Der Sekundärmarkt für Whisky könnte sich an einem Wendepunkt befinden. Das geht aus dem aktuellen Whiskystats Insights Report 2026 H1 hervor, der heute veröffentlicht wurde. Der Bericht mit dem Titel „Is Whisky Approaching Its Turning Point?“ liefert wichtige Daten für Sammler und Investoren und zeigt, dass die Handelswerte ihren lang anhaltenden Abwärtstrend gestoppt haben. Allerdings ist das Wachstum stark polarisiert: Während die Einstiegs- und Ultra-Premium-Segmente boomen, kämpft der Mittelfeldbereich mit Rückgängen.

Ein möglicher Wendepunkt
Nach einem deutlichen Markteinbruch im April 2026 bot das zweite Quartal einen Hoffnungsschimmer. Zum ersten Mal seit dem Marktgipfel 2022 überstieg der Handelswert im zweiten Quartal 2026 den Vorjahresvergleich und erreichte die Marke von 25 Millionen Euro. Dies deutet darauf hin, dass der anhaltende Rückgang der Preise auf dem Sekundärmarkt möglicherweise seinen Tiefpunkt erreicht hat.
Doch dieser Anstieg wird vor allem von den absoluten Spitzen des Sammlermarktes getragen. Ähnlich wie im Kunstmarkt, wo bei den New Yorker Frühlingsauktionen im Mai 2026 Rekordumsätze erzielt wurden, verzeichnete auch der Whiskymarkt neue Auktionsrekorde. Ein herausragendes Beispiel ist der Yamazaki 50-year-old Club Natsume, der für über 900.000 Euro verkauft wurde – ein neuer Rekord für japanischen Whisky.
Die „Sanduhrenwirtschaft“ im Whiskymarkt
Eine genauere Betrachtung der Handelswerte und ‑volumina im zweiten Quartal 2026 offenbart eine starke Polarisierung, die der sogenannten „Hourglass Economy“ (Sanduhrenwirtschaft) entspricht. Das stärkste Wachstum konzentriert sich auf die absoluten Extreme des Preisspektrums:
- Im Preissegment bis 100 Euro stieg die Anzahl der gehandelten Flaschen um 31 %, während der Gesamtkäuferpreis um 28 % zunahm.
- Im Preissegment 100–250 Euro gab es ein Wachstum von 17 % sowohl beim Volumen als auch beim Wert.
- Am anderen Ende der Skala verzeichnete das Ultra-Premium-Segment (ab 5.000 Euro) einen massiven Anstieg des Handelswerts um 37 % und ein Volumenwachstum von 10 %.
Im Gegensatz dazu wuchsen die mittleren Preissegmente deutlich langsamer oder sogar gar nicht. Whiskys im Bereich 250–500 Euro verzeichneten ein bescheidenes Wachstum von 4 % beim Volumen und 5 % beim Wert, während das Segment 500–1.000 Euro stagnierte. Am stärksten betroffen war das Segment 1.000–2.000 Euro, das einen Rückgang von 7 % beim Wert und 8 % beim Volumen erlebte.
Qualität bleibt entscheidend
Die Daten zeigen, dass Sammler erneut bereit sind, für Spitzenqualität einen Aufpreis zu zahlen. Im Bewertungssegment 90–95 Punkte (gemessen an den Whiskybase-Bewertungen) überstieg das Wachstum des Handelswerts regelmäßig das Wachstum des Handelsvolumens. Besonders auffällig war dies im Preissegment ab 5.000 Euro: Hier führte ein Anstieg der gehandelten Flaschen um 11 % zu einem massiven Anstieg des Gesamtkäuferpreises um 33 %.
In den mittleren Preiskategorien konzentrierten sich die Rückgänge vor allem auf die niedriger bewerteten Segmente. So waren im Preissegment 250–500 Euro die größten Verluste im Bewertungsbereich 85–86,9 Punkte zu verzeichnen, während Flaschen mit 87 oder mehr Punkten stabil blieben oder sogar wuchsen.
Rekordverdächtige japanische Raritäten und eine Realitätsprüfung für Macallan
An der absoluten Spitze des Marktes wurden im ersten Halbjahr 2026 vor allem extrem seltene japanische Whiskys zu neuen Rekordpreisen gehandelt. Neben dem bereits erwähnten Yamazaki 50-year-old Club Natsume (über 900.000 Euro) erzielten auch andere Abfüllungen beachtliche Ergebnisse:
- Yamazaki 1960 Suntory Whisky Meeting (41 Jahre, 63 % vol): 302.280 Euro bei Sotheby’s Hong Kong.
- Karuizawa 1960 52-year-old (Cask No. 5627): Ein Fassabfüllung, die ursprünglich 2013 für 12.500 Pfund angeboten wurde, erreichte bei Bonhams Hong Kong 683.770 Euro, während eine weitere Flasche nur wenige Wochen später bei Whisky Auctioneer (UK) für 260.800 Euro verkauft wurde. Dies unterstreicht die extreme Volatilität und Standortabhängigkeit von Ultra-Premium-Auktionsergebnissen.
Auch Macallan blieb an der Spitze des Marktes präsent, doch der Macallan Time:Space 1940 84-year-old erhielt eine herbe Realitätsprüfung. Bei seiner Veröffentlichung 2024 trug die Abfüllung einen stolzen Preis von etwa 175.000 Euro. Doch dieser Preis hielt auf dem Sekundärmarkt nicht stand. Nach fünf gescheiterten Verkaufsversuchen in den letzten zwei Jahren wurde die Flasche schließlich bei Sotheby’s Hong Kong für 111.320 Euro verkauft – ein deutlicher Abschlag zum ursprünglichen Verkaufspreis.
Die meistgehandelten Whiskys im ersten Halbjahr 2026
Die meistgehandelten Whiskys nach Volumen waren vor allem Abfüllungen von Springbank und Macallan. Springbanks Kernabfüllungen bleiben das Rückgrat der täglichen Auktionsaktivität, wobei der Springbank 15-year-old und der Springbank 10-year-old die ersten beiden Plätze belegten. Macallans Präsenz in den meistgehandelten Rängen wurde vor allem durch die Harmony Collection getrieben, insbesondere Rich Cacao und Intense Arabica.
Weitere häufig gehandelte Whiskys waren:
- Hibiki 21-year-old
- Lagavulin 16-year-old
- Ardbeg For Discussion 8‑year-old
Fazit
Der Whiskymarkt zeigt Anzeichen einer Stabilisierung, doch die Polarisierung zwischen den Preissegmenten bleibt bestehen. Während die Nachfrage nach Spitzenqualität und extrem seltenen Abfüllungen ungebrochen ist, kämpft der Mittelfeldbereich mit Rückgängen. Sammler sind zunehmend diszipliniert und zahlen nur dann Premiumpreise, wenn die Qualität stimmt.
Quelle: Whiskystats Insights Report 2026 H1

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