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Ein Herz für Outlander – Teil 1: Die Bücher


Out­lan­der ist eine ame­ri­ka­ni­sche Fern­seh­se­rie, die auf den Büchern der Autorin Dia­na Gabal­don basiert. Die Hand­lung spielt haupt­säch­lich im Schott­land des 18. Jahr­hun­derts. Die raue Natur, die eigen­sin­ni­gen Schot­ten und jede Men­ge Whis­ky spie­len in die­ser Geschich­te eine gro­ße Rol­le, daher gehört in die­sen Blog unbe­dingt ein Arti­kel über die­se Serie. Katha­ri­na Löff­ler ist durch die Out­lan­der Roma­ne zur Whis­ky-Lieb­ha­be­rin gewor­den. Wie sie auf die Bücher gekom­men ist, war­um sie ihr gefal­len und was sie von der Fern­seh­se­rie hält, ver­rät sie hier.

Ja, es ist soweit – Jamie und Clai­re haben es ins deut­sche Fern­se­hen geschafft. Am 20. Mai strahl­te VOX die ers­te Dop­pel­fol­ge der vom Sony Kon­zern ver­film­ten Serie aus. Für mich bedeu­tet dies zunächst zwei Din­ge, nämlich

  1. Mein Buch­ge­schmack ist durch­aus mas­sen­taug­lich (ob das gut oder schlecht ist, ist egal, es ist eben so) und
  2. Es kann ver­dammt lan­ge dau­ern, bis guter Stoff ver­filmt wird (hier stellt sich sofort die Fra­ge, ob es gut für guten Stoff ist, ver­filmt zu wer­den. Mei­ne Mei­nung hier­zu später).

Dia­na Gabal­don fing genau am 6. März 1988 an, ihren ers­ten Roman zu schrei­ben, ohne die Absicht, die­sen jemals zu ver­öf­fent­li­chen (was 1991 geschah). Sie woll­te ledig­lich wis­sen, wie es sich anfühlt, ein Buch zu schrei­ben. Nach­dem sie nun bereits am neun­ten Band arbei­tet (jeder Out­lan­der Band ist um die 1.000 Sei­ten lang, pro Buch schreibt sie drei bis vier Jah­re!), weiß sie dies ver­mut­lich ziem­lich genau. Dass sie mitt­ler­wei­le unter ande­rem noch einen kom­plett sepa­ra­ten Seri­en­strang über einen der Cha­rak­te­re aus Out­lan­der geschrie­ben hat, sei hier nur am Ran­de erwähnt.

Fazit 1: Wer sich auf die­se Bücher ein­lässt, darf sich auf den Beginn einer lan­gen, wun­der­ba­ren Freund­schaft freuen!

Wie ich auf die Bücher gekommen bin

Ich habe den ers­ten Band, der auf deutsch „Feu­er und Stein“ heißt, cir­ca 1996 ganz zufäl­lig als Taschen­buch in einer Karls­ru­her Buch­hand­lung ent­deckt, die es heu­te gar nicht mehr gibt. Da ich ein Fai­ble für his­to­ri­sche Roma­ne habe, hat mich die kur­ze Zusam­men­fas­sung auf der Rück­sei­te leicht über­zeugt. Eine eng­li­sche Armee-Kran­ken­schwes­ter (Clai­re), die es nach dem zwei­ten Welt­krieg, wäh­rend ihrer zwei­ten Flit­ter­wo­chen in Inver­ness (die ers­ten wur­den durch Aus­bruch des Krie­ges abge­bro­chen), durch einen Stein­kreis ins Schott­land des Jah­res 1743 ver­schlägt, wo sie nicht nur unmit­tel­bar in den Kon­flikt zwi­schen Eng­län­dern und Schot­ten gerät, son­dern dabei auch auf den rot­haa­ri­gen Bil­der­buch­schot­ten Jamie trifft, an den sie im Lau­fe des Buches zunächst zöger­lich, schließ­lich jedoch end­gül­tig ihr Herz ver­liert – das war genau nach mei­nem Geschmack. Wer jetzt Beden­ken bekommt, es hand­le sich hier um puren Kitsch, der möge bit­te wei­ter­le­sen und mir die Chan­ce geben, die­se Beden­ken zu zer­streu­en. Dem ist näm­lich ganz und gar nicht so.

Warum mir diese Bücher gefallen

Natur­wis­sen­schaft­le­rin mit Erzählbegabung

Dia­na Gabal­don ist pro­mo­vier­te Mee­res­bio­lo­gin, Zoo­lo­gin und quan­ti­ta­ti­ve Ver­hal­tens­for­sche­rin (Quan­ti­ta­ti­ve Beha­vio­ral Eco­lo­gy) und hat zwölf Jah­re als Pro­fes­so­rin an einer ame­ri­ka­ni­schen Uni­ver­si­tät gelehrt. Das hat nichts mit der Hand­lung von Out­lan­der zu tun, mit der Fähig­keit der Autorin, detail­liert und akri­bisch zu recher­chie­ren und Din­ge sehr genau zu beschrei­ben, jedoch sehr wohl. Und genau die­ser Fähig­keit ver­dan­ken Dia­na Gabal­dons Bücher ihre magi­sche Authen­ti­zi­tät. In Kom­bi­na­ti­on mit ihrem ange­bo­re­nen Erzähl­ta­lent, sind so Roma­ne ent­stan­den, die mitt­ler­wei­le über 25 Mil­lio­nen Men­schen welt­weit in ihren Bann zie­hen und es nun sogar ins deut­sche Fern­se­hen geschafft haben.

Fazit 2: Wenn Wis­sen­schaft­ler Geschich­ten erzäh­len, kann es rich­tig gut werden!

Fas­zi­na­ti­on Kulturgeschichte

Dass die Hand­lung in Schott­land spielt und die männ­li­che Haupt­rol­le einen Kilt trägt, war eher Zufall. Auf der Suche nach einem Auf­hän­ger für ihr Roman­ex­pe­ri­ment sah Gabal­don eine Fol­ge der 60er Jah­re BBC Serie „Dr. Who“, in der Schau­spie­ler Fra­zer Hines einen gewis­sen Jamie MacCrim­mon spielt und einen Kilt trägt. (War­um ihr Roman­held den Namen James Fra­ser erhielt, dürf­te nun geklärt sein). Die­se kur­ze Sze­ne war der Urknall, aus dem das Out­lan­der Uni­ver­sum gebo­ren wurde.

Schott­land und das 18. Jahr­hun­dert waren so gut wie jedes ande­re Set­ting, war­um also nicht? Schließ­lich fand in die­ser Zeit die letz­te gro­ße Schlacht der Schot­ten gegen die Eng­län­der in Cullo­den statt. Ein letz­ter Ver­such der Stuarts, den Thron­an­spruch durch­zu­set­zen. Der Sieg der eng­li­schen Armee hat­te die Zer­stö­rung des Clan-Sys­tems und den fast völ­li­gen Unter­gang der gäli­schen Kul­tur zur Fol­ge. Wohl einer der schmerz­haf­tes­ten Punk­te in der schot­ti­schen Geschich­te. Noch dazu, wo die­ser ver­nich­ten­den Schlacht zwei durch­aus erfolg­rei­che (aus schot­ti­scher Sicht) in Pres­ton­pans und Fal­kirk vor­aus gin­gen, die den Schot­ten zunächst Hoff­nung auf Erfolg mach­ten. Die­se poli­ti­schen Ver­stri­ckun­gen zwi­schen Eng­län­dern und Jako­bi­ten auf ihre wis­sen­schaft­lich kom­pe­ten­te Art auf­zu­drö­seln und dem Leser dar­aus eine fas­zi­nie­rend bun­te, authen­ti­sche und span­nen­de Erzäh­lung zu stri­cken, ist Dia­na Gabal­don meis­ter­haft gelungen.

Nur einen his­to­ri­schen Lie­bes­ro­man zu schrei­ben war für die Autorin jedoch offen­sicht­lich zu ein­tö­nig. So mix­te sie spon­tan den Zeit­rei­se Aspekt hin­ein, würz­te ihre Geschich­te dezent mit etwas Fan­ta­sy und sogar eini­gen Sci­ence Fic­tion Ele­men­ten hier und dort und macht es so Kri­ti­kern nahe­zu unmög­lich, ihre Bücher in eine Schub­la­de zu zwän­gen. Man muss jedoch kei­ne Angst haben, dass sie sich ver­zet­telt oder gar unglaub­wür­dig wird. Alles in ihren Geschich­ten ergibt per­fek­ten Sinn – so sehr, dass sich heu­te Mil­lio­nen von Lesern danach seh­nen, durch einen Stein­kreis in die Ver­gan­gen­heit zu rei­sen. (meins wär’s ja nicht …)

Fazit 3: Erlaubt ist, was Spaß macht!

Cha­rak­te­re, die nicht vor Schmalz triefen

Ein wesent­li­cher Teil des Erfol­ges von Out­lan­der lässt sich auf die abso­lut gerad­li­ni­ge und kon­se­quent authen­ti­sche Dar­stel­lung der Figu­ren, vor allem der bei­den Haupt­fi­gu­ren Clai­re und Jamie zurück­füh­ren. Eine mit allen Was­sern gewa­sche­ne Armee-Kran­ken­schwes­ter des 20. Jahr­hun­derts, die als Wai­sen­kind aus dem ers­ten Welt­krieg bei ihrem Onkel in archäo­lo­gi­schen Aus­gra­bungs­camps auf­wuchs, dabei ganz Nord­afri­ka und Euro­pa bereis­te und auf den Schlacht­fel­dern des zwei­ten Welt­krie­ges gelernt hat, in äußerst pre­kä­ren Situa­tio­nen zu über­le­ben und sich durch­zu­set­zen, einem schot­ti­schen Manns­bild des 18. Jahr­hun­derts mit eben die­ser Welt­an­schau­ung gegen­über­zu­stel­len, birgt Poten­ti­al für weit mehr als nur unter­halt­sa­me Dia­lo­ge. Es ist das Was­ser des Lebens der gesam­ten Roman­se­rie. Obwohl Jamie für sei­ne Zeit erstaun­lich gebil­det und welt­of­fen ist (er hat als Nef­fe des Clan­füh­rers immer­hin in Paris stu­diert!), stellt ihn die uner­schro­cke­ne und direk­te Art von Clai­re, der die ange­mes­se­ne schick­li­che Zurück­hal­tung, die damals für Frau­en üblich war, so gar nicht liegt, stän­dig vor neue Her­aus­for­de­run­gen und nicht nur unan­ge­neh­me Überraschungen.

Die sich ent­wi­ckeln­de und schließ­lich tie­fe Bin­dung, die zwi­schen Jamie und Clai­re ent­steht, ist neben dem his­to­ri­schen Aspekt jedoch nur ein Bestand­teil von vie­len einer äußerst kom­ple­xen Erzäh­lung. Da gibt es schließ­lich noch ihren Ehe­mann Frank aus dem 20. Jahr­hun­dert, mit dem sie die Flit­ter­wo­chen in Inver­ness ver­bracht hat und des­sen Ehe­weib von einem Moment zum nächs­ten spur­los durch einen Stein­kreis ver­schwin­det. Die bei­den waren gera­de dabei, ihre durch den Krieg fast sechs Jah­re unter­bro­che­ne Ehe wie­der auf­le­ben zu las­sen und konn­ten bereits ers­te Erfol­ge ver­zeich­nen. Clai­res Kon­flikt, ja eigent­lich mit einem Mann ver­hei­ra­tet zu sein, der erst in 200 Jah­ren gebo­ren wird, den sie jedoch auf­rich­tig liebt und dem sie sich ver­pflich­tet fühlt und den­noch macht­los gegen die Gefüh­le zu sein, die sie nach und nach für Jamie ent­wi­ckelt, ist eine wei­te­re Wen­dung, die das Gesamt­werk so fas­zi­nie­rend macht. Und dies nicht zuletzt, weil es Dia­na Gabal­don gelingt, aus­zu­drü­cken, was ihre Cha­rak­te­re bewegt, ohne dass die Erzäh­lung vor Schmalz trieft. Und dies gera­de oder erst recht in den intims­ten Situa­tio­nen. Sie the­ma­ti­siert die Sexua­li­tät ihrer Figu­ren klar und ein­deu­tig, aller­dings in einer Spra­che, die die Fan­ta­sie anregt anstatt ledig­lich pla­ka­tiv zu beschrei­ben und mit Dia­lo­gen, die einen häu­fig schmun­zeln las­sen, ohne den Sze­nen ihre Lei­den­schaft zu rauben.

Und dann ist da noch der Böse­wicht, der Anti­held, der Gegen­pol und der Cha­rak­ter, durch den die Sto­ry erst so rich­tig span­nend wird: Black Jack Rand­all, ein eng­li­scher Offi­zier. Er ist eine fas­zi­nie­ren­de Mischung aus einem Abbild von Clai­res Ehe­mann Frank, des­sen Vor­fah­re er ist, und einem abso­lut gestör­ten, sadis­tisch ver­an­lag­ten, völ­lig kran­ken Psy­cho­pa­then. Er macht die Geschich­te erst so rich­tig gut, denn sei­ne Hand­lun­gen, sei­ne Art zu den­ken und sich aus­zu­drü­cken, las­sen einem beim Lesen oft einen Schau­er über den Rücken laufen.

To make a long sto­ry short: Jede ein­zel­ne der vie­len Figu­ren in die­sen Büchern ist auf ihre Art fas­zi­nie­rend und auch der kleins­te Neben­cha­rak­ter ist authen­tisch und glaubwürdig.

Fazit 4: Sei froh, dass du dei­ne Vor­fah­ren nie so ken­nen ler­nen wirst, wie sie wirk­lich waren!

Der häu­fi­ge, stets wir­kungs­vol­le und nicht immer genuss­rei­che Ein­satz von Whisky

Whis­ky spielt ganz klar eine Rol­le in den Out­lan­der Roma­nen. Ein Flach­mann ist immer dabei. Der Inhalt ist häu­fig so rau wie sein Besit­zer. Die Situa­tio­nen, in denen er ein­ge­setzt wird, nicht min­der. Die Men­gen in denen er kon­su­miert und die Anläs­se, zu denen er gereicht wird, legen den Schluss nahe, dass alle stets betrun­ken gewe­sen sein müs­sen. Wahr­schein­lich war das auch so, obwohl sicher­lich der Schot­te an sich gut geeicht war bezie­hungs­wei­se ist (Kli­schees, ich weiß … sorry).

Whis­ky dient als Nah­rungs­mit­tel, wenn der Magen knurrt und nichts Fes­tes zur Ver­fü­gung steht, als Heil­mit­tel zur inne­ren Anwen­dung beim Kurie­ren von Schock­zu­stän­den oder krank­haf­ten Zustän­den aller Art und als Betäu­bungs­mit­tel bei mehr oder min­der schwe­ren chir­ur­gi­schen Ein­grif­fen. Als Clai­re ihn zu Zwe­cken der Wund­des­in­fek­ti­on auch äußer­lich anwen­det, bestä­tigt sie den Schot­ten damit ledig­lich ihre tief ver­wur­zel­te Abnei­gung gegen Eng­län­der (Sas­se­nachs) an sich und ihr nicht min­der tief ver­wur­zel­tes Miss­trau­en gegen­über Frau­en, die immun gegen jeg­li­che Art von männ­li­chem Domi­nanz­ge­ba­ren sind, im Beson­de­ren. (Hier kommt Clai­re ihre Erfah­rung als Kran­ken­schwes­ter in den Feld­la­za­ret­ten ein­deu­tig zugute).

In den Hal­len der Clan­füh­rer und im Schott­land des 20. Jahr­hun­derts hin­ge­gen wird pas­send zum Anlass hoch­wer­ti­ger Whis­ky genos­sen. Die­sen beschreibt Dia­na Gabal­don dann so gekonnt, dass man beim Lesen sofort Lust auf einen Dram bekommt. Nicht, weil sie per­fek­te Tas­ting Notes lie­fert, son­dern weil das Gesamt­bild, in dem sie den Whis­ky ganz sub­til sei­ne Rol­le spie­len lässt, ein­fach stim­mig ist. Er gehört ein­fach dazu. Das Bild wäre ohne ihn nicht voll­stän­dig, nicht perfekt.

Fazit 5: Lies kei­nen Out­lan­der Roman, ohne einen guten Dram in Reich­wei­te zu haben!

Nächs­te Woche folgt die Fort­set­zung des Arti­kels. In Teil 2 spricht Katha­ri­na Löff­ler über die Fern­seh­se­rie, die zur Zeit auf VOX läuft. Wer sich bis dahin schon mal einen Dram geneh­mi­gen möch­te, fin­det bei unse­rem Part­ner-Shop Finde-DEINEN-Whisky.de vie­le Anregungen 😉

 


Katharina Löffler ist seit fast 20 Jahren begeisterte Leserin der Bücher von Diana Gabaldon. Ganz subtil ist sie durch diesen Stoff über die Jahre zur Whisky-Liebhaberin geworden. Die langjährige Bekanntschaft mit Jörg Bechtold war und ist hier eindeutig von großem Vorteil. Sie arbeitet freiberuflich als Texterin für Print und Web.