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Limburg Whisky Fair 2013 – Vielfalt, Chaos, Freude, Qualität

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Glenfarclas TastingErwar­tungs­voll begann der Mara­thon für 120 Gäs­te mit einem Glen­far­clas Tas­ting bereits am Frei­tag­abend. Sie kamen aus Kana­da, Litau­en, Nor­we­gen, Schwe­den, USA…und selbst­ver­ständ­lich aus Deutsch­land. Geor­ge Grant, Direc­tor of Sales der Spey­si­de Distil­le­ry in Ball­indaloch, prä­sen­tier­te Fas­sa­b­fül­lun­gen aus den Jah­ren 1976, 1972, 1968, 1965, 1956 und 1955. Sie reif­ten in ent­we­der in Olo­ro­so- oder Pedro Xime­nez-Butts (500 l) oder Hogs­heads (250 l).

George GrantEin Trop­fen die­ser flüs­si­gen Dia­man­ten genüg­te. Im Mund­raum fei­er­ten die Aro­men ein Weih­nachts­fest, sie erin­ner­ten an einen schot­ti­schen Christ­mas Cake mit Rosi­nen, Oran­gen, Fei­gen, Zitrus. Vanil­le und Holz umspül­ten hef­tig Zun­ge und Gau­men. Eine wah­re Sherry–Bombe war der 1965er Glen­far­clas aus einem Hoghs­head, in dem vor­her der zucker­sü­ße Likör­wein Pedro Xime­nez in Anda­lu­si­ens Jerez de la Fron­te­ra reif­te (500g Zucker/Liter). Mit sei­nen 52 vol. % zeig­te sich der Spey­si­der sehr dun­kel an Maha­go­ni erin­nernd mit einer wun­der­ba­ren Sher­ry-Süße, sehr geschmei­dig und weich mit einem fet­ten PX-Ton. Eine ful­mi­nan­te Sher­ry-Bom­be, die ganz allei­ne den gan­zen Abend Nase und Mund mit Aro­men und Geschmä­ckern umschwärmt hät­te. Zu schnell und zu oft muss­ten sich Nase und Zun­ge auf neue Aro­men und Geschmä­cker ein­stel­len. Scha­de. Mehr Zeit wäre wün­schens­wert gewesen.

Bilder von Ian GrayGeor­ge Grant hat­te sich bes­tens auf das Tas­ting ein­ge­stellt, die Loca­ti­on war präch­tig deko­riert. Ian Grays Acryl-Bil­der gaben dem sach­lich nüch­ter­nen Tas­ting-Raum Farb­tup­fer und erin­ner­ten an das fer­ne Schott­land mit sei­nen mys­ti­schen Land­schaf­ten und Bren­ne­rei­en. Das baby­lo­ni­sche Spra­chen­ge­wirr trüb­te aller­dings die Ver­kos­tung und die Aus­füh­run­gen Geor­ge Grants. Das unge­bühr­li­che Ver­hal­ten vie­ler Gäs­te, den Refe­ren­ten ein­fach zu igno­rie­ren schmä­ler­te das Erleb­nis. „Ich bin scho­ckiert,“ wer­tet Glen­far­clas-Samm­ler Ste­fan F. die­se Unhöf­lich­keit, „so etwas habe ich sel­ten erlebt, das macht man nicht, denn wenn jemand wie Geor­ge spricht, dann hört man zu!“ Povilas S. aus dem litaui­schen Vil­ni­us war schlicht­weg ent­täuscht. Weit ange­reist hat­te er sich mehr Infor­ma­tio­nen erhofft.

Grill-Rauch und Gegrill­tes wett­ei­fer­ten spä­ter mit Aro­men der dunk­len Früch­te in den Pro­ben und ver­dar­ben so die nach­hal­ti­ge Freu­de an den Aus­nah­me-Whis­kies der Glen­far­clas Distillery.

Volle Hallen in LimburgAm Sams­tag bil­den sich bereits früh die bekann­ten Schlan­gen, die durch eine Vor­ver­kaufs­schlan­ge etwas ent­las­tet wur­de. Chao­tisch drück­ten die dem Bri­ti­schen Schlan­ge­ste­hen Ent­wöhn­ten in den Ein­gangs­be­reich. Kaum drin­nen, die gro­ße Ernüch­te­rung, wie­der Schlan­gen über meh­re­re Stock­wer­ke zu den begehr­ten Tas­ting-Kar­ten. Für vie­le Anste­hen­den kam dann schließ­lich die Ent­täu­schung, wenn es hieß: „Aus­ver­kauft!“ Solch eine Zeit­ver­schwen­dung muss nicht sein, wozu gibt es elek­tro­ni­sche Buchungs­sys­te­me, dach­te sich so man­cher Besu­cher. Man­gel­haf­te Orga­ni­sa­ti­on, hier ist ein Nach­den­ken erfor­der­lich. Immer­hin es gab auch freie Tas­tings und Vor­trä­ge mit ein­füh­ren­dem Cha­rak­ter. Ein erst­klas­si­ger Genuss war auf jeden Fall Pad­dys kurz­wei­li­ges Kon­zert, es beru­hig­te und ent­spann­te: Whis­ky and Women.

Drin­nen in der gro­ßen Hal­le ein Geschie­be und Gedrän­ge. Die Tri­bü­ne bis auf die letz­ten Plät­ze gefüllt, man such­te Ruhe, denn der Regen und die küh­len Tem­pe­ra­tu­ren zwan­gen zum Ver­wei­len im Tru­bel. Den­noch, der Umgang war freund­lich und angenehm.

Serge Valentin„Für uns war der Sams­tag einer der bes­ten Umsatz­ta­ge der letz­ten Jah­re,“ freu­te sich André M. Selbst­ver­ständ­lich war Lim­burg ein Stell­dich­ein der Bigheads: Alex Bruce, Ashok Cho­ka­ling­ham Ant­o­ny McCal­lum-Caron, Charles MacLean, Jan Beckers, Chris Pep­per, Iain Scott, Alis­ta­ir Hart, Grant Macph­er­son, Robin Laing, Char­lie Smith, Alis­ta­ir Wal­ker. Die Exo­ten Ichi­ro Aku­to von der japa­ni­schen Chi­chi­bu Bren­ne­rei, Jas­min Hai­der von Rog­gen­reith, Hans Keme­na­ter von Slyrs, Jean Don­nay von Glan Ar Mor und David Rous­sier von Amo­rik. Doug Cle­ment von der zukünf­ti­gen Low­land Distil­le­ry King­s­barns berich­te­te enthu­si­as­tisch über den Stand des Baus der neu­en Bren­ne­rei in der Nähe von St Andrews. Malt Maniac Ser­ge Valen­tin war eben­so unter den Besu­chern wie der Her­aus­ge­ber des Malt Whis­ky Year­books Ing­var Ron­de. Alle brach­ten sie etwas Flair in die nüch­ter­ne und schmuck­lo­se Pro­ben-Hal­le. Abseits auch ein Zelt in dem es unter Whis­kies und Rums einen vor­züg­li­chen Mez­cal – Aga­ven­de­stil­lat – aus zu ver­kos­ten gab.

Der Sonn­tag ist auf jeden Fall für einen Besuch vor­zu­zie­hen, denn die Hor­den erho­len sich bereits von ihren sams­täg­li­chen Strapazen.

Zwei Limburg Whisky Fair Entdeckungen aus Islay:

The HydraDie Whis­ky­ta­les leg­ten mit ihrer Edi­ti­on „Hebri­de­an – The Hydra“ einen Islay Vat­ted Malt vor, der 16 Jah­re in einem Bour­bon reif­te. In der natür­li­chen Fass­stär­ke mit 57,5% Vol. wur­den nur 180 Fla­schen abge­füllt. Das Vat­ting mit Mal­ts von Ard­beg, Bow­mo­re und Lag­a­vu­lin erfreut jeden Islay-Lieb­ha­ber mit sei­ner ange­neh­men Rau­chig­keit, die weder an Teer noch an Gum­mi erin­nert, eine wun­der­ba­re öli­ge Süße mit einer leich­ten Wür­zig­keit und schmei­cheln­den Sam­tig­keit fül­len lang anhal­tend Zun­ge und Gau­men. Der star­ke Alko­hol ist sehr gut ein­ge­bun­den und domi­niert nicht. Selbst­ver­ständ­lich ist THE HYDRA nicht kühl­fil­triert und nicht gefärbt. Preis: Euro 75,00. Bezug: www.whiskytales.de

Islay TimeAlba-Import über­rasch­te mit einem eige­nen Blen­ded Scotch Whis­ky ISLAY TIME, abge­füllt mit 40 vol. %. Mit einem hohen Malt-Anteil aus einer zen­tra­len Islay Distil­le­ry sowie einer Bren­ne­rei aus dem süd­li­chen Teil der Hebri­den­in­sel. Der Blend ist rau­chig mit mari­ti­men Noten, frisch mit leich­tem Zitrus, anfäng­lich leicht süß und dann mal­zig mit ange­neh­men Rauch. Auf­grund des hohen Malt-Anteils tritt der Grain-Anteil nicht in den Vor­der­grund, macht aber den­noch den gefärb­ten Blend aus jun­gen Mal­ts weich und leicht fruch­tig. Corin­na Schwarz und Diet­mar Schulz prä­sen­tier­ten mit die­sem Whis­ky unter 20,- Euro ein Nase und Zun­ge über­zeu­gen­des Schnäpp­chen, das mehr als beein­druckt. Geschaf­fen hat die­sen „süf­fi­gen“ Blend Donald Hart von Mea­dowsi­de Blen­ding Co. Das Batch 1 besteht nur aus 2100 Fla­schen. Bezug nur über den Fach­han­del. Impor­teur: www.alba-import.de

Alle Fotos Copy­right Ernst J. Schei­ner. Alle Rech­te vorbehalten.


Ernst J. Scheiner ist der Herausgeber des Portals The Gateway to Distilleries und hat über 140 Destillerien fotografisch von innen dokumentiert sowie ihre Produktion beschrieben. Seit seinem Studium an der University of Edinburgh befasst er sich mit Whisky und publiziert in englisch- und deutschsprachigen Blogs sowie Magazinen über schottische und irische Destillerien. Als Whisk(e)y-Botschafter führt er Tasting-Kollegs und Studienreisen für Einrichtungen der Erwachsenenbildung sowie für das EBZ Irland durch.