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Rückblick: FINEST SPIRITS 2014 (Teil II)

Motorradfan Frank Böer (auf dem Display) und die Festival-Harley
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Wäh­rend mit THE VILLAGE in Nürn­berg schon die nächs­te Whis­ky-Mes­se läuft, schul­de ich Euch noch den zwei­ten Teil von mei­nem Rück­blick auf die FINEST SPIRITS in München.

Am Sams­tag begann die Mes­se um 14 Uhr, den Vor­mit­tag hat­te ich bei herr­li­chem Früh­lings­wet­ter erst mal zu aus­gie­bi­gem Shop­ping in der Innen­stadt genutzt. Unüber­seh­bar spiel­ten nach­mit­tags außer­dem die Bay­ern, die Restau­rants rund um den Vik­tua­li­en­markt waren fest in rot-wei­ßer Hand.

Tom SkowronekDer Mes­se­rund­gang star­te­te erst mal bei Tom Sko­w­ro­nek von Anam na h‑Alba – The Soul of Scot­land, des­sen Ein­zel­fass-Abfül­lun­gen ich schon im Forum derwhisky.de ver­folgt und die dor­ti­gen Tas­ting-Notes gele­sen hat­te. Nun konn­te ich end­lich mal pro­bie­ren, auf sei­ne Emp­feh­lung hin einen Auchentoshan 17yo aus einem Sher­ry-Refill-Hogs­head. Durch das unge­wöh­li­che Fass kein typi­scher Low­lan­der mehr, dafür aber sehr kom­plex und it etwas Was­ser auch recht süf­fig. Außer­dem einen Long­morn 21yo, der so schmeck­te, wie ein Long­morn eigent­lich schme­cken soll. Und nicht das Zeugs, was sie heu­te abfüllen …

Cask Alive mit Frank GauertDann zu Frank Gau­ert, Orga­ni­sa­tor der whisky’n’more in Bochum, und sei­nen „Cask alive!“-Abfüllungen. Dabei wer­den Sin­gle Mal­ts nam­haf­ter Destil­le­rien in klei­ne Fäs­ser aus Limou­sin-Eiche, Akazien‑, Pflau­men- oder Kirsch­holz gefüllt und vor den Augen der Käu­fer in hüb­sche Fla­schen abge­füllt und mit dem aktu­el­len Datum beschrif­tet. Pro­biert habe ich einen Loch Lomond 1996 mit Cognac-Finish sowie einen Glen Ord 1990 aus dem Aka­zi­en-Fass. Bei bei­den war der Fass­ein­fluss deut­lich, vor allem das Aka­zi­en­holz sorgt für eine schö­ne Honigno­te. Dann hat Frank noch einen (unge­fi­nish­ten) Litt­le­mill aus­ge­packt, der gut wie immer war. Lei­der kein ganz güns­ti­ges Vergnügen.

Koval mit Sonat BirneckerDie Ent­de­ckung von Tag 2 war aber die Koval Distil­le­ry aus Chi­ca­go. Gele­sen hat­te ich schon viel von ihren „hand­ma­de craft spi­rits“, nun konn­te ich end­lich mal pro­bie­ren. Der Brenn­meis­ter und Grün­der Robert Birne­cker kommt aus Öster­reich und hat die Destil­le­rie zusam­men mit sei­ner ame­ri­ka­ni­schen Frau Sonat 2008 gegrün­det. In Brenn­bla­sen aus Stutt­gart bren­nen sie mit öster­rei­chi­schem Know-how typisch ame­ri­ka­ni­schen Whis­ky aus rei­nem Bio-Getrei­de und zudem koscher zer­ti­fi­ziert: Einen Rye, der mir als White Rye (sprich unge­reif­ter New Make) etwas bes­ser gefiel denn als gereif­ter Whis­ky. Einen tol­len, sehr wei­chen und über­haupt nicht nach Kleb­stoff rie­chen­den Bour­bon, der neben Mais nur noch Hir­se ent­hält. Einen rei­nen Hir­se-Whis­ky („Mil­let“), der eine ganz inter­es­san­te süße Note hat sowie einen tol­len Four Grain aus Hafer, Gers­ten­malz, Rog­gen und Wei­zen. Man schmeckt jedes Korn ein­zeln. Die bei­den wur­den in Ame­ri­ka mit Prei­sen über­häuft und sind auch sonst ziem­li­che High-Fly­er und zudem noch sehr sympatisch.

Der Rest des Tages gehör­te dann dem Rum, von dem so viel auf dem Fes­ti­val zu fin­den war, dass man allei­ne einen gan­zen Tag damit hät­te zubrin­gen kön­nen. Ein Kurz­be­such beim Rum Depot Ber­lin und bei der Rum Nati­on muss­ten in mei­nem Fall reichen.

Munich Spirits mit Pit KrauseNicht uner­wähnt blei­ben soll­te natür­lich der obli­ga­to­ri­sche Stand von Munich Spi­rits / slowdrink.de, der allei­ne schon durch die stän­di­ge Klin­ge­lei mit einer Glo­cke auf­fiel, wenn wie­der mal eine der unzäh­li­gen Rari­tä­ten geöff­net wur­de. Eine Lis­te und Fotos der Fla­schen fin­det ihr in der Vor­ankün­di­gung. Schön, die alten Freun­de um Malt Maniac Pit Krau­se mal wie­der zu sehen.

WoodysAm Ende muss­te ich noch an zwei Stän­den vor­bei, die nur am Ran­de mit Whis­ky zu tun haben: Bei Woody’s – Edles aus Holz gab es Schreib­ge­rä­te, Fla­schen­öff­ner und vie­les mehr aus Whis­ky-Fass-Holz. Ich habe mich letzt­end­lich für einen Kugel­schrei­ber aus einem Aber­lour-Fass ent­schie­den, kurz und dick geformt und schön schwer in der Hand lie­gend, mit ver­kup­fer­ten(!) Metall­tei­len. Sieht man auch nicht alle Tage und mit 49 € für eine Hand­ar­beit durch­aus fair.

Marx LebkugelnUnd dann natür­lich Marx Leb­ku­geln. Der Cho­co­la­tier aus Nürn­berg, höchst­selbst am Stand prä­sent, hat­te extra für die FINEST SPIRITS eine Son­der­edi­ti­on mit 9 Scho­ko-Trüf­feln ent­wor­fen. Ein­ge­bet­tet in dunk­ler Scho­ko­la­de ist vom schwei­zer Sän­tis Malt über Small Batch Bour­bons bis hin zu einer Abfül­lung des Scotch Sin­gle Malt Cir­cle und einem Talis­ker alles wich­ti­ge ver­tre­ten. Sehr gut, aber ordent­lich herb und eben­so ordent­lich alkoholisch!

Motorradfan Frank Böer (auf dem Display) und die Festival-HarleySchön wars in Mün­chen. Kom­pli­ment an Orga­ni­sa­tor Frank-Micha­el „Easy Rider“ Böer und sein Team, die wie­der mal eine tol­le Ver­an­stal­tung auf die Bei­ne gestellt haben. Im nächs­ten Jahr sind aber mal wie­der ande­re dran. Viel­leicht doch Bochum? Oder mal wie­der die Aqua­vi­tae in Mül­heim? Oder Ber­lin? Ach, es gibt so vie­le Whis­ky­mes­sen


Jörg Bechtold beschäftigt sich seit Ende der 90er Jahre mit Single Malt Whisky. Auf mehreren Reisen nach Schottland hat er Land und Leute kennengelernt sowie viele Destillerien besucht. 2002 hatte er die WHISKYFANPAGE.DE begründet, seit 2006 schreibt er dieses Blog und ist außerdem als Referent für Whisky-Tastings tätig.