Sonstiges

Mal was ganz anderes: Urheberrecht


Aus gege­be­nem Anlass möch­te ich mal ein ganz ande­res The­ma anspre­chen, das ziem­lich wich­tig ist, wenn man sich im Inter­net bewegt und Inhal­te dort publi­ziert oder auch nur wei­ter­ver­brei­tet, zum Bei­spiel in sozia­len Netz­wer­ken: Das Urhe­ber­recht.

Im kon­kre­ten Fall hat ein Anbie­ter aus der Schweiz die Inhal­te diver­ser Whis­ky-Blogs (dar­un­ter auch mei­nes) über die RSS-Feeds aus­ge­le­sen und in sein eige­nes Blog impor­tiert. Über das Gan­ze hat er ein eige­nes Logo mit nament­li­cher Nen­nung sei­ner kom­mer­zi­el­len Sei­te gestellt. Er hat zwar die Copy­rights aus den Feeds nicht ent­fernt und auch die Namen der Autoren wur­den aus­ge­ge­ben, aber trotz­dem sah es letzt­end­lich so aus, als wären wir qua­si Autoren für sei­nen Blog.

Auf Nach­fra­ge wur­den die Inhal­te dann gelöscht und ver­si­chert, dass alles nur in bes­ter Absicht zur Wer­bung für die Quel­len gemacht wur­de. Und wir wür­den ja nun mal die RSS-Feeds anbie­ten. Ganz schön naiv. War­um? Darum:

1. Ein RSS-Feed berechtigt nicht zum Klauen

Ein RSS-Feed ist nur ein ande­res Medi­um, um die Inhal­te des Blogs lesen zu kön­nen, ähn­lich wie z.B. ein News­let­ter. Auch wenn man ihn tech­nisch gese­hen über­all ein­bin­den kann, so blei­ben die Nut­zungs­rech­te für den Inhal­te trotz­dem beim Urhe­ber. Wenn ein Auto mit offe­nen Türen und Schlüs­sel im Zünd­schloss auf der Stra­ße steht darf man ja auch nicht ein­fach damit weg­fah­ren. Und dass man Inhal­te nicht aus einem Blog kopie­ren und irgend­wo anders ein­bin­den darf ver­steht ja auch jeder. Was soll dann beim RSS-Feed anders sein?

2. Nicht jede Werbung ist gute Werbung

Ein Link ist Wer­bung. Ein kopier­tes Zitat ist Wer­bung. Die Inhal­te kom­plett auf einer ande­ren Sei­te ein­zu­bin­den ist kei­ne Wer­bung. Von nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf die Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung mal ganz abge­se­hen. Stellt Euch mal vor, Ihr wür­det den RSS-Feed von Spie­gel Online in ein Blog impor­tie­ren, so dass man die kom­plet­te Sei­te bei Euch lesen kann. Ich glau­be eher nicht, dass sich ein Rich­ter auf die Argu­men­ta­ti­on ein­las­sen wür­de, das sei ja nur Wer­bung. Im Deut­schen Recht gibt es den Begriff des „sich zu eigen machens“. Spä­tes­tens, wenn man ein eige­nes Logo über frem­de Inhal­te stellt, macht man sich die­se Inhal­te zu eigen. Und das hat Kon­se­quen­zen, an die viel­leicht zuerst mal kei­ner denkt, näm­lich die …

3. Verletzung der Rechte Dritter

Wenn ich in einem Arti­kel ein Foto ver­wen­de habe ich die Rech­te dar­an ent­we­der selbst, oder die Rech­te erwor­ben oder sie mit jeman­dem abge­klärt. Oder ich war selbst der Böse und habe eine Urhe­ber­rechts­ver­let­zung began­gen. Wenn ich z.B. über Whis­ky-Ange­bo­te bei den Dis­coun­tern berich­te bleibt mir wenig ande­res übrig, als Fotos von deren Web­site zu ver­wen­den oder einen Pro­spekt zu scan­nen. Und das ist eigent­lich eine Urhe­ber­rechts­ver­let­zung, gegen die in die­sem Fal­le aber ver­mut­lich nie­mand etwas hat. Das Risi­ko tra­ge ich. Wer die­sen Arti­kel dann aber kopiert begeht in jedem Fall auch eine Urhe­ber­rechts­ver­let­zung – ent­we­der gegen­über mir oder gegen­über ande­ren. Bei Fotos von Bild­agen­tu­ren kann das extrem teu­er wer­den! Vor Kur­zem hat­te ein Gericht zum Bei­spiel geur­teilt, dass schon ein Pre­view-Bild für einen Link in einem Face­book-Bei­trag eine Urhe­ber­rechts­ver­let­zung sein kann.

Ich freue mich über jeden Link auf mei­nen Blog. Ihr dürft ger­ne auch aus Arti­keln zitie­ren und zur Quel­le ver­lin­ken. Aber kopiert aus den oben genann­ten Grün­den kei­ne Bil­der und schon gar nicht kom­plet­te Arti­kel. Und im Zwei­fels­fall scha­det es nie, mich vor­her ein­fach mal zu fra­gen. Ich freue mich immer, mit ande­ren Whis­ky-Fans in Kon­takt zu kom­men. Und viel­leicht ergibt sich dann ja auch die Gele­gen­heit für einen Backlink, einen Bericht über eure Sei­te oder was auch immer.


Jörg Bechtold beschäftigt sich seit Ende der 90er Jahre mit Single Malt Whisky. Auf mehreren Reisen nach Schottland hat er Land und Leute kennengelernt sowie viele Destillerien besucht. 2002 hatte er die WHISKYFANPAGE.DE begründet, seit 2006 schreibt er dieses Blog und ist außerdem als Referent für Whisky-Tastings tätig.