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Whiskyherbst vs. Whiskyfest – wer regiert in Berlin?


Wie ich in meinem Beitrag Das Whiskyfanblog macht Urlaub… angekündigt hatte, war ich am 8. und 9. September in Berlin und habe die beiden Whiskymessen der Hauptstadt besucht.

Entgegen meines ursprünglichen Plans war ich am Freitag erst auf dem WHISKYHERBST®, der seit 2013 in der Malzfabrik in Tempelhof stattfindet. Bereits 2000 war die Kooperation dreier Berliner Whiskyhändler als “Cöpenicker Whiskyherbst” im Innenhof des berühmten Rathauses (das mit dem Hauptmann) gestartet, 2006 aus Platzgründen in die Freiheit 15 (auch in Köpenick) umgezogen. Ich hatte in der Vergangenheit beide Locations mitbekommen und war nun gespannt auf die Malzfabrik.

 

Der alte Industriebau ist an sich nicht zu verachten und schön renoviert, Platz hat es mehr als genug auch für künftige Erweiterungen. Die Stände sind verteilt auf einen Außenbereich unter freiem Himmel, einen überdachten Außenbereich und einen Innenbereich in einer der Hallen, so dass man auch bei schlechtem Wetter genug Möglichkeiten hat. Der Berliner Spätsommer zeigte sich allerdings von seiner schönsten Seite und schon durch den Anmarsch vom Südkreuz (ca. 15 min.) stand ich ordentlich unter Dampf. Los ging es erst nachmittags um 15 Uhr und so war ich schon ausreichend gestärkt um direkt loslegen zu können.

Als erstes hatte Detlef Sommer von Säntis Malt den neuen Snow White 6 am Start mit Nachreifung in Cognac-Orangenlikör-Fässern. Weiter bei Anam na h-Alba, allerdings mit dem neuen Glen Moray des SSMC. Von den eigenen Abfüllungen habe ich den “Kiss of Kirkwall” probiert, eher so mittel. Bei Whisky Warehouse No. 8 diverses, darunter einen richtig guten Glenlossie und einen sehr schönen alten Glen Keith. Der “fliegende Holländer” aka Dutch Connection hatte den Ichiro’s Malt MWR dabei, da konnte ich nicht nein sagen. Nach einer kleinen Stärkung ging es weiter bei Kirschwhisky mit netten Gesprächen, einem sehr schönen Old Pulteney von Gordon MacPhail und endlich mal dem Amrut Greedy Angels. Dagegen sehen viele ältere Whiskys ziemlich alt aus.

Bevor ich selbst zu alt aussah, habe ich den Tag bei Ferrand mit Brand Ambassador Ralf Zindel und der Range von Hellyers Road aus Tasmanien ausklingen lassen. Die Abfüllungen sind durchgängig gut und haben mit 10yo, Peated und Pinot Noir für jeden Geschmack etwas zu bieten.

Der Samstag gehörte dann dem Köpenicker Whiskyfest, das seit dem Weggang des Whiskyherbstes die Freiheit 15 belegt. Man kann sagen was man will, die Location ist einfach klasse. Die Altstadt von Köpenick liegt auf einer Halbinsel, umflossen von der Spree, und ist einfach wunderschön. Man kommt sich mitten in der Stadt (na gut, am Rand und 1 Stunde vom Zentrum entfernt) vor wie am Meer. Boote und Grün wohin man schaut.

Dass der Whiskyherbst die Location gewechselt hat, hatte aber auch seinen Grund und den merkt man – es war nämlich ziemlich schnell nach Öffnung rappelvoll. Da alles sehr eng gestellt ist hat man zwischen den Zelten wenig Platz und Steh- geschweige denn Sitztische sind auch keine mehr zu bekommen, obwohl recht viele vorhanden sind. Dazu spielt noch eine Liveband mit voller Lautstärke und so kam zusammen mit der prallen Sonne ziemlich schnell der Moment, wo mir alles zu viel wurde, meine Beine die 21 km durch Berlin in drei Tagen spürten und ich nur noch ins Hotel wollte.

Dabei wäre die Auswahl an unabhängigen Abfüllern deutlich größer gewesen als in der Malzfabrik. Viele bespielen beide Messen, manche haben sich gleich ganz für das Whiskyfest entschieden. Da ich aber Ende des Monats auch noch die Whiskymesse Rüsselsheim besuche und dort viele der Aussteller wieder treffen werde, habe ich vor allem den Stand von SpritsONE belagert, die eine unglaubliche Auswahl von kleinen Craft-Destillerien aus den USA am Start hatten. Da gibt es noch viel zu entdecken! Bei Scotland and Malts mit tatkräftiger Unterstützung von Alba Import habe ich die neuen Cask Orkney 18 und Wolfburn Langskip probiert. Letzterer wie eigentlich alles von dieser neuen Destillerie toll, beim Cask Orkney war ich nicht ganz so begeistert. Dazu bin ich schon zu lange Fan von Highland Park und kenne zu viele der früheren Abfüllungen. Nach einem Plausch mit einem sehr entspannten Andrea Caminneci in seiner neuen Funktion bei Schlumberger (und einer Probe des Penderyn Portwood) sowie einigen weiteren bekannten Gesichtern habe ich dann alkoholfreie Getränke und einen Spaziergang durch Köpenick allem Weiteren vorgezogen.

Wer regiert nun in Berlin? Unentschieden. Ich würde allerdings nächstes Mal Freitags nach Köpenick fahren, weil dann vermutlich weniger los ist. Und Samstags nach Tempelhof in die Malzfabrik, denn dort verläuft sich die Masse besser. Genug zu trinken gibt es bei beiden 😉

japan_quadrat Whiskyherbst vs. Whiskyfest - wer regiert in Berlin?

Jörg Bechtold

Jörg Bechtold beschäftigt sich seit Ende der 90er Jahre mit Single Malt Whisky. Auf mehreren Reisen nach Schottland hat er Land und Leute kennen gelernt sowie viele Destillerien besucht. Seit 2002 betreibt er die WHISKYFANPAGE.DE, seit 2006 dieses Blog und ist außerdem als Referent für Whisky-Tastings tätig.
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