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Das Aromenrad: Die Aromen im Whisky und wie sie entstehen

Whiskywheel (c) Whisky Magazine

Für Ein­stei­ger ist es oft schwie­rig, die Aro­men im Whis­ky zu unter­schei­den und zu benen­nen. Das ist auch ganz nor­mal, weil sich unse­re Nase und unser Gau­men erst an die neue Situa­ti­on (und natür­lich auch an den Alko­hol) gewöh­nen müs­sen. Nach einer gewis­sen Zeit wird man dann immer mehr Aro­men schme­cken und unter­schei­den kön­nen. Als Hil­fe gibt es dazu (wie auch beim Wein) Aro­men­rä­der, auf denen die Basis­aro­men und ihre Aus­prä­gun­gen ver­zeich­net sind. Schau­en wir uns mal ein Bei­spiel an.

Whiskywheel (c) Whisky MagazineDas eng­lisch­spra­chi­ge Whis­ky Maga­zi­ne hat auf sei­ner Web­site einen 5‑teiligen Tas­ting and Nosing Cour­se mit Charles MacLean, der deut­lich aus­führ­li­cher ist, als ich es hier im Blog dar­stel­len kann (er war übri­gens auch die Inspi­ra­ti­on für mei­nen Arti­kel Whis­ky – Ein Aus­flug in die Welt der Sin­ne vom Mai 2010, den ich Euch ger­ne noch­mal ans Herz lege). Im drit­ten Teil The Lan­guage of Whis­ky Tas­ting wird ein von Charles MacLean ent­wi­ckel­tes Aro­men­rad gezeigt, das ich Euch hier nun erklä­ren möchte.

Auf der rech­ten Sei­te des Rades fin­det Ihr die Aro­men, die bei der Pro­duk­ti­on von Whis­ky entstehen:

  • Cere­als (Getrei­de): Die Aro­men aus der gemälz­ten Gers­te, die süß und ange­nehm, aber auch muf­fig und unan­ge­nehm sein kön­nen – denkt z.B. an nas­ses Mehl.
  • Frui­ty (fruch­tig): Ester­ver­bin­dun­gen, die bei der Fer­men­ta­ti­on und der Gäh­rung durch die Hefe ent­ste­hen. Aber Ach­tung: Auch Sher­ry-Fäs­ser geben fruch­ti­ge Aro­men ab, dazu spä­ter mehr.
  • Flo­ral (blu­mig): Alde­hyde, die gra­si­ge oder blu­mi­ge Noten wie eine Blu­men­wie­se oder frisch gemäh­tes Heu ent­ste­hen las­sen, beson­ders häu­fig in Low­land-Mal­ts zu finden.
  • Peaty (tor­fig): Phe­no­le, die sich durch den (Torf-)Rauch beim Trock­nen des Mal­zes auf dem Korn abla­gern und bei der Pro­duk­ti­on mit­ge­schleift werden.

Auf der lin­ken Sei­te fin­den sich Aro­men, die bei der Lage­rung oder bei unsach­ge­mä­ßer Behand­lung entstehen:

  • Fein­ty (von Feints = Nach­lauf): Beim Destil­lie­ren wer­den Vor- und Nach­lauf abge­trennt und nur der Mit­tel­lauf ver­wen­det. Wäh­rend der der Vor­lauf zum Teil gif­tig ist (Metha­nol), ist der Nach­lauf geschmack­lich unschön. In Maßen kann er aber auch gera­de den Reiz eines Whis­kys ausmachen.
  • Sul­phu­ry (schwe­fe­lig): Eigent­lich sind die kup­fer­nen Pot Still dazu da, um wäh­rend der Destil­la­ti­on ent­ste­hen­de Schwe­fel­ver­bin­dun­gen abzu­fan­gen und unschäd­lich zu machen. Das gelingt aber nicht immer und auch bei der Rei­fung im Fass (beson­ders in Sher­ry-Fäs­sern) kön­nen sol­che Aro­men ent­ste­hen. Man­che Men­schen (z.B. ich) sind dafür emp­find­li­cher, ande­re weniger.
  • Woo­dy (hol­zig): Whis­ky reift in Eichen­holz­fäs­sern und ent­zieht die­sen Eiweiß­ver­bin­dun­gen, die in Kara­mell- und Vanil­le-Noten zer­fal­len, ins­be­son­de­re bei aus­ge­brann­ten Ex-Bour­bon-Fäs­sern oder fri­schen French-Oak-Fäs­sern. Bei Fäs­sern aus euro­päi­scher Eiche, ins­be­son­de­re Ex-Sher­ry-Fäs­sern, sind es eher wür­zi­ge Noten wie Zimt, Nel­ken und Kokosnuss.
  • Winey (wei­nig): Neben dem Holz an sich ist auch der vor­he­ri­ge Inhalt ent­schei­dend. Sin­gle Malt reift fast immer in gebrauch­ten Fäs­sern und ins­be­son­de­re Wein­fäs­ser (auch Sher­ry, Port, Madei­ra, …) geben star­ke Frucht­säu­re-Noten ab, die auf lan­ge Sicht der ursprüng­li­chen Cha­rak­ter des Whis­ky über­de­cken können.

Nun wisst Ihr also, was sich alles im Whis­ky ver­ste­cken kann. Das heißt aber noch lan­ge nicht, dass jede Tas­ting Note mit dem oben genann­ten Voka­bu­lar aus­kom­men muss. Geschmack ist etwas sub­jek­ti­ves, jeder ver­bin­det mit einem Aro­ma etwas ande­res. Ver­sucht ein­fach, den Geschmack mit etwas bekann­tem zu ver­bin­den und zu beschreiben.

Ich ver­wen­de in mei­nen Tas­tings ger­ne das Bei­spiel „Omas Apfel­ku­chen“: Aus was besteht ein Apfel­ku­chen? Teig (aus Getrei­de, Back­pu­ver, viel­leicht mit Vanil­le­aro­ma ver­setzt?), Äpfel (Grün? Rot? Fall­obst?), Mar­me­la­de (wel­che?) als Gla­sur, Man­deln (ange­rös­tet?), … Et voi­là, da sind die Einzelaromen!


Jörg Bechtold beschäftigt sich seit Ende der 90er Jahre mit Single Malt Whisky. Auf mehreren Reisen nach Schottland hat er Land und Leute kennen gelernt sowie viele Destillerien besucht. Seit 2002 betreibt er die WHISKYFANPAGE.DE, seit 2006 dieses Blog und ist außerdem als Referent für Whisky-Tastings tätig.

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