Notes Sonstiges

Whisky – Ein Ausflug in die Welt der Sinne


Vie­le Besu­cher mei­nes Blogs kom­men inzwi­schen über Twit­ter auf die­se Sei­te und vie­le davon spre­chen kein Deutsch. Da ich aber wei­ter­hin auf Deutsch schrei­ben möch­te, habe ich vor eini­ger Zeit Goog­le Trans­la­tor ein­ge­baut. Über das Pull-down-Menü rechts unter der Suche kann man die Arti­kel in vie­le Spra­chen die­ser Welt über­set­zen, mit meist eher lus­ti­gen bis schrä­gen Resultaten.

Das führt dann auch mal zu Rück­fra­gen, so wie vor eini­gen Tagen von Gal Gra­nov, Urhe­ber des Blogs Whis­ky Isra­el. Er hat­te mei­ne letz­ten Tas­ting Notes gele­sen und sich dar­über gewun­dert, dass ihm der Über­set­zer „Auge, Nase, Mund, Hals“ ange­zeigt hat­te statt den übli­chen Begrif­fen wie „Color, Nose, Pala­te, Finish“. Das war aller­dings kein Über­set­zungs­feh­ler, son­dern Absicht.

War­um mache ich das? Weil ich den­ke, dass die übli­chen Begrif­fe nicht weit genug gehen. Sie beschrei­ben die Eigen­schaf­ten eines Whis­kies, aber nicht das, was wir wirk­lich mit unse­ren Sin­nen auf­neh­men. An dem Gesamt­erleb­nis Whis­ky sind drei unse­rer fünf Sin­ne betei­ligt: Die visu­el­le Wahr­neh­mung (Augen), die olfak­to­ri­sche Wahr­neh­mung (Geruchs­sinn) und die gusta­to­ri­sche Wahr­neh­mung (Geschmacks­sinn). Und das nicht unbe­dingt getrennt voneinander.

Zuerst neh­men wir den Whis­ky mit den Augen auf. Wir sehen sei­ne Far­be und erwar­ten dadurch schon einen bestimm­ten Geschmack. Ist der Whis­ky hell, erwar­ten wir einen leich­ten, bour­bon­las­ti­gen Whis­ky. Ist er dun­kel, erwar­ten wir einen schwe­re­ren, sher­ry­las­ti­ge­ren. Aber wir erken­nen noch mehr, z.B. die Vis­ko­si­tät und dar­an den Ein­fluss der Rei­fung uns des Alters. Ist er sehr ölig oder läuft er leicht ab? Gibt es vie­le Legs oder weni­ge? Bleibt ein schö­ner Per­len­rand am Glas oder nicht? Und sogar den Alko­hol­ge­halt kann man schät­zen, wenn man ihn schüt­telt und die Schaum­bil­dung betrach­tet. Nicht umsonst wer­den ech­te Blind­tas­tings mit blau­en, fast undurch­sich­ti­gen Glä­sern durch­ge­führt! Und das alles ist nur Far­be (Colour)?

Dann neh­men wir den Whis­ky mit der Nase auf. Durch die Farb­wahr­neh­mung ist die­se nun schon vor­ge­warnt und ist umso erstaun­ter, wenn der Geruch nicht zur Erwar­tung passt. Ten­den­zi­ell fin­den wir die­se Whis­kies dann inter­es­san­ter als jede, die der Erwar­tung ent­spre­chen. Nun neh­men wir die Stof­fe auf, die sich aus dem Whis­ky lösen. Das sind in der Regel mehr, wenn der Whis­ky eine höhe­re Alko­hol­stär­ke aus­weist oder wenn ihm frisch Was­ser hin­zu­ge­ge­ben wur­de. Letz­te­res hilft auch, den Ein­fluss des Alko­hols zurück­zu­drän­gen und fei­ne­re Nuan­cen her­vor­zu­brin­gen. Es emp­fiehlt sich auch mehr­mals zu rie­chen, denn wenn die Nase den ers­ten Alko­hol­schock ver­daut hat, wird sie mehr rie­chen als beim ers­ten Mal. Und übri­gens: Wir haben zwei Nasen­lö­cher und genau wie unse­re Augen, Hän­de und Füße sind bei­de meist unter­schied­lich. Also bit­te mit bei­den riechen!

Dann neh­men wir den Whis­ky mit dem Mund auf. Und zwar mit dem gan­zen Mund, nicht nur mit dem Gau­men (Pala­te)! Die Zun­ge ist der Teil, der zuerst mit dem Whis­ky in Berüh­rung kommt. Wenn wir ihn dann ein wenig im Mund krei­sen las­sen, kommt er auch mit dem Gau­men in Berüh­rung. Die Wis­sen­schaft glaubt inzwi­schen, dass jeder Teil unse­res Mun­des jeden Geschmack auf­neh­men kann, die Auf­tei­lung in Geschmacks­zo­nen gilt als über­holt. Aber die Geschmacks­knos­pen sind nicht ein­heit­lich ver­teilt, es macht also Sinn, den Whis­ky im Mund zu ver­tei­len. Durch die Kör­per­wär­me wird er dabei auch wär­mer und mehr Geschmacks­stof­fe lösen sich. Und auch hier gilt, dass nach dem ers­ten Schock mehr Nuan­cen erkannt wer­den als gleich zu Beginn.

Dann schlu­cken wir den Whis­ky her­un­ter. Mit dem deut­schen Wort „Abgang“ (Finish) konn­te ich mich noch nie anfreun­den. Einen Abgang mache ich am Ende mei­nes Lebens oder viel­leicht noch auf dem Klo, aber hier … War­um nen­nen wir es nicht beim Wort? Der Hals ist es, in dem wir die woh­li­ge Wär­me des Whis­kies spü­ren, sei­ne Schär­fe, sei­ne Wür­ze und sei­ne Süße. Hier bleibt auch der Torf hän­gen, den wir am nächs­ten Mor­gen ver­geb­lich mit der Zahn­bürs­te aus dem Mund zu schrub­ben ver­su­chen. Und ganz unten im Magen, selbst da brei­tet sich die Wär­me noch aus und macht Lust auf einen zwei­ten Schluck.

Der macht auch Sinn (klei­nes Wort­spiel …). Nicht nur weil jeder Dram dazu führt, dass die schot­ti­schen Whis­ky­in­dus­trie wei­ter­hin auf der Erfolgs­wel­le schwimmt und uns noch vie­le Jah­re mit guten Stöff­chen ver­sor­gen kann. Son­dern auch, weil nach den ers­ten Ein­drü­cken unse­re Sin­ne beim zwei­ten Mal noch weni­ger objek­tiv sind als beim ers­ten Mal und uns nun wie­der ganz ande­re Sin­nes­ein­drü­cke ver­mit­teln wer­den. Ein guter Whis­ky wird so immer bes­ser und ein schlech­ter, nun ja, wird viel­leicht wenigs­tens ein biss­chen bes­ser. Aber seid gewarnt, das mit dem Schönsau­fen funk­tio­niert nicht und führt nur zu Kopf­weh. Und das ist nicht sinn­voll, son­dern rei­ner Unsinn 😉


Jörg Bechtold beschäftigt sich seit Ende der 90er Jahre mit Single Malt Whisky. Auf mehreren Reisen nach Schottland hat er Land und Leute kennen gelernt sowie viele Destillerien besucht. Seit 2002 betreibt er die WHISKYFANPAGE.DE, seit 2006 dieses Blog und ist außerdem als Referent für Whisky-Tastings tätig.

2 Kommentare zu “Whisky – Ein Ausflug in die Welt der Sinne

  1. online shop

    Yeah, I found your site on Tech­nora­ti and it was in Ger­man. It loo­ks qui­te inte­res­ting so I visi­ted it, and with the help of Goog­le Trans­la­te (I am using Goog­le Chro­me as my per­so­nal brow­ser) I read and unders­tood your blog. This is real­ly cool, right?

  2. Yeah, cool. Would even be coo­ler if it was­n’t a link to a shop­ping site …

Kommentare sind geschlossen.

Scroll Up