Wer in den letzten Jahren Whisky als Spekulationsobjekt gekauft hat, muss gerade tief durchatmen. Eine neue Auswertung der Auktionsdatenbank DramX, die die veröffentlichten Ergebnisse von 30 Whisky-Auktionshäusern mit insgesamt 4,8 Millionen verkauften Losen bündelt, zeichnet ein sehr klares Bild: Eine Flasche, die 2016 £100 wert war, brachte 2022 auf dem Höhepunkt des Booms £148 – und heute nur noch £124. Das sind 16 Prozent unter dem Peak, und exakt das Preisniveau von 2019/20. Die Hälfte der Gewinne seit 2016 ist in nur drei Jahren wieder verpufft.
Und es trifft nicht jeden gleich. Drei Viertel aller Flaschen sind heute weniger wert als vor drei Jahren, die typische Flasche hat 17,8 Prozent verloren. Ein Viertel sogar mehr als ein Drittel ihres Werts.

Der Absturz traf die limitierten Editionen
Die Verluste verteilen sich höchst ungleichmäßig – und das ist die eigentliche Story. Wenn Ihr eine Limited Edition gekauft habt, weil sie knapp war und nicht, weil Ihr sie öffnen wolltet, hat es Euch erwischt:
- Macallan Harmony Rich Cacao: £312 (2022) → £80 (heute)
- Macallan Archival Folio 5: £1.931 → £622
- Springbank Local Barley: £431 → £194
- GlenAllachie Billy Walker 50th Future: £145 → £71
- Ardbeg Fermutation: −48 %, Ardbeg Scorch: −46 %
Der Whisky, den Menschen tatsächlich trinken, hat seinen Preis gehalten. Und zwar nicht, weil er billig wäre: Ein GlenDronach Allardice 18 liegt mit £148 sogar 15 % über 2022, Balvenie DoubleWood 17 und Caol Ila 18 jeweils +8 %, Talisker 18 +7 %. Selbst Johnnie Walker Blue Label steht unverändert bei £110–111. Die Moral von der Geschichte: Flaschen zum Öffnen sind eine andere Anlageklasse als Flaschen zum Wegschließen.
Der Markt ist nicht geschrumpft – er ist riesig
Dramatisch ist nur die Preisstory, nicht die Mengenstory. Die verkauften Lose sind seit 2014 jedes einzelne Jahr gestiegen: von 78.160 auf 616.496 im Jahr 2025 – fast achtmal so viele. Der Durchschnittspreis pro Los erreichte 2022 mit £363 seinen Höhepunkt und liegt heute bei £224. Der Markt ist also weit größer als je zuvor, nur eben deutlich unter seiner Blow-off-Spitze von 2022.
Die Millionenschlagzeilen sind die absolute Ausnahme. Die typische Flasche erzielt £95, mehr als ein Viertel aller Lose geht für unter £50 über den Tisch, 73 % unter £200. Umgekehrt stammen 4,8 % der Lose (über £1.000) für rund die Hälfte des gesamten Umsatzes von £1,28 Mrd. – die record-breakenden Macallans, über die alle berichten, sind das haarfeine obere Ende eines Marktes, der für fast alle Beteiligten erschwinglich ist.

Japanischer Whisky fällt am stärksten
Wer am schnellsten stieg, fällt am tiefsten. Japanischer Whisky hat seit dem 2022er Peak 55 Prozent an Gesamtwert verloren (Scotch: −41 %). Die Durchschnittsflasche aus Japan sank von £835 auf £370 – bei sogar leicht steigender Stückzahl. Karuizawa und Chichibu, die Magneten des Booms, haben am meisten zurückgegeben.
Zwei Lektionen für Sammler und Verkäufer
Erstens: Die Preise fallen, die Gebühren nicht. Der durchschnittliche Käuferanteil (Buyer’s Fee) ist von 9,8 % des Hammerpreises im Jahr 2014 auf 14,2 % heute geklettert – ein größerer Anteil an einem kleineren Preis.
Zweitens: Es gibt keinen besten Verkaufsmonat. Flasche für Flasche verglichen liegt der Preis in elf von zwölf Monaten innerhalb von ±3 % des Jahresschnitts; nur Dezember liegt mit −6 % darunter. Dass im November im Schnitt 10 % mehr Geld über den Tisch geht, liegt einfach an teureren Flaschen, die vor Weihnachten angeboten werden – nicht daran, dass Eure plötzlich mehr wert ist.
Fazit
„Alle zitieren den Macallan für eine Million Pfund. Derweil ist die Flasche in Eurem Schrank so viel wert wie 2019. Beides stimmt – und nur eines davon gehört Euch.“ (DramX)
Für uns Genießer ist die Korrektur ehrlich gesagt eine gute Nachricht: Whisky zum Trinken ist stabil, der Hype um limitierte Editionen wird gerade wieder auf das Maß seines Inhalts zurückgestutzt. Und wer schon immer eine bestimmte Abfüllung haben wollte, die 2022 unbezahlbar war – jetzt ist ein besseres Fenster offen, als es in den letzten vier Jahren der Fall war.
Quelle: DramX.co.uk, 4,8 Millionen Auktionsergebnisse (Stand September 2026)

0 Kommentare zu “Die Whisky-Preise sind zurück auf dem Stand von 2019/20 – und der Auktionsmarkt ist trotzdem größer denn je”