botas de exporta­tión und Abfül­lung der Sher­ries in Fla­schen fan­den die güns­ti­gen, oft rund fünf­hun­dert Liter gro­ßen Gebin­de rei­ßen­den Absatz in den Whis­ky-Bren­ne­rei­en. Die Distil­ler ent­deck­ten, dass sich ihre Whis­kies in die­sen vor­wie­gend aus ame­ri­ka­ni­schem Eichen­holz her­ge­stell­ten Gebin­den beson­ders ein­drucks­voll aro­ma­tisch ent­fal­te­ten. Dar­un­ter waren eben­falls die leich­ter zu trans­por­tie­ren­den zwei­hun­dert­fünf­zig Liter gro­ßen Hogsheads.

Mit der Wie­der­ent­de­ckung der Sher­ry Bar­ri­les bele­ben Dr. Bill Lums­den und sein Team die­se Tra­di­ti­on wie­der neu. Sie rei­hen sich damit in den all­ge­mei­nen Mode­trend zu Sher­ry-gepräg­ten Whis­kies ein. In der Regel wer­den heu­te kei­ne alten Bode­ga Bar­ri­les, die jahr­zehn­te­lang zum Aus­bau der Sher­ries ihre Diens­te in die Sole­ra ein­brach­ten, ein­ge­setzt. Sie sind seit dem Zusam­men­bruch des Sher­ry-Exports und der Schlie­ßung vie­ler Bode­gas Mit­te der 1970er Jah­re sehr rar.

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Renom­mier­te Küfe­rei­en in Jerez, dar­un­ter Hudo, Páez, Teva­sa, Vasy­ma oder jene in Mon­til­la wie Pino, Rodri­guez und Cas­kno­lia belie­fern den Bren­ne­rei-Welt­markt mit hun­der­tau­sen­den sea­so­ned Sher­ry-Fäs­sern je nach Wunsch der Mas­ter Blen­der. Die Tonele­rí­as arbei­ten dabei eng mit bekann­ten Bode­gas zusam­men und beauf­tra­gen die­se mit dem Sea­so­ning der Fäs­ser. Der Con­se­jo Regu­la­dor von Jerez zer­ti­fi­ziert erst nach einer Min­de­strei­fe­zeit von zwölf Mona­ten die Bar­ri­les. Sie­he hier­zu aus­führ­lich die Som­mer­aus­ga­be des deut­schen Whis­ky-Maga­zins The High­land Herold vom Som­mer 2018 (Frei­er Down­load mög­lich https://www.highland-herold.de/the-highland-herold-39-sommer-2018/).

In welchen Fässern reifte der Neue?

Wel­che Fass­ty­pen und Sher­ry-Arten vom Direc­tor of Distil­ling and Whis­ky Crea­ti­on, Dr. Lums­den, für das aktu­el­le Vat­ting des aktu­el­len Ard­beg 8 year old Sin­gle Malt Batch 1 aus­ge­wählt wur­den, bleibt ein Geheim­nis? Es ist ver­ständ­lich und nach­voll­zieh­bar, dass er die Mischungs­re­zep­tur nicht öffent­lich preis­gibt und damit die Mei­nun­gen wäh­rend Dis­kus­sio­nen beein­flusst. Natür­lich regt das Spe­ku­lie­ren die Dis­kus­si­on an und lässt aber eben­falls vie­le Fra­gen offen.

Die über 100 000 Mit­glie­der des Ard­beg Com­mit­tee sol­len ja selbst das aro­ma­ti­sche und geschmack­li­che Ergeb­nis inten­siv dis­ku­tie­ren und ihre Mei­nung zum Sher­ry-Ard­beg kund­tun. Eine Fla­schen­füll­stär­ke von 50,8 % Vol wird ihnen durch die Zuga­be von viel oder wenig Was­ser man­nig­fa­che Aro­men-Ein­drü­cke besche­ren. Denn jeder Whis­ky-Nerd – dar­un­ter auch Frau­en – sind sich bewusst, dass die Zuga­be von meh­re­ren Was­ser­trop­fen, den jun­gen Whis­ky aro­ma­tisch öff­net und die alko­ho­li­sche Wahr­neh­mung min­dert. Nach dem Wil­len der Whis­ky-Maker sol­len sie „…Noten aus kräf­ti­gem Torf­rauch, Teer, Holz­koh­le und gesal­ze­nem Kara­mell…“ ent­de­cken. Ihre Suche nach typi­schen Sher­ry-Anmu­tun­gen wird die Tes­ter auf eine span­nen­de, aber schwie­ri­ge Ent­de­ckungs­rei­se füh­ren. Mit Nase und Zun­ge suchen sie nach voll­rei­fen Bir­nen und Äpfel oder dunk­len Früch­te, getrock­ne­tem Obst – Rosi­nen, Sul­ta­ni­nen, Fei­gen, Dat­teln -, Man­deln, Nüs­se, Oran­ge­zes­ten, Gewür­ze – Pfef­fer, Papri­ka, Chil­li -, Bit­ter- oder Milch­scho­ko­la­de, Tabak, Mok­ka sowie Süße, Ing­wer­schär­fe und Bit­ter­keit. A pro­pos, der Islay Sin­gle Malt ist weder mit Zucker­ku­lör gefärbt, noch kühl­fil­triert. Eine Hil­fe­stel­lung Lums­dens wird die Spu­ren­su­che erschwe­ren und kei­nes­wegs erleich­tern, wenn sie die offi­zi­el­le Beschrei­bung lesen:

 „Far­be: Hel­les Strohgelb

An der Nase: Inten­siv, erst kräf­ti­ge Noten von Holz­koh­le, Kreo­sot, Teer und Tof­fee, dann ein geheim­nis­vol­ler, pflanz­li­cher Duft von Fen­chel, Sel­le­rie und grü­nem Papri­ka. Sobald die­se abklin­gen, fol­gen Milch­scho­ko­la­de, Anis und Holz­rauch. Mit einem klei­nen Trop­fen Was­ser erschei­nen wei­te­re Kräu­ter­no­ten, wie von Fen­chel, Kori­an­der und Laven­del, mit dem für Ard­beg typi­schen aro­ma­ti­schen Holz­rauch und einer kur­zen, frisch-sal­zi­gen Meeresgischt.

Am Gau­men: Aus­ge­präg­te pfeff­ri­ge Noten mün­den in eine kom­ple­xe Sym­pho­nie aus Weicht­of­fee, Anis, gesal­ze­ner Kara­mell­scho­ko­la­de, Euka­lyp­tus, Men­thol und Bruyère­holz. Ein pri­ckelnd-pfeff­ri­ger Geschmack folgt mit süßen Aro­men, die von herz­haf­ten Holz­koh­le-Noten, geräu­cher­tem Speck, ange­brann­tem Toast und Teer über­la­gert werden.

Nach­hall: Lang und anhal­tend, mit einem Hauch fri­scher Pfef­fer­min­ze und einer Bri­se Gewürznelke.“

Es wird höchst span­nend, wel­che Ein­drü­cke sich in den sicher­lich zahl­rei­chen Begut­ach­tun­gen und Mei­nun­gen wie­der­fin­den. Über Geschmack lässt sich bekannt­lich vor­treff­lich strei­ten. Denn jede und jeder schmeckt anders. Und wo blei­ben die Sherry-Einflüsse?

Wie schmeckt der Neue Sherry-Ardbeg?

Im Rona-Ver­kos­tungs­glas fas­zi­niert ein an mat­tes Gold mit sehr, sehr gerin­gen Refle­xen aus dem oran­ge­nen Far­ben­spek­trum erin­nern­der öli­ger Whis­ky. Er ist nicht wein-grün­lich wie der Zehn­jäh­ri­ge. Dün­ne­re Schlie­ren bewe­gen sich all­mäh­lich sehr lang­sam in den Kelch. Die anfangs beim Schwen­ken im Glas ent­ste­hen­de fei­ne Per­len­ket­te mahnt jedoch zur Vor­sicht. Sie deu­tet optisch dem Riech­or­gan war­nend den hohen Alko­hol­ge­halt des Acht­jäh­ri­gen an. Rela­tiv schnell ver­wan­deln sich die Nadel­kopf klei­nen Per­len in einen öli­gen, fet­ten und dich­ten Ret­tungs­ring. Die sich all­mäh­lich durch Schwer­kraft bil­den­den Trä­nen­sä­cke bewe­gen sich auf­grund der sehr hohen Alko­hol­kon­zen­tra­ti­on nur sehr zag­haft in das Glas hin­ab. Die Schot­ten benen­nen das Phä­no­men char­mant mit legs. Eini­ge von ihnen ver­har­ren schlicht­weg und blei­ben sehr lan­ge an der Glas­in­nen­wand stehen.

probe-arbeg-8-years-old-for-discussion Ardbeg goes Sherry: Neuer 8 Years Old Standard in der DiskussionDie Nase umschmei­chelt ein opu­lent typi­scher Ard­beg-Rauch­ton. Ange­nehm. Im Ver­gleich zum Zehn­jäh­ri­gen fühlt sich der Geruch mil­der, süßer und etwas weni­ger frisch an. Tee­ri­ge Spu­ren sind nicht so domi­nant, sie blit­zen eher im Hin­ter­grund auf. Sie stö­ren nicht. Der 50,8 % vol kräf­ti­ge Alko­hol ist erstaun­lich gut ein­ge­bun­den und sticht kei­nes­wegs in die Stirn­höh­le vor. Es ist der Beweis für eine sau­be­re Destil­la­ti­on sowie für das aro­ma­si­che­re Set­zen der Abtrenn­punk­te des Mit­tel­laufs. Der ste­ti­ge Reflux der schwe­ren Alko­ho­le durch den Puri­fier im Lyne Arm der Fein­brand­bla­se zeigt sei­ne effi­zi­en­te auf­rei­ni­gen­de Wir­kung. Ste­ter Kup­fer­kon­takt in den Brenn­bla­sen und den Röh­ren­kon­den­sie­rern macht den New Make sau­be­rer und rei­ner. Die Kup­fe­rin­nen­flä­chen redu­zie­ren gleich einem auf­sau­gen­den Schwamm die schwef­li­gen Ver­bin­dun­gen im Destil­lat. Hin­zu kommt eine mode­rie­ren­de Fass­wir­kung. Der fein destil­lier­te und abge­stimm­te New Make scheint in den Sea­so­ned Sher­ry-Fäs­sern schnel­ler als in den Bour­bon Bar­rels her­an­zu­rei­fen. Das Resul­tat ist eine Aus­ge­wo­gen­heit der Aro­men im Glas. Den­noch prägt sich wäh­rend der kur­zen Rei­fe­zeit wie sie im 19. Jhd. durch­aus üblich war, eine gewis­se aro­ma­ti­sche Kom­ple­xi­tät aus. Sehr dezen­te süße Anmu­tun­gen erschei­nen, den­noch nicht so kräf­tig wie bei Whis­kies aus Pedro Ximé­nez-Fäs­sern. Bei einer acht­jäh­ri­gen Rei­fung im Sher­ry-Fass erwar­tet die Riech­schleim­haut eher Noten von Honig, Fei­gen, Dat­teln oder Quit­ten­saft. Auf der Hand­flä­che domi­nie­ren Rauch­ein­drü­cke, Kara­mell und Malz. Die öli­ge Kon­sis­tenz hin­ter­lässt ihre kleb­ri­ge Spu­ren auf der Haut, Sher­ry-typisch eben.

Auf der Zun­ge und am Gau­men über­rascht eine fül­li­ge Cre­mig­keit, die span­nend in pfeff­ri­ge, ing­wer­ar­ti­ge Schär­fe­ein­drü­cke bis hin zu einer tee­ri­gen Bit­ter­keit über­lei­tet. Der jun­ge zwei­fach aus 100 % Gers­ten­malz gebrann­te Ard­beg gibt sich extrem tro­cken und ver­harrt sehr lan­ge im gesam­ten Mund­raum mit nach­hal­ti­gen fas­zi­nie­ren­den Rauch­ein­drü­cken. Auf­kom­men­de Pfef­fer­minz­as­so­zia­ti­on erin­nern an kräf­ti­ge Fisherman‘s Fri­ends Euka­lyp­tus-Pas­til­len. Über­ra­schend ist die fast gänz­lich feh­len­de Süße, statt­des­sen meint man im Nach­gang eine gering sal­zi­ge Wahr­neh­mung zu spü­ren, die aller­dings lan­ge eine stren­ge wür­zi­ge Bit­ter­keit begleitet.

Wo blei­ben die anti­zi­pier­ten Sher­ry-Olo­ro­so-Aro­men? Sie mil­dern ledig­lich das rau­chi­ge Erschei­nungs­bild des Erst­lings. Sie machen den Whis­ky wei­cher. Nach einer Wei­le glaubt man einen Hauch von Scho­ko­la­de mit dezen­ter Süße wahr­zu­neh­men. Die Zuga­be von etwas Was­ser wan­delt ihn geschmei­di­ger, wei­cher und fruch­ti­ger, macht das Aro­ma-Pro­fil schö­ner. Die pfeff­ri­gen und bit­te­ren Noten ver­lie­ren ihre Schär­fe. Der Sher­ry-Ard­beg wird mil­der und weni­ger rauh. Scho­ko­la­di­ge Anmu­tun­gen wer­den kräf­ti­ger, sie run­den den Islay Malt ange­nehm ab. Er wird süßer und mischt sich mit nach­hal­len­den Chil­li-Ein­drü­cken. Die Tan­ni­ne des Eichen­hol­zes der fri­schen und jun­gen Fäs­ser kom­men zum Vorschein.

Im Vat­ting des expe­ri­men­ta­len Ard­be­gs feh­len aller­dings wei­te­re Whis­kies aus den mar­kan­ten und cha­rak­ter­vol­len Pedro Ximé­nez Casks, deren pro­mi­nen­te Aro­men­struk­tur ins­be­son­de­re Freun­de von Sher­ry-Fass-gereif­ten Whis­kies schät­zen. Sie hät­ten den Neu­en viel­schich­ti­ger, fül­li­ger und aro­main­ten­si­ver wer­den las­sen. Im direk­ten Ver­gleich zum Zehn­jäh­ri­gen über­zeugt die Cre­mig­keit und der in sich span­nen­de Ablauf der geschmack­li­chen und aro­ma­ti­schen Asso­zia­tio­nen, die sich auf der Zun­ge und im Mund­raum aus­prä­gen. Ein Ard­beg Distil­lery Cha­rac­ter prä­sen­tiert sich nach wie vor. Die­ser wird kei­nes­falls von Sher­ry-typi­schen Aro­men über­deckt. Dr. Bill Lums­den wird das Sher­ry-Expe­ri­ment sicher­lich fort­set­zen. Die zukünf­ti­ge Ent­wick­lung des Ard­beg-Sher­ry-Typus zu ver­fol­gen, wird nicht nur Ard­be­gi­ans genüss­lich begeis­tern. Der Eight Year Old Ard­beg ist ein ers­ter Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Ard­beg bleibt somit eine abwech­seln­de Her­aus­for­de­rung und in der Diskussion.

Der neue Distil­lery Pro­duc­tion Mana­ger Colin Gor­don folg­te Mickey Heads im ver­gan­ge­nen Jahr und kam von der Nach­bar­bren­ne­rei Lag­avu­lin. Zuvor war er Site Ope­ra­ti­ons Mana­ger bei den Port Ellen Mal­tings. Der Mas­ter of Sci­ence of Bre­wing and Distil­ling der Heri­ot Watt Uni­ver­si­ty in Edin­burgh lädt am 30. Juli 2021 alle Com­mit­tee-Mit­glie­der zu einer Online-Ver­kos­tung der neu­en Sher­ry-Abfül­lung ein. Der Bei­tritt zum Ard­beg Com­mit­tee ist jeder­zeit kos­ten­frei unter Ardbeg.com/committee möglich.

Ard­beg 8 Years Old For Dis­cus­sion wur­de mit einer Alko­hol­kon­zen­tra­ti­on von 50,8 Vol. % abge­füllt. Ab dem 8. Juli 2021 wer­den Ard­be­gi­ans in Deutsch­land und Öster­reich eine Fla­sche zu erha­schen. Deren Limi­tie­rung ist wie auch der Preis noch nicht bekannt. „Wir haben uns ent­schlos­sen, kei­nen Preis vor­ab zu kom­mu­ni­zie­ren. Wird aber sicher­lich für die meis­ten in einem guten Rah­men lie­gen,“ schreibt Moët Hen­nes­sy Deutschland.

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Ernst J. Scheiner ist der Herausgeber des Portals The Gateway to Distilleries und hat über 140 Destillerien fotografisch von innen dokumentiert sowie ihre Produktion beschrieben. Seit seinem Studium an der University of Edinburgh befasst er sich mit Whisky und publiziert in englisch- und deutschsprachigen Blogs sowie Magazinen über schottische und irische Destillerien. Als Whisk(e)y-Botschafter führt er Tasting-Kollegs und Studienreisen für Einrichtungen der Erwachsenenbildung sowie für das EBZ Irland durch.