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Aqua Vitae 2014 – Sonne, Streik, Zuspruch, Zufriedenheit

Die Stadthalle in Mülheim an der Ruhr ist ein idealer und repräsentativer Ort für eine Spirituosen-Messe für Endverbraucherinnen und Endverbraucher, zentral gelegen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln eigentlich sehr gut erreichbar. Im siebten Jahr scheint die AQUAVITAE ihre Heimat schließlich gefunden zu haben.

Rund 2000m² Ausstellungsfläche, ihre Teilung in mehrere Präsentations-, Bewegungs- und Ruhezonen und Ebenen schufen funktionale lichtdurchflutete wertige Genuss- und Erlebnisbereiche, die für die Messebesuchenden wie auch für Ausstellenden eine angenehme Atmosphäre des Dialogs und der Begutachtung bereiteten.

Keine Frage, der GDL-Streik schadete vielen nachhaltig. Organisator Thilo Marquass schätzte, dass streikbedingt etwa 10% weniger Besucher zur Messe kamen als erhofft. Dennoch, auf dem anliegenden Parkplatz war nicht nur die Ruhr-Region vertreten, sondern belgische, niederländische und sogar badische Kennzeichen waren ebenfalls zu sehen, auch aus Bayern waren welche darunter. Erfindungsreich wechselten die Besucher wegen des Streiks notgedrungen von der Bahn zum PKW: „Wir wollten das breite Angebot der AQUAVITAE nicht missen.“ Gleiches tat Thomas H., er reiste spontan aus Brackenheim bei Heilbronn an.

„Drei Stunden dauerte die Straßenbahnfahrt von Dortmund bis hierher,“ schimpfte ein Mitglied des Dortmunder Whisky-Clubs. Selbst der Uisge Beatha Whisky Club aus Landsberg scheute nicht die lange Anreise mit dem Auto. Die Mülheimer AQUAVITAE war ihr Jahresereignis und sollte ihnen ein „tolles Wochenende“ bescheren.

Sonne, mediterrane Wärme und sommerliche Gefühle hinderten viele Besucher nicht am Gang zur Messe. Am Samstag war ein ständiges Kommen und Gehen zu beobachten. Kein Wunder, das Interesse an Information und Wissenserweiterung ist nach wie vor sehr groß, wenn das Angebot den Erwartungen der Zielgruppe entspricht. Am Samstag wurden rund 1300 Besucher gezählt, was angesichts der widrigen Umstände beachtlich für den Veranstalter Thilo Marquass von der Rolf Kaspar GmbH sei.

Die angebotenen Master Classes mit Fachleuten waren daher alle ausgebucht. Am Sonntag war der Zustrom wie gewöhnlich geringer. Hier wirkte sich wohl ebenfalls das sonnige Wetter nachteilig aus. Es kamen stattdessen diejenigen, die das ausgiebige Fachgespräch mit Ausstellern und anderen Besuchern suchten.

Die Auswahl, die sie in der Stadthalle erwartete, war riesig und qualitativ hochwertig. Die Stände waren fast durchweg mit Fachleuten besetzt, sodass ein erstklassiger Informationstransfer möglich wurde. Mit den „Big Heads“ sprachen die Besucherinnen und Besucher, darunter u.a. Charles MacLean, Alex Bruce, Iain Croucher, Mark Giesler, Mike Müller, Thomas Plaue, Jens Rosenberg, Julia Nourney, Chris Pepper, Peter Schütte, Bernhard Schäfer oder Arthur Winning. Selbst der große John MacDougall war für einige Zeit anwesend. Erfreulich war es, dass bei den deutschen und internationalen Edelbrand-Ständen viele Brennmeisterinnen und Brennmeister persönlich anwesend waren. Insbesondere die Fachgespräche mit ihnen eröffneten für viele Interessierte neue Einsichten in die Welt der Spirituosen.

Die Restauration im historischen Jugendstil-Ambiente des CARUSOs war vorzüglich. Dort begeisterte nicht nur die obligatorische Curry-Wurst, sondern ebenfalls ein echt schottisch-schmeckender Haggis-Hamburger zu volkstümlichen Preisen. Es gab genügend Lounges in denen sich die Besucher von ihren Verkostungsrundgängen erholen konnten. Selbst ein kleiner erholsamer Spaziergang an den Ufern der Ruhr war bei mediterranen Temperaturen leicht möglich. Die offenen Pforten und der Sonnenschein lockten zum Sonntagsspaziergang.

Die Vielfalt an Ausstellern und die Qualität ihrer Produkte waren attraktive Magnete. Dazu überraschte eine Breite an Spirituosen wie man sie selten bei derartigen Verbrauchermessen findet. Von Standardabfüllungen für die Neugierigen bis hin zu exquisiten seltenen Einzelfass-Abfüllungen für Malt Heads reichte das Angebot. In diesem Jahr war insbesondere die Whisky-Fraktion der Aussteller mit ihren Erträgen und ihren Flaschenverkäufen größtenteils sehr zufrieden. Sie freuten sich über ein sehr interessiertes und angenehmes Publikum, dass alle soziale Schichten und generationen-übergreifend zur AQUAVITAE 2014 führte.

„Der Samstag war richtig klasse,“ schwärmte der Laird of Glenmore. Jörg Leidemanns Auswahl an Abfüllungen der Lost Distilleries und historischen Blended Whiskies ist ein eindrucksvolles Raritäten-Kabinett, das Neugierige, Kenner und Sammler anzieht. „Ich bin im nächsten Jahr wieder dabei.“

Edelobstbrenner Thomas Helferich aus dem Odenwald betonte: „Ich bin sehr zufrieden, ich führte sehr gute Gespräche mit interessierten Verbrauchern, das war für mich die beste Werbung. Ich komme wieder.“

Iain Croucher vom schottischen Whisky-Abfüller A.D. Rattray war mehr als überrascht: „In Schottland gibt es in jeder Ecke des Raumes eine Security, aber hier ist das überhaupt nicht notwendig, das ist etwas sehr Schönes, eine Atmosphäre in der entspannt Whisky zu genießen ist, das ist wunderbar. Ein Lob an die Gäste, sie genießen maßvoll und wissen sehr viel über die Herstellung von Whisky, das machte mir viel Freude. Ich komme gerne wieder nach Mülheim.“

Sascha Gladis Fazit: „Die AQUAVITAE ist und bleibt das Event in Sachen Whisky.“

AQUAVITAE 2015: Samstag, den 17. Oktober und Sonntag, den 18. Oktober.
Info: www.messe-aquavitae.de

Ernie - Ernst J. Scheiner

Ernie - Ernst J. Scheiner

Ernst J. Scheiner ist der Herausgeber des Portals The Gateway to Distilleries und hat über 140 Destillerien fotografisch von innen dokumentiert sowie ihre Produktion beschrieben. Seit seinem Studium an der University of Edinburgh befasst er sich mit Whisky und publiziert in englisch- und deutschsprachigen Blogs sowie Magazinen über schottische und irische Destillerien. Als Whisk(e)y-Botschafter führt er Tasting-Kollegs und Studienreisen für Einrichtungen der Erwachsenenbildung sowie für das EBZ Irland durch.
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