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Rückblick: FINEST SPIRITS 2014 (Teil I)

Säntis Malt
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Letz­tes Wochen­en­de, genau­er Frei­tag und Sams­tag, war ich nach zwei Jah­ren Pau­se mal wie­der auf der FINEST SPIRITS in Mün­chen. Im Vor­feld gab es Mit­te Janu­ar hier im Blog bereits ein Inter­view mit Ver­an­stal­ter Frank-Micha­el Böer und eine Vor­schau auf zwei Son­der­ab­fül­lun­gen des Zieg­ler Aure­um 1865, die auf der Mes­se ihre Pre­mie­re hatten.

Chivas LoungeVer­an­stal­tungs­ort ist seit 2011 das MVG-Muse­um, in die­sem Jahr wur­de auch ein Shut­tle-Ser­vice zwi­schen der U‑Bahn-Hal­te­stel­le Bahn­hof Gie­sing und dem Muse­um ein­ge­rich­tet. Das macht auch Sinn, die Mün­che­ner Stra­ßen­bah­nen sind näm­lich chro­nisch über­füllt und bei den Fah­rern habe ich im Ver­gleich zu unse­ren Bah­nen in Karls­ru­he immer das Gefühl, blu­ti­ge Anfän­ger zu erwi­schen. Mit der S‑Bahn ist es da deut­lich kom­for­ta­bler und schnel­ler sowieso.

Bereits kurz nach der Eröff­nung am Frei­tag um 16 Uhr bil­de­te sich eine lan­ge Schlan­ge vor der Kas­se. Für Inha­ber von Pres­se- oder Vor­ver­kaufs­kar­ten gab es einen zwei­ten Ein­gang und auch eine zwei­te Gar­de­ro­be, was die Sache deut­lich beschleu­nig­te. Lei­der war die Gar­de­ro­be direkt über dem Grill ein­ge­rich­tet, wes­halb mei­ne Jacke noch am nächs­ten Mor­gen einen kräf­ti­gen Brat­wurst­ge­ruch hat­te. Kei­ne Ahnung wie es die bei­den Hel­fer da oben den gan­zen Abend aus­ge­hal­ten haben. Dafür war das Cate­ring aber gut und auch preis­lich im Rahmen.

Säntis MaltInnen dann das ver­trau­te Bild, im vor­de­ren Bereich die Stän­de der gro­ßen Impor­teu­re und Mar­ken, im hin­te­ren Bereich zwi­schen den his­to­ri­schen Bah­nen die klei­ne­ren Pro­du­zen­ten und Abfül­ler. Bereits bei mei­ner obli­ga­to­ri­schen Ein­füh­rungs­run­de blieb ich bei Det­lef Som­mer und sei­nem Sän­tis Malt hän­gen und pro­bier­te erst ein­mal den Alpstein VII (sehr run­des Sher­ry-Finish) und die ers­te Win­ter-Edi­ti­on Snow White mit Apfel­schnaps-Finish (deut­lich).

C&S DramDirekt neben­an bei Andrea Camin­ne­ci und sei­ner C&S Dram Collec­tion den neu­en West­port (eher leicht), Dai­l­uai­ne (klas­se) und Glen Grant (sehr gut, aber teu­er) sowie den ita­lie­ni­schen (süd­ti­ro­ler) Puni Alba, der sich noch nicht Whis­ky nen­nen darf und auch nicht wirk­lich so schmeckt. Dafür sehr stark nach den drei Fas­s­ar­ten, in denen er ins­ge­samt zwei Jah­re gereift ist. Mal gespannt, wie das Gan­ze in ein paar Jah­ren aussieht.

Scotch Single Malt CircleDazwi­schen Mag­gie Mil­ler mit dem Scotch Sin­gle Malt Cir­cle, den ich in den letz­ten Jah­ren lei­der etwas aus den Augen ver­lo­ren hat­te. Dafür hat sie mich dann auch mit dem fan­tas­ti­schen MacDuff 1980 32yo und den eben­so guten Bun­nah­ab­hain 1987 25yo (sehr rund) und Bra­es of Glen­li­vet 1994 18yo (Geheim­tipp) auf den neu­es­ten Stand gebracht. Auch bei ihr stei­gen die Prei­se inzwi­schen, aber gute Fäs­ser wer­den eben immer rarer und Mag­gi­es Nase kann man eigent­lich immer blind trau­en. Zudem ist der Klub­bei­trag für den SSMC wesent­lich güns­ti­ger als für die SMWS, die auch einen Stand auf dem Fes­ti­val hatte.

Single Cask CollectionBei den Öster­rei­chern von der Sin­gle Cask Collec­tion konn­te ich dann Ben­Riach 1996, Crai­gal­la­chie 2003 Rum-Finish, Lit­tel­mill 1992 21yo und Inver­gor­don 1988 24yo pro­bie­ren und von letz­te­rem direkt eine Fla­sche mit­neh­men, für 65 € sehr fair bepreist. Eine tol­le Ran­ge, lei­der schon wie­der wei­test­ge­hend aus­ver­kauft. Seit­dem ich mit Finde-DEINEN-Whisky.de einen eige­nen Online-Shop habe, wird mir erst rich­tig klar, wie schnell man als Händ­ler zuschla­gen muss, wenn man nicht leer aus­ge­hen will.

WhiskymaxAls Aus­klang für den ers­ten Tag habe ich bei Whis­ky­max end­lich mal den aktu­el­len Tamd­hu in der „Metaxa“-Flasche pro­biert, lei­der über­haupt nicht mein Geschmack. Zu viel Sher­ry, zu wenig Kör­per. Am Stand des Bre­mer Spi­ri­tuo­sen Con­tor gab es eine Son­der­edi­ti­on des Big Peat mit 50% spe­zi­ell für das Mün­che­ner Fes­ti­val, von dem ich eine Fla­sche mit­ge­nom­men habe. Und schließ­lich noch beim Whis­ky Wareh­ouse No. 8 einen Dai­l­uai­ne 1997 16yo und zwei Rum aus Gre­na­da und Pana­ma, den einen mit tol­ler Nase und den ande­ren mit tol­lem Abgang. Man kann nicht alles haben …

Fentimans LimonadenZwi­schen­drin habe ich übri­gens noch kurz zur Erfri­schung bei Fen­ti­m­ans vor­bei­ge­schaut. Deren „bota­nisch gebrau­te“ eng­li­schen Limo­na­den kann­te ich schon aus dem Ange­bot von Manu­fac­tum, hat­te sie aber noch nie pro­biert. Die Ing­wer-Sor­ten sind nicht so mein Ding, aber die Vic­to­ri­an Lemo­na­de (sehr zitro­nig), die Curio­si­ty Cola (wie die Hari­bo-Kolafla­schen) und der Klas­si­ker Dan­de­li­on & Bur­dock (Klet­te und Löwen­zahn) sind mehr als trink­bar. Letz­te­res schmeckt ähn­lich wie Red Bull nach ein­ge­leg­ten Gum­mi­bä­ren, aller­dings deut­lich bes­ser als das öster­rei­chi­sche Trendgesöff.

Die FINEST SPIRITS bie­tet auf rund 5000 qm Flä­che so vie­le Aus­stel­ler, dass ein Tag deut­lich zu wenig ist. Daher war ich auch am sehr son­ni­gen Sams­tag noch ein­mal dort, was ich Euch dann im zwei­ten Teil die­ses Arti­kels in der nächs­ten Woche erzäh­len wer­de. Und falls Ihr Euch fragt, wie man an einem Tag so viel trin­ken kann, lest Euch mal den Arti­kel Mei­ne ers­te Whis­ky­mes­se durch 😉


Jörg Bechtold beschäftigt sich seit Ende der 90er Jahre mit Single Malt Whisky. Auf mehreren Reisen nach Schottland hat er Land und Leute kennengelernt sowie viele Destillerien besucht. 2002 hatte er die WHISKYFANPAGE.DE begründet, seit 2006 schreibt er dieses Blog und ist außerdem als Referent für Whisky-Tastings tätig.