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Gibt es ein Terroir beim Whisky?

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Neu­lich hat mich bei einem Tas­ting ein Wein­ken­ner gefragt, ob es auch beim Whis­ky ein „Ter­ro­ir“ gäbe. Ich woll­te ein­fach mit nein ant­wor­ten, aber das greift viel­leicht zu kurz.

Beim Wein defi­niert sich das „Ter­ro­ir“ durch die kli­ma­ti­schen Gege­ben­hei­ten und die Boden­be­schaf­fen­heit im Wein­berg. Für wel­che Trau­ben­sor­te eig­net sich der Boden, wie viel Son­ne und Regen bekommt der Hang ab, etc. Dadurch haben sich im Lau­fe der Zeit die Unter­schie­de der Wein­bau­ge­bie­te herausgebildet.

Beim Whis­ky gibt es sowas erst mal nicht. Allei­ne schon des­halb nicht, weil die Gers­te nur in den sel­tens­ten Fäl­len lokal ange­baut wird. Gers­te ist auf Effi­zi­enz gezüch­tet, es gibt welt­weit nur weni­ge Sor­ten und die wer­den ein­fach auf dem Welt­markt ein­ge­kauft und meis­tens in Groß­mäl­ze­rei­en gemälzt. Nur weni­ge Destil­le­rien mäl­zen noch selbst und noch weni­ger bau­en die Gers­te mit Hil­fe loka­ler Bau­ern selbst an. Bei­spie­le dafür wären Bruichlad­dich mit den Seri­en „Scot­tish Bar­ley“ bzw. „Islay Bar­ley“ und Kilcho­man mit sei­ner Abfül­lung „100% Islay“. Spe­zi­ell bei Bruichlad­dich wer­den dabei auch älte­re Sor­ten (z.B. „Bere Bar­ley“) aus­pro­biert, die weni­ger auf Ertrag und mehr auf Geschmack aus­ge­rich­tet sind. Mit „Ter­ro­ir“ hat aber auch das wenig zu tun, denn es geht nicht um loka­le Unter­schie­de, son­dern um die Unter­schie­de zwi­schen den Sor­ten – die man prak­tisch über­all anbau­en könnte.

Aber was ist mit dem Torf, der zum dar­ren der Gers­te benutzt wird? Der hat durch­aus ein „Ter­ro­ir“, denn es ist ein Unter­schied, ob er aus einem Torf­moor im Lan­des­in­nern oder von einer Insel kommt. Ande­re Pflan­zen, mehr Salz­was­ser, das alles macht einen geschmack­li­chen Unter­schied. Die Fra­ge ist aller­dings, woher die getorf­te Gers­te über­haupt kommt und ob die Groß­mäl­ze­rei nicht den sel­ben Torf für alles nimmt. Wenn dage­gen bei­spiels­wei­se Laphro­aig sein Malz selbst macht, dann macht der eige­ne Torf von der Isle of Islay durch­aus einen Unterschied.

Ease­da­le / Pixabay

Mit der Lage­rung ist das nun wie­der so eine Sache. Spe­zi­ell auf den schot­ti­schen Inseln erzäh­len sie einem ger­ne, dass eine Lage­rung in einem Wareh­ouse an der Küs­te durch die See­luft, die Feuch­tig­keit und das Salz eine ande­re Geschmacks­no­te ergibt als eine Lage­rung auf dem schot­ti­schen „Fest­land“. Nur gibt es dum­mer­wei­se einen Hau­fen Insel-Whis­kys von unab­hän­gi­gen Abfül­lern, deren Fäs­ser direkt nach der Abfül­lung in eige­ne Wareh­ouses bei Glas­gow oder in den Low­lands ver­frach­tet wur­den, und die trotz­dem ein­deu­tig nach Insel schme­cken. Und selbst die Fäs­ser für Ori­gi­nal­ab­fül­lun­gen von Lag­a­vu­lin oder Caol Ila lagern nicht alle auf Islay, denn so vie­le Lager­häu­ser gibt es da gar nicht.

Die Fäs­ser selbst machen natür­lich auch einen Unter­schied. Nicht nur die Vor­be­le­gung, son­dern auch die Art der Eiche – ame­ri­ka­ni­sche Eiche bei Bour­bon-Casks und euro­päi­sche Eiche bei man­chen Sher­ry-Fäs­sern. Rich­tig inter­es­sant wird das The­ma bei japa­ni­schem Whis­ky, dem teil­wei­se die ein­hei­mi­sche Mizu­n­a­ra-Eiche eine eige­ne Note gibt. Das hat nun zwar etwas mit dem Her­kunfts­land zu tun, aber ein rich­ti­ges Ter­ro­ir ist das auch nicht.

Ein Terroir gibt es beim Whis­ky also nicht wirk­lich. Man­che Bren­ne­rei­en ver­su­chen durch den Anbau eige­ner Gers­te, eige­ne Mäl­zung, eige­nem Torf und eine Lage­rung am Ort der Her­stel­lung ein „loka­le­res“ Pro­dukt als ande­re her­zu­stel­len. Ein Ter­ro­ir im Sin­ne von geschmack­li­chem Unter­schied durch loka­le Gege­ben­hei­ten ist das aber nicht oder nur im sehr wei­ten Sinn.


Jörg Bechtold beschäftigt sich seit Ende der 90er Jahre mit Single Malt Whisky. Auf mehreren Reisen nach Schottland hat er Land und Leute kennengelernt sowie viele Destillerien besucht. 2002 hatte er die WHISKYFANPAGE.DE begründet, seit 2006 schreibt er dieses Blog und ist außerdem als Referent für Whisky-Tastings tätig.