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Kilchoman German Tour Oktober 2012 – Whiskies, Music, Pies

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Alba Import und Whis­ky & Dreams machen es mög­lich: Antho­ny Wills, das Mas­ter Brain der Kilcho­man Distil­le­ry, in Epperts­hau­sen per­sön­lich ken­nen zu lernen.

Sei­nen glück­lichs­ten Moment erleb­te Antho­ny Wills im Dezem­ber 2004 als zum ers­ten Mal der Gers­ten­brand aus der Brenn­bla­se floss. End­lich hat­te er sei­nen Traum von einer eige­nen Distil­le­ry auf der Rocks­ide Farm ver­wirk­licht: Kilcho­man. Auf der Hebri­den­in­sel Islay bau­te der eng­li­sche Wein- und Whis­ky­händ­ler die ers­te Distil­le­ry seit 124 Jahren.

Die För­de­rung der schot­ti­schen Whis­ky-Kul­tur ist René Arm von Whis­ky & Dreams ein gro­ßes Anlie­gen. Dem pas­sio­nier­ten Bruichlad­dich-Whis­ky-Samm­ler gelang es, die Kilcho­man Ger­man Tour nach Epperts­hau­sen zu locken: „Vom 5900-Ein­woh­ner-Ort geht es hin­aus über Stutt­gart in die Mil­lio­nen­stadt Mün­chen“ begrüß­te er stolz die zahl­reich erschie­ne­nen Whis­ky-Enthu­si­as­ten. Sie kamen aus der Regi­on, aus der Fer­ne und woll­ten den Grün­der der Farm Distil­le­ry sowie sei­ne Pro­duk­te per­sön­lich ken­nen­ler­nen. Vie­le bekann­te Gesich­ter waren in der Run­de, dar­un­ter Julia Nour­ney oder der Whis­ky­Koch Chris Pepper.

Der fri­sche Gers­ten­brand, in Schott­land „new make“ genannt, über­rasch­te sie mit sei­ner Rein­heit, den flo­ra­len und fruch­ti­gen Noten. Leicht süß auf der Zun­ge ent­wi­ckel­te sich sei­ne Mil­de mit dem typi­schen Islay Rauch­aro­ma. Ste­chen­de Alko­hol- und Rauch­aro­men fehl­ten gänz­lich, Brand­no­ten waren kei­ne zu spü­ren. Antho­ny kam ins Schwär­men, sei­nem Men­tor, dem Whis­ky Guru Dr. James Swan, sei es gelun­gen eine Destil­la­ti­ons­an­la­ge zu pla­nen, die einen wun­der­bar fei­nen New Make mit beson­de­ren Eigen­schaf­ten destil­lie­re. „Unser Whis­ky reift schnell in ame­ri­ka­ni­schen Bour­bon-Fäs­sern,“ erklär­te Antho­ny. „Wir wäh­len jetzt grund­sätz­lich Fäs­ser von der renom­mier­ten Buf­fa­lo Trace Distil­le­ry in Ken­tu­cky, denn die­sen füh­le sich sein bar­ley spi­rit sehr wohl.“

Von der Rei­fe­wir­kung eines Eichen­holz­fas­ses konn­ten sich Augen, Nasen und Zun­gen über­zeu­gen. Stolz prä­sen­tier­te Kilcho­mans Mana­ging Direc­tor die zwei­te Auf­la­ge des 100% Islay Sin­gle Malt mit einer Alko­hol­stär­ke von 50 % vol. Das jun­ge Alter war in der Nase nicht zu spü­ren, kein ste­chen­der Alko­hol, statt­des­sen umschmei­chel­ten fri­sche Zitrus- und Honigaro­men gepaart mit inten­si­ven Anklän­gen an rei­fe Bir­nen die Sin­ne. Prä­gend waren hier die Ver­mäh­lung von drei­jäh­ri­gen und fünf­jäh­ri­gen Whis­kies. „Das ist ein Super-Whis­ky, zum ers­ten Male habe ich einen Kilcho­man im Gla­se, die­se sen­so­ri­sche Fines­se hat­te ich von einem jun­gen Whis­ky so nicht erwar­tet,“ lob­te der Epperts­hau­se­ner Bür­ger­meis­ter Cars­ten Helfmann.

Es ist der ein­zi­ge schot­ti­sche Whis­ky, des­sen Pro­duk­ti­on nach der tra­di­tio­nel­len Metho­de her­ge­stellt wird. Die Gers­te wird auf den die Distil­le­ry umge­ben­den Fel­dern ange­baut, in der eige­nen Ten­ne gemälzt und in der Dar­re mit Torf­rauch getrock­net, am Ort direkt wei­ter­ver­ar­bei­tet so wie es frü­her in Schott­land üblich war. Destil­liert wird das ober­gä­ri­ge Bier in den wohl kleins­ten kup­fer­nen Brenn­bla­sen Schott­lands. Die Abfül­lung in Fla­schen nach min­des­tens drei Jah­ren Lager­zeit erfolgt eben­falls auf dem Hofe. „Wir neh­men rei­nes Quell­was­ser zur Ver­dün­nung, belas­sen die natür­li­che Far­be und kühl­fil­trie­ren nicht. Es ist eben ein Naturprodukt.“

Schott­lands melan­cho­li­sche Melo­dien der Epperts­hau­se­ner Band Say­ten­sprung erreich­ten die Ohren, wäh­rend schot­ti­sche Lachs- und Fleisch­pas­te­ten der Aschaf­fen­bur­ger Dead End Bar eine genüss­li­che und wohl­schme­cken­de Grund­la­ge für die sie­ben Whis­ky­pro­ben schufen.

 

Corin­na Schwarz und Diet­mar Schulz von Alba Import Deutsch­land hat­ten die sen­so­ri­schen Fer­tig­kei­ten her­aus­for­dern­de Tas­ting-Orgel auf­ge­baut. Sie prä­sen­tier­ten Spi­rit sam­ples aus den jewei­li­gen Destil­la­ti­ons­stu­fen: low wines, Vor­lauf, Mit­tel­stück und Nach­lauf sowie Tei­le davon. Hier wur­de ger­ne gespielt und die Nasen­fä­hig­kei­ten mehr als stra­pa­ziert. Ein gelun­ge­ner und span­nen­der Ein­fall, der zu inten­si­ven Dis­kus­sio­nen Anlass gab.

Kein Wun­der, dass Antho­ny Wills mit sei­nen sie­ben Islay-Whis­kies nicht nur die zahl­rei­chen Gäs­te über­zeug­te. Seit der Vor­stel­lung des ers­ten Kilcho­man Sin­gle Mal­ts im Sep­tem­ber 2009 wer­den ihm sei­ne Pro­duk­te förm­lich aus der Hand geris­sen. Mitt­ler­wei­le zäh­len ins­be­son­de­re die Cask Strength oder Sherr­ry-Abfül­lun­gen zu den begehr­ten Samm­ler­stü­cken. Sie brau­chen sich nicht vor den gro­ßen Islay Distil­le­ries wie Ard­beg, Bow­mo­re oder Laphro­aig zu verstecken.

So war die ers­te Kilcho­man Club Abfül­lung inner­halb von Minu­ten aus­ver­kauft. Ärger und Ent­täu­schung waren rie­sen­groß, denn vie­le gin­gen lei­der leer aus. „Mein Sohn Peter und ich haben dar­aus gelernt und wer­den dies in der Zukunft bes­ser machen,“ ver­sprach Antho­ny Wills.

Mehr Infor­ma­tio­nen über die Kilcho­man Distil­le­ry gibt es unter The Gate­way to Distil­le­ries.

The Gate­way to Distil­le­ry Tas­ting Notes aus dem Irland Jour­nal, 3–2012:

Kilcho­man 100% Islay Second Edi­ti­on, 50 % vol.

  • Aro­ma: alko­ho­lisch, leicht ste­chend, weni­ger Rauch­aro­men als die ers­te Aus­ga­be, frisch, Zitrus, Anklän­ge an Wil­liams Christ Bir­ne, Gers­te-Noten, etwas Honig. Mit Was­ser ein sehr har­mo­ni­sches Bild, Nase, Zun­ge und Gau­men, erfreu­en sich an der Fruch­tig­keit, wird fri­scher und süßer, ein­fach komplexer
  • Geschmack: anfäng­lich ölig, etwas süß, dann leich­te Rauch­no­ten, wür­zig und etwas pfeff­rig, ein flüs­si­ger Früchtekorb
  • Nach­klang: Frucht­no­ten, Vanil­le- und Holz­tö­ne, lang anhal­tend im gesam­ten Mund­raum, außer­ge­wöhn­lich für einen drei­jäh­ri­gen Whis­ky, ein emo­tio­na­ler Höhepunkt
  • Info: Als Sin­gle Malt Malt wur­de die First Edi­ti­on am 16. Juni 2011 im neu­en –lei­der schwe­re­ren – Fla­schen­de­sign in Kilcho­man vor­ge­stellt. Die Roh­stof­fe Gers­te, eige­nes Floor-Malz (20–25ppm) und Was­ser kamen aus­schließ­lich von Islay, der Whis­ky reif­te in first-fill und refill-Bour­bon Fäs­sern der Buf­fa­lo Trace Distil­le­ry auf Islay, was sich sehr posi­tiv auf sei­ne Qua­li­tät aus­wirk­te. Sie wur­den auf der Rocks­ide Farm limi­tiert abge­füllt. Eine Spe­cial Edi­ti­on der Erst­aus­ga­be von 1060 Fla­schen in Fass-Stär­ke mit 61,3 % vol., abge­packt in einer hand­ge­fer­tig­ten Box aus Ame­ri­can Oak, ist heu­te ein Samm­ler­ob­jekt (nicht kühl­ge­fil­tert und nicht gefärbt) und. Die zwei­te Edi­ti­on mit Islay-Quell­was­ser auf eine Stär­ke von 50 % vol. redu­ziert wird Anfang Sep­tem­ber 2012 in einer neu­en gel­ben Ver­pa­ckung als ein vat­ting aus 50% drei­jäh­ri­gen und 50 % vier­jäh­ri­gen Whis­kies, die in Buf­fa­lo-Trace-Bour­bon-Fäs­sern reif­ten, erschei­nen. Er über­rascht mit einem sehr ange­neh­men weni­ger phe­n­o­li­schen aber dafür sehr fruch­ti­gen Aro­men-Bün­del und erin­nert an einen sehr guten Obst­ler. Sehr gelungen!
  • Preis: ca. 75,- Euro

Ernst J. Scheiner ist der Herausgeber des Portals The Gateway to Distilleries und hat über 140 Destillerien fotografisch von innen dokumentiert sowie ihre Produktion beschrieben. Seit seinem Studium an der University of Edinburgh befasst er sich mit Whisky und publiziert in englisch- und deutschsprachigen Blogs sowie Magazinen über schottische und irische Destillerien. Als Whisk(e)y-Botschafter führt er Tasting-Kollegs und Studienreisen für Einrichtungen der Erwachsenenbildung sowie für das EBZ Irland durch.